Armut

Sozialämter zahlen für jedes zehnte Begräbnis

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Joachim Fahrun

Foto: CHROMORANGE / chromorange

Wenn Eltern oder andere Angehörige sterben, müssen die Hinterbliebenen für das Begräbnis tief in die Tasche greifen. Aber immer mehr Berliner können sich Sarg und Trauerfeier nicht leisten. Deshalb musste im Jahr 2006 bei 2600 Todesfällen der Staat aufkommen. Die Gesamtsumme hat einen neuen Rekord erreicht.

Hinterbliebene haben kein Geld für das Begräbnis und auch die Verstorbenen haben nicht für ihr Ableben vorgesorgt. Deshalb musste im vergangenen Jahr nach 2600 Todesfällen das Sozialamt einen Zuschuss für die Bestattungskosten zahlen. Fast jedes zehnte Begräbnis in Berlin musste somit der Staat finanziell unterstützen.

Die Ausgaben der zwölf Bezirksämter für Sozialbestattungen haben im vergangenen Jahr mit insgesamt mehr als 2,5 Millionen Euro einen neuen Rekord erreicht. Die Summe lag um mehr als zehn Prozent höher als im Vorjahr. 2001 mussten die Bezirke erst 1,1 Millionen Euro aufwenden, um Bedürftigen die Bestattung ihrer Verstorbenen zu ermöglichen.

Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Soziales auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hervor. Bis 2005 hatten die Krankenkassen ein Sterbegeld ausgezahlt, das es vielen armen Hinterbliebenen ermöglicht hat, die Begräbniskosten zu begleichen. Seit die Kassen nicht mehr zahlen, muss das Sozialamt immer häufiger einspringen.

Die Hinterbliebenen bekommen im Durchschnitt fast 1000 Euro für die Leistungen der Bestatter und die Friedhofs- oder Krematoriumsgebühren. Die Bestatter bekommen pauschal 750 Euro, der Rest fließt an die Friedhöfe. Nach Angaben des Senats erhalten Angehörige dafür Sarg und Träger, aber auch einen Redner, Organisten und Blumen.

„Das reicht für die einfachste und schlichteste Bestattung“, sagt Rüdiger Kußerow, Obermeister der Berliner Bestatterinnung. Die Unternehmen rissen sich nicht um diese Aufträge, weil sie damit fast nichts verdienten. „Aber wir sehen das auch als Dienstleistung für Berlin“, so der Obermeister. Wenn die Stadt selbst den Auftrag erteile, weil keine Angehörigen zu finden seien, bekämen die Bestatter nur 400 Euro.

Viele sparen für die eigene Beisetzung

Aber die Zahlen dieser vom Sozialamt unterstützten Bestattungen nehmen zu, weil viele Angehörige Hartz-IV-Empfänger sind, sagt Kußerow. Jedoch hätten aber auch viele wenig begüterte Menschen für das eigene Begräbnis vorgesorgt und die gemeinhin notwendigen 3000 Euro selbst angespart. Insgesamt hätten sich aber vor allem die Friedhofskosten erhöht, sagt Kußerow. Eine anonyme Erdbestattung habe vor drei Jahren noch 800 Euro gekostet, heute verlangten städtische Friedhöfe schon 1950 Euro.

Am meisten Geld unter den Bezirken gibt Mitte für Sozialbestattungen aus. „In unserem Bezirk gibt es besonders viele Menschen, die es sich nicht leisten können, ihre Verwandten unter die Erde zu bringen“, sagt Sozialstadträtin Miriam Scheffler (Grüne). Diese Ausgaben stiegen seit Jahren.