Dresdner Bahn

Bürgerinitiative fordert Tunnel für S-Bahnhof Lichtenrade

Der Ausbau der Dresdner Bahn in Berlin-Lichtenrade stockt. Eine Bürgerinitiative schlägt vor, einen kürzeren Tunnel am S-Bahnhof zu bauen, um Kosten zu sparen. Die Bahn plant jedoch ebenerdig.

Foto: Amin Akhtar

Lichtenrader Bürger dringen auf eine Lösung des seit Jahren blockierten Ausbaus der Dresdner Bahn am S-Bahnhof Lichtenrade im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Sie haben deshalb nun vorgeschlagen, einen kürzeren Tunnel zu bauen. So könnten die Kosten gesenkt werden, die Züge Lichtenrade dennoch unterqueren.

Statt wie ursprünglich geplant, von der Buckower Chaussee bis zum Stadtrand, sollte der Tunnel erst deutlich südlicher, am S-Bahnhof Schichauweg, beginnen. Dies hätte zudem den Vorteil, dass der dann nur noch 2,5 statt vier Kilometer lange Tunnel in nur 14 statt 22 Meter Tiefe verlaufen könnte, argumentieren die Bürger.

Die Planungen der Bahn sehen jedoch vor, die neue Strecke für die ICE und Regionalzüge ebenerdig durch Lichtenrade zu führen. Neben den zwei bestehenden S-Bahn-Gleisen sollen zwei Fernbahngleise gebaut werden, auf denen auch der Airport-Express zum BER-Fluhafen fahren soll. Der Auto- und Busverkehr auf der Lichtenrader Bahnhofstraße müsste unterhalb der Gleise von S-Bahn und Fernbahn in einer Unterführung fahren, sollten die Bahnpläne umgesetzt werden – mit meterhohen Schallschutzwänden, um die Wohnhäuser vom Lärm abzuschotten.

Anwohner befürchten Spaltung

Lichtenrader Vereine und Verbände haben sich im Bürgerforum Zukunft Lichtenrade e.V. zusammengeschlossen, um das zu verhindern. Statt ebenerdiger Querung der Züge durch ihren Ortsteil pochen sie, wie auch die seit bereits 15 Jahren kämpfende „Bürgerinitiative Lichtenrade – Dresdner Bahn e.V. – Bahn für Menschen“ auf eine Tunnellösung. „Alles andere würde unseren Ortsteil zerschneiden. Das käme einer Spaltung von Lichtenrade gleich und wäre städtebaulich und verkehrlich eine Katastrophe“, kritisieren Ingolf und Gisela Grams, die sich im Bürgerforum neben anderen engagieren.

Das sieht auch Jan-Marco Luczak, selbst Lichtenrader und Bundestagsabgeordneter der CDU, so. „Wir hatten bis 1989 eine Mauer. Die wollen wir nicht zurück“, sagte Luczak am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Er sei deshalb mit dem Bundesverkehrsministerium und der Deutschen Bahn seit Jahren im Gespräch. Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) lehne eine Tunnellösung nicht ab, erwarte aber, dass Berlin dazu einen finanziellen Eigenanteil leiste. Wegen der guten Arbeit der Bürgerinitiative wolle sich das Ministerium in Kürze in Lichtenrade selbst ein Bild machen, so Luczak. Er möchte dann die Auswirkungen einer ebenerdigen Trassenführungen für Lichtenrade erläutern.

Fußgänger und Radfahrer müssten Unterführung nutzen

Momentan wird der Zugverkehr vor dem S-Bahnhof Lichtenrade mit Schranken geregelt. Nicht nur die Autos, auch die Fußgänger müssen warten, wenn die S-Bahn in Richtung Blankenfelde und Bernau die Bahnhofstraße quert. Sollte die oberirdische Variante der Bahn gebaut werden, würden zukünftig auch die Radfahrer und Fußgänger die Unterführung mit seitlichen Rampen nutzen. „Weil die Querstraßen nicht sehr weit entfernt sind, würde die Unterführung sehr steil werden müssen, was gerade auch für Fußgänger und Radfahrer sowie für Menschen mit Behinderungen unzumutbar ist“, sagt Georg Wagener-Lohse, Vorsitzender des Bürgerforums.