Technologiepark

Adlershof als Vorbild für weitere Hightech-Zonen

Der Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof Wista ist eine Erfolgsgeschichte. Aber seine Entwicklung stößt an Grenzen. Deshalb wollen die Macher das Modell auf ganz Berlin ausweiten. In der Stadt könnten weitere Standorte nach dem Adlershofer Vorbild entstehen.

Foto: WISTA-MG 2007 - www.adlershof.de

Wer einen Blick auf eine positive wirtschaftliche Zukunft Berlins werfen möchte, muss nach Adlershof fahren. Im äußersten Südosten der Stadt, wenige Kilometer von der Baustelle des neuen Flughafens in Schönefeld entfernt, haben Wissenschaftler, Unternehmer, Techniker und öffentlich bezahlte Gebietsmanager die Sonntagsreden der Politiker umgesetzt: Aus dem engen Miteinander von Forschungsinstituten, naturwissenschaftlichen Universitäts-Fakultäten und innovativen Unternehmen ist ein wichtiges Kraftzentrum für Wachstum in der ganzen Region entstanden.

Aber die Entwicklung stößt an Grenzen. Der Technologiepark ist bald voll. Darum macht sich Hardy Schmitz Gedanken über die Zukunft. Schmitz ist Chef der Wista Management GmbH, einer landeseigenen Gesellschaft, die den Technologiepark Adlershof betreibt. Dort arbeiten mehr als 400 meist kleine Firmen mit insgesamt 4300 Mitarbeitern. Im gesamten Entwicklungsgebiet Adlershof verdienen fast 13.000 Menschen ihre Brötchen.

Weil Berlin aber nach wie vor langsamer wächst als der Rest des Bundesgebietes, entwickelt Schmitz für die Politik Vorschläge für konkretes Handeln: „Wie ist das Adlershof-Modell über ganz Berlin auszurollen?“, fragt sich der Manager: „Wäre das nicht das Wachstumsmodell für eine Hightech-Strategie Berlins?“ Der Wista-Chef, der in seinem Gebiet seit Jahren zweistellige Wachstumsraten verbuchen kann, formuliert das Ziel: „Zwei, drei oder vier solcher Pole täten Berlin gut.“

Ansiedlungen gezielt steuern

Die Standorte liegen auf der Hand: Um die Freie Universität in Dahlem, um den Campus der Charité in Mitte und vor allem um die Technische Universität in Charlottenburg. Um diese Forschungszentren zu Kernen von Hightech-Zonen zu machen, müsse man sich an dem orientieren, was in Adlershof für Physik und optische Technologien funktioniert. „Man braucht ein klar definiertes Gebiet, und vor allem einen Kümmerer oder eine öffentliche Organisation, die weiß, was in dem jeweiligen Gebiet passiert“, sagt Schmitz. Diese Organisation müsse dann dafür sorgen, dass Gründungen und Ansiedlungen nicht beliebig erfolgen, sondern eine Qualität aufweisen, die das Geflecht insgesamt weiter nach vorne bringt.

Die Wista spielt diese Rolle seit fast 16 Jahren in Adlershof. Wenn ein koreanischer Technologiekonzern einen Forschungspartner in Adlershof sucht, kann Wista den Kontakt vermitteln. Wenn ein Gründer sich einem Netzwerk anschließen will, hilft die Gesellschaft. Oder sie berät Unternehmen, wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentieren können.

Vor allem aber stellt die Wista Gründern und Kleinunternehmen Raum zur Verfügung, den sie mit Fördergeld auf Vorrat baut. Aber jetzt sind die 162.000 Quadratmeter zu 90 Prozent verbaut. Für größere Ansiedlungen fehlt bereits Platz. Darum muss Wista erneut als Bauherr aktiv werden. Gerade hat die Wista Geld des Bundes, des Landes und der EU für ein neues Projekt genehmigt bekommen, um das Schmitz lange mit einem eher skeptischen Senat gerungen hat.

Im kommenden Jahr wird Baubeginn sein für ein „Zentrum für neue Materialien in der Mikrosystemtechnik“. Für 23 Millionen Euro entstehen 6500 Quadratmeter Nutzfläche, vor allem Labore, vorbereitete Reinräume, Hallen für Pilotproduktion und auch Büros. 300 Arbeitsplätze soll das neue Zentrum aufnehmen können.

Chancen für Ein-Mann-Unternehmen

„Normale Immobilieninvestoren bauen so etwas nicht“, sagt Schmitz. Die wollen große Mieter mit langfristigen Verträgen. Aber bei der Wista sollen auch Ein-Mann-Unternehmen wachsen können. „Wie in einer Baumschule“, sagt Schmitz, „aber das Ziel ist der Forst“. Der Wald wächst: In Adlershof errichten jetzt fünf inzwischen herangewachsene Unternehmen eigene Firmensitze.

Zweites Projekt, für das der Startschuss gegeben wurde, ist die Renovierung der ehemaligen Poliklinik der DDR-Akademie der Wissenschaften, die bis zur Wende auf dem Gelände gearbeitet hat. Hier werden für 7,5 Millionen Euro sehr kleinteilige Büroflächen geschaffen und ein Sammelbecken für Gründer installiert. Langfristige Mietverträge soll es nicht geben.

Bis März hofft Schmitz auf die Genehmigung eines weiteren „Zentrums für Dünnschichttechnologien und Nanostrukturen“. Das soll das geplante Forschungszentrum des Hahn-Meitner-Instituts für moderne, auf Dünnschicht basierende Solarmodule um einen Ort für junge Unternehmen ergänzen. Auf dem Reißbrett hat Schmitz ein weiteres Zentrum entworfen: Ein Ort, wo kleine Medienfirmen Inhalte für neue Medien wie TV übers Internet oder für Mobiltelefone produzieren. Wenn sie wachsen, könnten die Pioniere in die großen Studios der Medienstadt Adlershof wechseln. „Wir exportieren unsere Technologie-Zentrums-Idee in die Medienbranche“, sagt Schmitz.

Unterstützung vom Senat

Vom Senat erwartet Schmitz, dass er solche Strategien auch anderswo ansetzt. Rund um die FU in Dahlem sei es schwieriger, weil die Umgebung auch als Wohngegend sehr begehrt ist und daher Flächen nicht leicht zu bekommen seien. Aber auch dort müsse man „die Gründer einsammeln“, rät der Adlershof-Macher.

Besonderes Augenmerk hat Schmitz aber auf die Gegend rund um die TU in Charlottenburg geworfen. Die Bedingungen für einen „Campus Charlottenburg“ nach dem Vorbild Adlershof seien dort ausgezeichnet. Das Gebiet liege mitten in der Stadt, es gebe deutlich mehr Studenten als an den sechs naturwissenschaftlichen Instituten der Humboldt Universität in Adlershof. Schmitz plädiert nun dafür, einen Campus zu definieren, der über das reine TU-Gelände hinausreichet und die Hochschule für Künste sowie die in der Nachbarschaft ansässigen Institute etwa der Fraunhofer-Gesellschaft mit einbezieht. Ein „Kümmerer“ wie die Wista müsste die dort bereits ansässigen Unternehmen zählen und Kooperationswünsche abfragen. Die Stadtentwicklungspolitik müsste mitmachen, um Raum für innovative Unternehmenszentren zu sichern. „Wenn man nicht aufpasst, kommt da ein Autohaus nach dem nächsten hin“, warnt Schmitz. Dabei gehe es in Berlin doch darum, aus der Stadt selbst heraus Wachstum mit hoher Qualität zu schaffen. Dazu müssten zunächst der Bestand erfasst und die entstandenen Netzwerke „zum Leuchten“ gebracht werden. Denn nur vorhandene Potenziale könnten Unternehmen von außen dazu bewegen, sich ebenfalls in der Nachbarschaft anzusiedeln. In der Gesundheitsbranche Berlins gelinge diese Strategie bereits sehr gut, sagt Schmitz anerkennend.

Anreize für Hochschulen

Für die Hochschulen müsse der Senat Anreize schaffen, sich mehr um die lokale Verwertbarkeit ihrer Forschung zu kümmern. „Die Wissenschaftsstrategie Berlins beschränkt sich derzeit darauf, exzellente Forschung zu haben“, sagt Schmitz.

Aus seinem eigenen Kampf um größere Ansiedlungen weiß Schmitz, wie schwer der Kampf um Großinvestoren ist, vor allem, wenn es um Produktion geht. Deshalb hält Berlins erfolgreichster Standortmanager die Konzentration auf die regionalen Netzwerke in definierten Gebieten rund um Hochschulen für alternativlos: „Wir haben doch in Berlin keine Alternative, als aus den Potenzialen der Forschung heraus zu wachsen und daraus auch neue Produktion aufzubauen.“