Verkehr in Berlin

In der "Begegnungszone" sind alle gleichberechtigt

Um den täglichen Kampf im Berliner Straßenverkehr zu entschärfen, hat der Senat das Konzept der „Begegnungszone“ vorgestellt. Sie soll Konflikte zwischen Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern lösen.

Foto: Breimann & Bruun

Ein Haus, ein Auto, ein Fahrrad, zwei Fußgänger und ein Tempo-20-Hinweis. "Berliner Begegnungszone" steht über den weißen Piktogrammen auf dem lindgrünen Schild, das Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Freitag präsentierte. "Dieses nichtamtliche Schild, das durch ordentliche Verkehrsschilder ergänzt wird", so Müller, wird künftig auf Berlins erste "Begegnungszonen" hinweisen.

Sie sollen im Rahmen des Senatsprogramms für eine fußgängerfreundlichere Stadt Sicherheit und Rücksichtnahme fördern. Mit Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 Stundenkilometern, schmaleren Fahrbahnen zugunsten von mehr Grün- und Aufenthaltsflächen sowie Verlagerung des Radverkehrs auf die Straße. Das alles soll ein entspannteres Miteinander von Auto-, Fuß- und Radverkehr ermöglichen.

So sehen es zumindest die Pläne für die Maaßenstraße in Schönberg vor, die als stadtweit erstes Projekt der zunächst drei geplanten Begegnungszonen im Herbst 2015 an den Start gehen soll. Nach Angaben von Stadtentwicklungssenator Müller werde noch in diesem Jahr mit ersten bauvorbereitenden Arbeiten begonnen. Während damit für das erste Pilotprojekt der Planungs- und Abstimmungsprozess beendet ist, steckt die "Begegnungszone Bergmannstraße" noch in den Anfängen.

Bürger sollen bei der Bergmannstraße mitdiskutieren

Die stark belebte Wohn-, Gaststätten- und Geschäftsstraße im Kreuzberger Kiez soll in dem Bereich vom Mehringdamm bis zur Friesenstraße hin als Begegnungszone ausgewiesen werden. Wie das konkret gestaltet wird, soll zunächst mit den Bürgern erörtert werden. "Ähnlich wie bei der Begegnungszone Maaßenstraße werden die Bürger auch in die Planungen zur Begegnungszone Bergmannstraße einbezogen und können beispielsweise im Rahmen eines moderierten Online-Dialoges sowie verschiedener Veranstaltungen ihre Wünsche einbringen," sagte Senator Müller. Die Bürgerbeteiligung startet nächstes Jahr im Februar offiziell. Auf einer ersten öffentlichen Diskussion am Donnerstagabend wurde jedoch schon jetzt deutlich, dass einige Anwohner den Plänen des Senats kritisch gegenüberstehen.

So befürchtet die Bürgerinitiative "Leiser Bergmannkiez" (BI), dass das Projekt in der Bergmannstraße zu einer Alibiveranstaltung wird. "Der Senat muss auch die umliegenden Straßen in solch ein Konzept integrieren", sagt Hans-Peter Hubert von der Bürgerinitiative. "Was bringt eine Verkehrsberuhigung, die den Verkehr in die anderen Straßen verlagert?", fragt Hubert. "Wir fordern deshalb auch, dass der gesamte Kreuzungsbereich an der Markthalle in die Begegnungszone einbezogen wird."

Damit nicht genug. Die BI schlägt vor, die Nord-Süd-Route Friesen-/Zossener Straße als Durchgangsstraße zu unterbrechen und nur für den öffentlichen Nahverkehr, für Anwohner und Fahrräder zu öffnen. Hubert betont, dass dieser Bereich schon jetzt von vielen Autofahrern auf dem Weg zur Autobahn als Abkürzung von Mitte zum Columbiadamm genutzt werde.

"Wir brauchen weiter leistungsfähige Straßen für Autos", sagt hingegen Senator Müller. Bezüglich der Lärmbelastung weist Projektleiter Horst Wohlfahrt von Alm auf die geplante Sanierung der Friesenstraße hin. "Die Pflastersteine werden durch einen Asphaltbelag ersetzt." Umgewidmet werden soll auch der Bereich um den Checkpoint Charlie in Kreuzberg. Offen ist aber noch, wann.

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