Leerstand

Neue Chance für Geisterhaus in Zehlendorf

Das Interesse an der bezirkseigenen Villa in der Schmarjestraße ist groß. Mehr als zehn Bewerber haben sich das Haus bereits angesehen.

Die Villa steht unter Denkmalschutz, alle Einbauten müssen erhalten bleiben

Die Villa steht unter Denkmalschutz, alle Einbauten müssen erhalten bleiben

Foto: Katrin Lange

Berlin. Für einen Moment stehen die Interessenten Schlange. Kurz vor 10 Uhr schließt Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) die Tür der Zehlendorfer Villa an der Schmarjestraße 14 auf. Draußen warten Vertreter von Vereinen, Orchestern und Kulturzentren, die sich in der Villa umsehen wollen, um die Frage zu beantworten: Passt das Haus zu meinem Projekt? Es es der zweite Besichtigungstermin im neu gestarteten Interessenbekundungsverfahren. Ein dritter ist am 14. Januar geplant. Mehr als zehn potenzielle Betreiber hätten sich bereits gemeldet, sagt Carolina Böhm. An diesem Vormittag sind es fünf. Ihr großer Wunsche: Bis zum Herbst soll das Haus wieder einen neuen Nutzer haben.

Seit 2012 steht die Villa leer, deshalb wird sie auch "Geistervilla" genannt. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf ist Erbe der denkmalgeschützten Immobilie. Die Eigentümer, das Ehepaar Mehnert, hatten es dem Bezirk überlassen mit der Auflage, es für soziale Zwecke zu nutzen. Am liebsten wäre ihnen ein Seniorenheim für Musiker gewesen. Doch das lässt der Denkmalschutz nicht zu. Zum Schluss war eine Kita in dem Haus. Sie musste ausziehen, weil der Bezirk den Vertrag nicht verlängert hatte. Einen Verkauf der Villa lehnte das Gericht mit Verweis auf das Testament ab. Jetzt sucht der Bezirk Interessenten, die unter Beachtung des Denkmalschutzes den Willen der Erblasser erfüllen. Es ist ein erneuter Versuch, nach vielen gescheiterten in den vergangen Jahren.

Wert der Villa: knapp 350.000 Euro

"Eine soziale Nutzung schließt die Bewerbung für eine Nutzung zu kulturellen Zwecken, Bildungszwecken, Zwecken des Gesundheitswesens oder ähnlichen Zwecken nicht aus", heißt es in den Ausschreibungsunterlagen. Denkbar sei auch eine Bewerbung durch Sportvereine oder Stiftungen. Die Immobilie soll entweder auf der Grundlage eines Nutzungs- oder eines Erbbaurechtsvertrages überlassen werden. Der Wert der Villa aus dem Jahr 1912 mit einer Wohnfläche von 270 Quadratmetern wird mit knapp 350.000 Euro angegeben. Auf den neuen Betreiber würde ein monatliches Nutzungsentgelt von etwa 4400 Euro zuzüglich Nebenkosten zukommen.

Beim Rundgang durch das Haus gibt es für die Interessen viel zu entdecken: Alte Einbauschränke, halbrunde Erkerzimmer, Jugendstilelemente, tadelloses Fischgrätenparkett. Aber auch marode Bäder, heruntergewirtsschaftete Kammern und Böden in der oberen Etage. Dennoch: Am Ende sagen fast alle zu, ihre Bewerbungsunterlagen für ihre Projekte abzugeben. Darunter ist die Idee, das Haus zwar nicht als Altenheim für Musiker zu nutzen, aber es wieder für Musiker zugänglich zu machen, zum Beispiel Probenräume einzurichten. Ein Kulturverein, der auch ein Inklusionsorchester betreibt, würde seinen Vereinssitz in die Villa verlegen. Wieder andere Interessenten denken an eine Notunterkunft für Mädchen und Frauen, die Gewalt erlebt haben. Schließlich gibt es noch der Plan für ein Mehrgenerationenhaus, in dem Jung und Alt zusammenkommen, aber auch Mutter-Kind-Kurse sowie Yoga- und Sportkurse angeboten werden.

Strenge Auflagen des Denkmalschutzes

Sie alle müssen jetzt abwägen, inwieweit sich ihre Projekte in der Villa umsetzen lassen. Wie ist der Zuschnitt der Räume? Wie viel Lärm darf im Garten gemacht werden? Einen kleinen Dämpfer gab es schon: Nach Auskunft der Stadträtin sind der Einbau eines Fahrstuhls, einer Rampe und einer barrierefreien Toilette nicht möglich. Menschen mit Rollator oder im Rollstuhl wäre damit der Zugang versperrt. "Der Denkmalschutz ist sehr streng", sagt Carolina Böhm. Aber in weiteren Gesprächen könnte noch einiges geklärt werden. Immerhin gibt es auch einen Pluspunkt: Die Heizungsanlage wurde nach einem Rohrbruch bereits erneuert. Das Haus ist aber insgesamt in einem sanierungsbedürftigen Zustand.

Nach dem dritten und letzten Besichtigungstermin müssen die Bewerbungen bis Mitte Februar eingereicht werden. Bereits einen Monat später soll die Entscheidung fallen, wer in das Haus ziehen darf. Ende April soll der Vertrag mit dem neuen Nutzer abgeschlossen werden. Das Bezirksamt will die Immobilie langfristig überlassen. Geplant ist ein Vertrag über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren.