Lichterfelde Ost

Neue Pläne für eine Markthalle am Kranoldplatz

Der Investor hat den Bauantrag geändert. Auf der Fläche des alten Ferdinandmarktes könnten dauerhaft kleine Stände aufgebaut werden.

Der alte Ferdinandmarkt ist geschlossen. Jetzt könnte dort eine neue Markthalle mit einer Glasfront zur Straße entstehen. 

Der alte Ferdinandmarkt ist geschlossen. Jetzt könnte dort eine neue Markthalle mit einer Glasfront zur Straße entstehen. 

Foto: Katrin Lange

Berlin. Die Stände an der Ferdinandstraße in Lichterfelde Ost sind seit einem halben Jahr abgebaut, der Ferdinandmarkt ist nach mehr als 100 Jahren geschlossen. Für immer - so sah es bis vor Kurzem noch aus. Denn der neue Investor wollte die Fläche für große Lebensmittel- und Drogeriefilialen umbauen lassen. Jetzt hat der Eigentümer, die HGHI Holding, einen geänderten Bauantrag im Stadtplanungsamt von Steglitz-Zehlendorf eingereicht. Darin ist wieder ein Markt vorgesehen, allerdings in anderer Form.

"Die Fläche bleibt in ihrer Struktur erhalten und soll als Markthalle genutzt werden", informierte Amtsleiterin Sabine Lappe die Mitglieder des Stadtplanungsausschuss über die neuen Pläne des Investors. Das heißt konkret, dass auf dem alten Bestand aufgebaut werde. Mit einem Unterschied: Die Marktstände sind dauerhaft aufgebaut und vermietet. Die etwa 25 Quadratmeter großen Stände sollen nicht mehr wie früher auf einer offenen Fläche stehen, sondern hinter einer Glasfront, die den neuen Markt zur Ferdinandstraße abschließt. Der Antrag sei im Dezember erst eingereicht worden und werde aktuell geprüft, so die Leiterin des Stadtplanungsamt.

Zustimmung von allen Seiten

Zustimmung finden diese Pläne unter anderen bei der Bezirksbürgermeisterin. Cerstin Richter-Kotowski (CDU) sieht sich angesichts der Idee, feste Markstände zu installieren, die nicht ständig auf- und abgebaut werden müssten, an die Marheineke-Halle in Kreuzberg erinnert. Auch der Ausschussvorsitzende Torsten Hippe (CDU) spricht sich für die neuen Pläne aus und kann sich die Markthalle "sehr gut vorstellen". Für Rolf Breidenbach (FDP) geht es "grundsätzlich in die richtige Richtung". Die Pläne klängen positiv, aber er wolle sie jetzt erst einmal einsehen. Die Grünen bedauern nach wie vor, dass der Investor den alten Ferdinandmarkt geschlossen hat. "Eine Markthalle kann aber ein attraktives Angebot sein und den Standort stärken", sagt der Fraktionschef Bernd Steinhoff.

Der Streit zwischen Anwohnern und Investor über die Zukunft des Viertels rund um den Kranoldplatz könnte damit eine neuen Wendung erfahren. Gegen die Schließung des alten Ferdinandmarktes gab es viel Protest. Die Bürgerinitiative "Kranoldkiez Lichterfelde" wollte den traditionellen Markt erhalten und hatte den Investor aufgefordert, die Kündigungen der Stände zurückzunehmen. Den Mitstreitern geht es vor allem um die Erhaltung der kleinteiligen Geschäftsstruktur im Kiez. Das könnte eine Markthalle gewährleisten.

Rainer Frohloff, Vorsitzender der Bürgerinitiative, bewertet die Idee deshalb auch als positiv. "Das ist ja etwas, was es vorher da schon gab", so Frohloff auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Mehr Büros und noch mehr große Ladenflächen würden dort nicht gebraucht. Allerdings wünscht sich Frohloff ebenfalls mehr Hintergrundwissen, um die Pläne endgültig beurteilen zu können. "Der Weg ist richtig, aber ein gewisse Skepsis bleibt", sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative.

Struktur im Kiez soll erhalten bleiben

Der Kiez rund um den Kranoldplatz ist geprägt von kleinen inhabergeführte Läden. Nicht nur Anwohner, auch Bezirkspolitiker wollen diese Struktur erhalten. Die Bezirksverordneten hatten deshalb beschlossen, großflächigen Einzelhandel an der Ferdinandstraße 31-35 zu vermeiden. Das Bezirksamt hatte den Auftrag, zu überprüfen, ob Einzelhandel mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern an diesem Standort untersagt werden kann. Die HGHI Holding hatte zuerst geplant, die Marktfläche an der Ferdinandstraße zu überbauen, um dort großflächigen Einzelhandel anzusiedeln.