Schlachtensee

Ortsteil Schlachtensee bekommt keine Schilder

Neue Borschüre schildert Lebengeschichten von Clara von Arnim bis Willy Brandt. Autor Dirk Jordan kämpft weiter für Ortsteilschilder.

Dirk Jordan hat seine vierte Broschüre über den Ortsteil Schlachtensee herausgegeben. Jetzt will er sich für neue Ortsteilschilder einsetzen.

Dirk Jordan hat seine vierte Broschüre über den Ortsteil Schlachtensee herausgegeben. Jetzt will er sich für neue Ortsteilschilder einsetzen.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Für Günther Pfitzmann war Schlachtensee sein Heimathafen. Für alle, die heute rund um die Breisgauer Straße wohnen, ist es ein neuer Ortsteil. Lokalhistoriker Dirk Jordan hat in seiner neuen Broschüre "Prominente - Erinnerungen an Schlachtensee" Menschen zu Wort kommen lassen, die ihre Wurzeln in Schlachtensee haben, darunter Clara von Arnim, Gregor Gysi und die Familie Brandt. Dass ihre alten Häuser und Villen nun im neuen 97. Ortsteil von Berlin liegen, ist nicht zuletzt Dirk Jordan zu verdanken, der sich mit einer Initiatiative jahrelang für die Ernennung von Schlachtensee zum Ortsteil eingesetzt hat. Auf Wikipedia ist bereits nachzulesen, dass die Johanneskirche in Schlachtensee und nicht mehr in Zehlendorf steht. Am Straßenrand weist jedoch noch kein Schild daraufhin. Dass zu ändern, ist das nächste Ziel von Dirk Jordan und seinen Mitstreitern.

Für die neuen Schlachtenseer gehört das grüne Schild mit der gelben Schrift, dass einen Ortsteil ausweist, dazu. Jeder soll schließlich auch im Straßenbild sehen, wo er sich befindet. Doch von der Verwaltung können sie keine Unterstützung erwarten. "Es gibt in Berlin üblicherweise keine "Ortsteil-Beschilderungen", sagt Bezirksamtssprecher Marcel Mattick. Die zum Teil vorhandenen grünen Schilder mit gelber Schrift seien straßenverkehrsrechtlich angeordnete Verkehrszeichen, so genannte Ortshinweistafeln. Diese würden von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde aber nur dort angeordnet werden, wo zuvor bereits auf einer Wegweisungstafel oder einem Vorwegweiser auf diesen Ortsteil hingewiesen wurde. Dies sei auch konsequent, damit ein Ortsunkundiger, der sich an der Wegweisung orientiert, nicht an seinem Ziel vorbeifährt.

Bezirksamt wird keine Ortshinweis-Tafeln anordnen

"Da in der Wegweisung des Landes Berlin bisher der Ortsteil Schlachtensee nicht auftaucht, werden auch keine Ortshinweistafeln mit dem Text 'Schlachtensee' angeordnet werden", erläutert Mattick. Touristische Erwägungen oder die Identifikation mit einem neuen Ortsteil spielten im Straßenverkehrsrecht keine Rolle. Das sehen die Aktiven der Initiative "Wir in Schlachtensee" anders. Sie wollen Schilder aufstellen. "An der Kostenfrage soll es nicht liegen", sagt Dirk Jordan. Man würde sich daran beteiligen und versuchen, auch noch Spenden dafür zu sammeln. Ein erstes Schild wurde schon in Eigeninitiative angefertigt. Zu weiteren Gesprächen im Rathaus sind die Schlachtenseer gern bereit.

Bis es in der Schilder-Debatte vorangeht, können sich Interessierte in der Broschüre von Dirk Jordan über Gewohnheiten und Ansichten der Schlachtenseer Prominenz schlau machen. Die Texte, unter anderen von Clara von Arnim, Yehudi Menuhin oder Jürgen Kuczynski, würden sehr unterschiedliche Lebenswege und Situationen in Schlachtensee beschreiben, erläutert Dirk Jordan. "Sie enthalten neben den persönlichen Aspekten zugleich eine lebendige und berührende Beschreibung der historischen Situation in Schlachtensee vor und nach 1945", so der Autor. Es ist die vierte Schlachtensee-Broschüre, die er herausgibt, aber die erste, mit einer "persönlichen Einfärbung".

Über die Kirchengemeinde Schlachtensee wurde in der ersten Broschüre "Bekenntnisgemeinde und Nazirefugium" berichtet. Jürgen Kuczynski wurde dort konfirmiert, wie auch zwei Söhne von Rut und Willy Brandt. Das DP-Lager Düppel war unter anderem Gegenstand in der zweiten Broschüre „Idylle und Lager“, wo Yehudi Menuhin 1947 erlebte, wie seine Bereitschaft mit den Berliner Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler aufzutreten, als Verrat an den jüdischen Opfern verurteilt wurde. Im dritten Heft geht es um "Menschlichkeit und Widerstand in Schlachtensee von 1933 bis 1945.

Die Broschüre mit 68 Seiten ist im örtlichen Bundhandel für 2 Euro erhältlich.