Kiezkultur

Wunder zu Ostern – Bürger retten Puppentheater "Hans Wurst"

Das Puppentheater „Hans Wurst Nachfahren“ in Schöneberg sollte Ende Mai schließen. Dagegen sammelte eine Initiative mehr als 10.000 Unterschriften. Einen Tag vor Ostern gab es eine frohe Botschaft.

Foto: Reto Klar

Sie haben sich engagiert, eine Online-Petition gestartet, Unterschriften gesammelt. Die "Initiative Kiezkultur – Rettet das Theater am Winterfeldtplatz" in Tempelhof-Schöneberg suchte in den vergangenen Wochen Unterstützer, um das Puppentheater "Hans Wurst Nachfahren" vor dem Aus zu bewahren. Die Initiatoren Dagmar Borowsky, Jochen Dannert, Eva von Davier, Sebastian Herold, Elke König und Cornelia Stauß machten sich stark dafür, dass nicht wieder ein "Stück gewachsene Kiezkultur in Berlin" verschwindet. Und sie sollten Erfolg haben.

Bisher waren die Verhandlungen festgefahren. Der neue Privateigentümer wollte das Theater für andere Zwecke nutzen. 2015 sollte endgültig Schluss sein. Das letzte Stück sollte am 31. Mai "Der gestiefelte Kater" werden.

Mit einem Brief verabschiedete sich das zehnköpfige Ensemble um Barbara Kilian und Siegfried Heinzmann sogar schon von ihrem Publikum: "Wir danken Euch für die Begeisterung, die Ihr unseren Aufführungen entgegengebracht habt und ganz besonders allen Kindern, für die wir 34 Jahre lang in Berlin mit großer Leidenschaft Theater spielten, den Kindern, die uns auch als Erwachsene in unseren Abendstücken die Treue hielten und die bis heute mit ihren Kindern und Kindeskindern wiederkommen. Wir werden Euch sehr vermissen."

Viele Unterstützer mit nostalgischen Gefühlen

Gegen die Schließung machte eine neue eine Bürgerinitiative mobil. "Es kann nicht sein, dass ein so beliebtes und erfolgreiches Kindertheater mit jährlich rund 25.000 Besuchern, dem Eigenbedarf, der Errichtung eines privaten Tonstudios weichen muss: Unser Vorschlag geht dahin, die Spielstätte an diesem Ort zu erhalten und dem neuen Eigentümer einen Ersatzstandort anzubieten. Leerstand an Gewerberaum gibt es in Berlin überreichlich", haben die Initiatoren formuliert.

11.744 Unterstützer sahen das bis zum 3. April ganz genau so, 10.193 Unterzeichner kommen aus Berlin. Viele von ihnen sicher mit nostalgischen Gefühlen für das Haus am Schöneberger Winterfeldtplatz oder mit einer tiefen Verwurzelung in ihrem Kiez. Auch sonst ist vieles an den neuen Plänen für die Bürgerinitiative "unausgegoren": Für die Theatertruppe, die ihre Existenz verliert, aber auch für die Anwohner, die eine drohende Verwahrlosung des Platzes sehen.

Verlängerung des Vertrags bis 2016

Doch am Ostersonnabend kam plötzlich Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen. Barbara Kilian von der Theaterleitung teilte mit: "Nach Gesprächen zwischen dem Kultur-Staatssekretär Tim Renner und dem neuen Eigentümer wurde unser Vertrag nun bis 2016 verlängert – das ist jetzt amtlich!" Sie sprach gerührt von einem "Wunder, einen Tag vor Ostern".

Nun können sich die "Hans Wurst Nachfahren" um den weiteren Spielplan bis Herbst nächsten Jahres kümmern. Und der Abschiedsbrief, den sie auf ihrer Homepage geschrieben haben, ist – zumindest vorerst – nicht mehr aktuell. Er kann durch einen Dankesbrief ersetzt werden.

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