Deutsche Bahn

ICE-Testzug fährt auf Trasse der alten Goerzbahn

Die Deutsche Bahn testet im Februar ihren Versuchszug Advanced TrainLab zwischen dem Bahnhof Schönow und Lichterfelde West.

Der Versuchszug der Deutschen Bahn ist im Februar auf der Strecke der alten Goerzbahn unterwegs.

Der Versuchszug der Deutschen Bahn ist im Februar auf der Strecke der alten Goerzbahn unterwegs.

Foto: Volker Emersleben / Deutsche Bahn AG

Berlin. Die Anwohner am Dahlemer Weg werden im Februar wohl ihren Augen nicht trauen: Auf den Gleisen der alten Goerzbahn vor ihrer Haustür - dort, wo vielleicht zweimal im Jahr eine historische Eisenbahn auf einer Sonderfahrt unterwegs ist - wird ein moderner ICE rollen. Auf der etwa drei Kilometer langen Strecke zwischen dem Bahnhof Schönow an der Goerzallee und Lichterfelde West wird die Deutsche Bahn ihren Versuchszug Advanced TrainLab einsetzen. Das bestätigte jetzt ein Bahn-Sprecher. Das genaue Datum steht noch nicht fest. Ob es ein einmaliges Ereignis sein wird, ist nach Auskunft des Unternehmenssprechers noch offen. Auf jeden Fall ist es eine Premiere für den ICE auf der Goerzbahn.

Der Versuchszug der Deutschen Bahn (DB) unterscheidet sich äußerlich kaum von anderen ICE. Das einzige besondere Merkmal ist, dass er einen grauen statt eines roten Streifens an der Außenseite hat. Das Innere des Testzugs ist allerdings ein fahrendes Labor. Dort sollen unabhängig vom normalen Bahnbetrieb neue Technologien erprobt werden.

Im Falle der Fahrt auf den Gleisen der Goerzbahn sind noch keine speziellen Tests vorgesehen. „Wir wollen zunächst sehen, was das für eine Strecke ist und was man dort machen kann“, sagt der Bahnsprecher. Es sei eine attraktive Strecke, weil so gut wie kein Zug dort verkehre. Deshalb gehe es zunächst darum, den Schienenweg zu erkunden.

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ICE-Zug auf der alten Goerzbahn: Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometer pro Stunde

Bei dem Testzug handelt es sich um einen ICE-TD der Baureihe 605, der eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde schafft. Der diesel-elektrische Antrieb ermöglicht Einsätze im gesamten Streckennetz der DB unabhängig von der Stromzuführung über Oberleitungen. Der 107 Meter lange Zug mit einer Achslast von 15 Tonnen besteht aus zwei Mittel- und zwei Endwagen. Damit ist im Innenraum ausreichend Platz für Instrumente und Versuchsanordnungen.

Die ICE-Fahrt ist nicht nur nur eine Premiere auf der Goerzbahn. Für die AG Märkische Kleinbahn ist es auch ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Die Mitglieder des Vereins wollen die Strecke wieder in Betrieb nehmen. Sie hoffen nun, dass die Aktion der Deutschen Bahn „keine Eintagsfliege bleibt, sondern dass die Goerzbahn für weitere innovative Projekte geöffnet werden kann“, heißt es in ihrem aktuellen Newsletter. Nach Informationen des Kleinbahn-Vereins soll auf der Testfahrt untersucht werden, ob sich die Goerzbahn als Teststrecke für die Entwicklung neuer Technologien in der Eisenbahntechnik eignet.

Goerzbahn: Verein will Zukunft sichern

Seit Jahren kämpft die AG Märkische Kleinbahn darum, die Zukunft der Goerzbahn zu sichern. Noch ist sie ungewiss. „Das größte Hindernis ist immer noch das Fehlen der Einigung zwischen Berlin und der DB AG über die Frage der Übereignung des Grundstücks, auf dem der Bahnhof Schönow liegt“, so die Auskunft im Newsletter. Die Verhandlungen würden noch laufen. Aus diesem Grund habe sich bisher keine Möglichkeit gezeigt, den Betrieb wieder dauerhaft mit Leben zu füllen.

Die Goerzbahn wurde 1905 in Betrieb genommen, zunächst nur für den Güterverkehr zwischen dem Industriegebiet Schönow und Lichterfelde West. Knapp 15 Jahre später wurde auch der Personenverkehr genehmigt – allerdings nur für Mitarbeiter der Goerzwerke. Der Fahrplan wurde nach ihren Schichten gemacht. Das Stammwerk der Goerzwerker war an der Rheinstraße in Friedenau – der Schienenweg erleichterte das Pendeln zwischen den Standorten. 2018 wurde die Strecke von der Deutschen Bahn eingestellt, weil es keine Güter mehr zu transportieren gab. Bezirk, Senat, Deutsche Bahn und die Eisenbahnfreunde einigten sich darauf, die Strecke zu erhalten. Zwei Konzepte für einen regelmäßigen Betrieb gibt es bereits: Auf der Trasse könnte ein autonom fahrender Schienenbus unterwegs sein, der wie ein Rufbus funktioniert oder eine oberleitungslose Straßenbahn.