myToys

Spielzeugfirma zieht in alte BVG-Zentrale am Kleistpark

In den ehemaligen Hauptsitz der BVG am Kleistpark zieht neues Leben ein. Neben der Hochschule der populären Künste siedelt sich dort jetzt auch die Zentrale von „myToys“ an.

Foto: Reto Klar

Bis Mitte 2008 haben rund 1000 Mitarbeiter der BVG-Hauptverwaltung am Kleistpark die Akten gewälzt, künftig wird dort die bunte Spielzeugwelt einziehen. Das Unternehmen „myToys“ will im dritten Quartal dieses Jahres in das denkmalgeschützte Gebäude einziehen. Genauer gesagt, in den Teil Ecke Grunewald- und Potsdamer Straße 192 – dort, wo einst die Schwarzfahrer bei der BVG ihre Strafe zahlten.

11.000 Quadratmeter wird die Firma dort nutzen. Im anderen Teil des Hauses, mehr zu den Königskolonnaden hin, hat die Hochschule der populären Künste seit 2013 ihren Sitz. Ausschlaggebend für die Entscheidung ist auch das bunte Quartier gewesen. „Wir waren immer in einem sehr schönen kiezigen Umfeld. Und auch an unserem neuen Standort sind der Winterfeldtplatz oder die Akazienstraße gut erreichbar, sie bieten eine schöne Gelegenheit, um beispielsweise die Mittagspause auch mal außerhalb des Firmengeländes zu verbringen“, sagt Firmenchef Oliver Lederle.

Anderthalb Jahre hat „myToys“ nach Auskunft von Oliver Lederle nach passenden Räumen in Berlin gesucht. Lederle, gebürtiger Schwabe, hatte die Firma 1999 in Osnabrück gegründet. Kurze Zeit später, im Jahr 2000, zog er mit damals rund 25 Mitarbeitern zunächst in die Kulturbrauerei ein.

383 Millionen Euro Umsatz

„Wir haben uns bis 2009 dort in Prenzlauer Berg sehr wohl gefühlt“, sagt der heute 46-Jährige der Berliner Morgenpost. Doch Platzgründe waren damals wie heute der Grund zur Veränderung. Die Firma wuchs und wächst weiter. Seit dem Jahr 2000 ist die Otto Group mit einem Anteil von fast 75 Prozent an der „myToys.de GmbH“ beteiligt. Rund vier Millionen Kunden hat der Onlineshop für Spielzeug und Produkte rund ums Kind nach eigenen Angaben. Der Umsatz der „myToys“-Gruppe, dazu zählen auch ein Onlineschuhgeschäft und weitere Onlineshops, betrug im vergangenen Geschäftsjahr rund 383 Millionen Euro.

Weil inzwischen auch die jetzt genutzten Räume am Marheinekeplatz in Kreuzberg sowie an der Zossener Straße zu klein sind, war es notwendig, größere Büroflächen zu finden. Heute beschäftigt das Unternehmen nach eigener Auskunft rund 1500 Mitarbeiter, 700 davon ziehen in die künftige Zentrale zum Kleistpark. „Wir wollen weiter wachsen und haben für die neuen Räume einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen“, sagt Oliver Lederle, dessen Bruder Alexander Lederle ebenfalls in der Geschäftsleitung vertreten ist.

„Der gesamte Standort am U-Bahnhof Kleistpark wird gestärkt“

Der Bezirk freut sich über die Entscheidung. „Wir bedauern zwar nach wie vor, dass die BVG den Standort abgegeben hat und halten die Entscheidung aus Sicht des Landes Berlin auch rückblickend für falsch. Doch das sind Fakten. Insoweit freuen wir uns über die Ansiedlung. Endlich kehrt in das Gebäude wieder Leben ein. Der gesamte Standort am U-Bahnhof Kleistpark wird gestärkt“, sagte Christoph Götz, der stadtentwicklungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung.

Auch die zwei anderen Neubauvorhaben direkt an der Kreuzung – die Bebauung des Grundstücks, wo früher ein Autohandel seinen Sitz hatte, sowie die Schließung der Baulücke, wo sich heute eine Bar in einem S-Bahn-Waggon befindet – begrüßt Götz. Bevor das E-Commerce-Unternehmen, zu dem auch 13 „myToys“-Filialen gehören, drei davon in Berlin und im Umland, in das denkmalgeschützte Haus einziehen kann, muss der Vermieter – die Kreuzberger Banel Grundbesitz GmbH – die Räume kernsanieren.

Licht und Farbe für Kreativität

Das Objekt passt nach Auskunft von Firmenchef Lederle von den Raumzuschnitten bereits gut zum Unternehmen: „Wir arbeiten in Gruppenbüros, nicht im Großraum.“ Neben der Erneuerung der Technik, die bei solch einem Objekt selbstverständlich erneuert werden müsse, legt er vor allem Wert auf eine ansprechende Arbeitsatmosphäre. „Licht, Farbe und Spaß im Arbeitsalltag sind uns wichtig und fördern die Kreativität und eine entspannte Arbeitsatmosphäre. Die Mitarbeiter sollen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. Die Gestaltung der Büroräume trägt einen wichtigen Teil dazu bei“, so Oliver Lederle. Der Spielzeugshop von „myToys“ hat in Spitzenzeiten zu Weihnachten bis zu 60.000 Aufträge pro Tag entgegengenommen. Das Unternehmen ist neben Deutschland auch in Österreich und der Schweiz vertreten. Geliefert wird in alle EU-Länder.

Während die Lagerlogistik südlich von Frankfurt/Main angesiedelt ist, wird am Kleistpark die Verwaltung untergebracht. Relevante Abteilungen sind dabei der Einkauf, das Marketing und die IT mit der Programmierung der Onlineshops sowie Buchhaltung und die Personalabteilung. Lederle freut sich auf den Standort, wie er sagt. Er sei nicht weit weg vom jetzigen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut angeschlossen. „Die meisten kommen mit der U-Bahn und dem Rad zur Arbeit“, berichtet er. Auch die Nähe zum Hauptbahnhof und zum Südkreuz sei von Vorteil, ebenso seien die Flughäfen Tegel und Schönefeld schnell zu erreichen.

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