Bestattungsgesetz

Senat prüft Beerdigung ohne Sarg

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Nur in ein Leinentuch gehüllt, soll ein Toter möglichst noch am Sterbetag beigesetzt werden. So sieht es die islamische Tradition vor. Doch das ist in Berlin gegenwärtig nicht möglich. Denn laut Gesetz ist ein Sarg notwendig, und es muss eine 48-Stunden-Frist eingalten werden. Jetzt prüfen die Behörden eine Änderung.

In Berlin leben derzeit rund 200.000 Muslime. Nach islamischer Tradition soll ein Tote in ein Leinentuch gehüllt möglichst noch am Sterbetag beigesetzt werden, um jede Geschäftigkeit angesichts des Todes zu unterbinden. Doch nach gegenwärtiger Berliner Rechtslage dürfen Bestattungen frühestens 48 Stunden nach Eintritt des Todes stattfinden, unter anderem um einen Scheintod auszuschließen. Zudem müssen die Leichen eingesargt zum Friedhof befördert und dort auch in einem Sarg bestattet werden.


Der Berliner Senat will nun jedoch Bestattungen nach islamischer Tradition erleichtern. Eine entsprechende Novelle des Bestattungsgesetzes von 2004 werde derzeit geprüft, teilte die zuständige Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz auf eine Kleine parlamentarische Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus mit. Dabei geht es um die Zulässigkeit von Begräbnissen in einem Leichentuch ohne Sarg und vor der bisher gültigen Zwei-Tages-Frist.

Keine bundeseinheitlichen Regelungen

Neben Berlin legen den Angaben zufolge Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein die 48-Stunden-Bestattungsfrist bisher sehr streng aus. Die Mehrheit der Bundesländer aber handhabt die Fristenregelung liberaler, besonders wenn religiöse Gründe geltend gemacht werden.

Auch bei der Sargpflicht gibt es keine bundeseinheitliche Regelung. In Ländern wie Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein oder Brandenburg gibt es gar keinen Sargzwang. In Mecklenburg-Vorpommern müssen die Leichname in einem Sarg transportiert werden, dürfen aber ohne Sarg bestattet werden. In Bayern, Hessen oder Baden-Württemberg besteht unbedingte Sargpflicht. In Hamburg und im Saarland werden in Einzelfällen Bestattungen nur im Leinentuch aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen zugelassen, für den Transport auf dem Friedhof zur Grabstelle muss aber ein Sarg benutzt werden.

Mit dem landeseigenen Friedhof Columbiadamm in Tempelhof-Schöneberg und dem Landschaftsfriedhof Gatow in Spandau stehe in der Bundeshauptstadt ausreichend Begräbnisfläche für islamische Bestattungen zur Verfügung, die bei Bedarf erweitert werden könne, teilte die Senatsverwaltung weiter mit.

( EPD/sei )