Bestattungen

Wie Sie an der letzten Ruhe sparen können

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Annette Jäger

Foto: tim/nid/mw / DDP

Deutschlands Bestatter kämpfen mit sinkenden Umsätzen. Die Kosten für eine klassische Beerdigung summieren sich schnell auf 5000 Euro. Das können sich viele Menschen nicht mehr leisten und suchen nach Möglichkeiten, die Kosten zu drücken. Selbst Discountbestattungen werden allmählich gesellschaftsfähig.

Toni Hanrieder ist „von Berufung Bestatter“, wie er sagt. Der Chef des gleichnamigen bayerischen Familienunternehmens mit sieben Filialen in München und Umgebung kommt auf rund 1000 Bestattungen im Jahr. Die Motivation für seinen Job bezieht er aus dem Umstand, anderen in schwierigen Situationen helfen zu können.

Seine Kunden wiederum müssen neben dem Schmerz über den Verlust eines nahestehenden Menschen auch noch mit den Kosten für die Beerdigung klarkommen. Bestatter, Friedhofsgebühren, Grabnutzung – die einzelnen Posten summieren sich schnell auf jene 5000 Euro, die den Durchschnittspreis für eine Bestattung in Deutschland ausmachen. Eine Summe, die sich viele heutzutage nicht mehr leisten können.

Seit dem Wegfall des Sterbegeldes im Jahr 2004 seien die Kosten einer Bestattung zu einem großen Thema bei den Kundengesprächen geworden, sagt Hanrieder, der auch Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter mit Sitz in Düsseldorf ist. „Die Umsätze pro Todesfall tendieren nach unten“, sagt der Sterbeexperte. Heute erscheint es vielen Kunden nicht mehr unbedingt als pietätlos, offen über Möglichkeiten des Sparens bei der letzten Ruhe sprechen.

Nicht alles rund um die Beerdigung muss der Bestatter machen

Vor allem bei den Bestatterleistungen lassen sich die Kosten reduzieren: Totenkleidung darf man selbst bereitstellen, die eigenhändige Gestaltung des Sarges oder der Urne ist erlaubt, die Trauerhalle kann man selbst dekorieren, den Blumenschmuck auf dem Sarg eigenhändig anfertigen, Trauerbriefe und die Zeitungsannonce formulieren. Ebenso können Betroffene Formalitäten wie zum Beispiel die Beantragung der Sterbeurkunde und Terminabsprachen mit der Friedhofsverwaltung sowie dem Pfarrer selbst übernehmen.

Immer mehr Bestattungsunternehmen bieten auch sogenannte Discountbestattungen an oder werben sogar mit günstigen Pauschalpreisen. Allerdings sind im vermeintlich günstigen Preis oft nicht alle Posten und Gebühren enthalten. Auf der Endabrechung erscheinen dann eine Reihe von Einzelposten, die das Billigbegräbnis unter dem Strich oft genauso teuer machen wie eine Standardbestattung. Häufig wird bei den günstigen Preisen der Leichnam im Ausland verbrannt, zurzeit bevorzugt in Tschechien.

Durchschnittlich nehmen Bestatter 48 Euro pro Stunde

So ganz allerdings kommt man um das Bestattungsunternehmen nicht herum, schon allein aus rechtlichen Gründen. Denn der Tote muss vom Sterbeort abgeholt werden, in einem Sarg verbrannt oder beerdigt werden – und das zwingend auf einem Friedhof. Diese Tätigkeit darf in Deutschland nur ein Bestatter ausführen. Mit durchschnittlich 48 Euro pro Stunde inklusive Mehrwertsteuer sei diese Arbeit auch nicht zu hoch bezahlt, findet Bestattungsunternehmer Toni Hanrieder. „Wir nehmen Sätze wie ein Handwerker auch.“

Allerdings hat die Bestattungsbranche einen nicht uneingeschränkt guten Ruf. Immer wieder gibt es Berichte zu überteuerten Preisen und wenig transparenten Abrechnungen. Es gebe Beispiele dafür, wie einige versuchten, die Trauer Angehöriger auszunutzen, um eine satte Rechnung aufzutischen, stellt Rolf Lichtner, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Bestatter, fest

„Von 840.000 Bestattungen im Jahr in Deutschland laufen 150 bis 200 nicht so ab, wie es sein sollte“, schätzt Lichtner. Nach einer Untersuchung der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas in Königswinter arbeitet nur ein Drittel der Bestattungsunternehmen mit transparenten Kosten und seriösen Kostenvoranschlägen. Verbraucherschützer empfehlen, in jedem Fall auf einem schriftlichen Kostenvoranschlag zu bestehen.

Bestattungsfirmen weigern sich Sozialbestattungen durchzuführen

Tragisch wird es häufig, wenn gar kein Geld mehr für die Bestattung vorhanden ist und eine Sozialbestattung durch das Sozialamt ansteht. Ein Fall, der in den vergangenen Jahren immer häufiger vorkommt, stellt Alexander Helbach, Sprecher von Aeternitas, fest. Das Amt bezahlt ein einfaches, ortsübliches Begräbnis, wie es heißt. Oft ist dabei nicht einmal eine Trauerfeier vorgesehen oder Blumenschmuck. Zunehmend weigern sich sogar Bestattungsunternehmen, Sozialbestattungen durchzuführen, weil sie Sorge haben, am Ende auf ihren Kosten sitzen zu bleiben.

Die Sorge, nach dem Tod womöglich nicht in Würde bestattet zu werden, verführt vermehrt ältere Menschen dazu, mit einer Sterbegeldversicherung vorzusorgen. Doch das ist die falsche Wahl, wie Verbraucherschützer ganz eindeutig urteilen. Die Renditeaussichten sind nämlich äußerst gering. Nicht selten zahlen die Versicherten bei langen Laufzeiten sogar wesentlich mehr ein, als sie herausbekommen, warnt Hedwig Telkamp, Versicherungsexpertin von der Verbraucherzentrale Bayern.

Knappe Kassen, aber auch der Wunsch nach neuen, naturnäheren Bestattungsformen lässt die Menschen nach Alternativen suchen. Während das Verstreuen der Asche in der benachbarten Schweiz noch eher die Ausnahme ist, wird die Baumbestattung hierzulande immer populärer. Ausgewählte Waldstücke werden dabei in öffentliche Friedhöfe umgewidmet. Eine biologisch abbaubare Urne wird zusammen mit etwa zehn anderen Urnen unter einem Baum bestattet. Die Kosten liegen dabei zwischen 350 und rund 1000 Euro pro Grabstelle für insgesamt 99 Jahre.

Baumbestattungen sind auf dem Vormarsch

So sind die Baumbestatter derzeit auf Expansionskurs. „Wir suchen ständig nach dafür geeigneten Wäldern“, sagt Andrea Amerland von der FriedWald Deutschland in Griesheim. Die GmbH ist ein Privatunternehmen, das schon im Jahr 2000 die Baumbestattungen in Deutschland im größeren Stil eingeführt hat und bisher schon 6600 Bestattungen durchgeführt hat. Noch in diesem Jahr sollen weitere folgen. Konkurrent ist die Ruheforst GmbH in Hilchenbach, die vor allem im Westen Deutschlands aktiv ist. Inzwischen gibt es auch noch andere private Anbieter am Markt sowie vermehrt kommunale Friedhofsträger, die Baumbestattungen innerhalb der Friedhofsmauern anbieten.

„Viele Interessenten wählen diese Form, weil sie wesentlich preisgünstiger ist, andere dagegen wollen den Angehörigen die Grabpflege ersparen“, sagt Andrea Amerland von der FriedWald Deutschland GmbH. Wieder andere hätten ein besonderes Verhältnis zur Natur. Der Gedanke, dass der ewig gleiche Lauf der Jahreszeiten die Grabpflege ersetzt, erscheint ihnen natürlicher als jener, unter Erika und Immergrün zu ruhen.