Bildung

Eltern protestieren gegen die Reduzierung der Klassen

2021/22 sollen am Werner-von-Siemens-Gymnasium nur zwei 7. Klassen statt drei aufgenommen werden. Grund ist ein fehlender Raum.

851 Schüler lernen am Werner-von-Siemens-Gymnasium. Damit zählt die Oberschule zu den großen Bildungseinrichtungen.

851 Schüler lernen am Werner-von-Siemens-Gymnasium. Damit zählt die Oberschule zu den großen Bildungseinrichtungen.

Foto: Marijan Murat / dpa

Hunderte Protest-Mails haben die Eltern der Schülern vom Werner-von-Siemens-Gymnasium in Nikolassee am Mittwoch an die Verantwortlichen im Bezirk und im Senat verschickt. Sie wehren sich dagegen, dass im Schuljahr 2021/2022 nur noch zwei 7. Klassen aufgenommen werden sollen. Bislang waren es immer drei Klassen. Nach Auskunft der Gesamtelternvertretung (GEV) hat die Schulleitung offiziellen Widerspruch eingelegt.

„Wir verstehen nicht, warum Aufnahmekapazitäten angesichts perspektivisch steigender Schülerzahlen reduziert werden sollen“, heißt es in der Mail, die auch an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) ging. Ein schlüssige inhaltliche Begründung liege nicht vor. In einer Anfrage von Stephan Standfuß (CDU) an das Abgeordnetenhaus zur Reduzierung der Klassenzüge ab der 7. Klasse an dieser Schule heißt es dazu von der Senatsbildungsverwaltung: „Die Einrichtung einer weiteren Klasse scheitert allein an der räumlichen Mindestbedingung, der eines eigenen Klassenraums.“

Platz für einen Container gibt es

„Es geht also nur um einen Raum, das können wir als Eltern nicht nachvollziehen“, sagt Britta Winkelhahn vom Vorstand der GEV. Erst kürzlich sei ein ein alter, baufälliger Container entfernt worden. An diesem Standort könnte wieder ein neuer Container stehen. „Der Platz wäre da, es fehlt der Wille zur Lösung und schnellen Umsetzung“, sagt die Eltern-Vertreterin. Sie fürchtet bei einer Reduzierung der Klassen um die bisherige Vielfalt der Schule und das breit gefächerte Angebot – denn das würde damit auch reduziert werden müssen. 851 Schülerinnen und Schüler lernen derzeit am Werner-von-Siemens-Gymnasium. „Damit sind wir faktisch eine große Schule – einer kleineren Schule stehen weit weniger Lehrkräfte und Strukturstellen zu“, so Britta Winkelhahn.

Eltern wollen nach einer anderen Lösung suchen

An der Schule gibt es zwei Schnelllerner-Klassen von der 5. bis zur 10. Klasse, dazu kamen bislang drei Klassen im 7. Jahrgang. In der Oberstufe wurden alle fünf Klassen zusammengeführt. Die Bildungsverwaltung beruft sich in ihrer Antwort auf die Anfrage von Stephan Standfuß auf das Monitoring, wonach die Schule nur 4-zügig sei. „Unter Berücksichtigung von zwei Schnelllernerklassen können daher aufgrund der zur Verfügung stehenden Standortkapazität zwei Regelklassen eingerichtet werden“, erläutert Beate Stoffers, Staatssekretärin in der Senatsbildungsverwaltung.

Das wollen die Eltern so nicht akzeptieren. Sie wollen sich mit den Verantwortlichen vor Ort treffen, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Bislang kam noch kein Termin zustande. „Berlin sollte stolz auf diese Schule sein – und sie nicht mutwillig wegen eines fehlenden Raumes klein schrumpfen“, sagt Britta Winkelhahn. In diesem Jahr hätte das Gymnasium eines der berlinweit besten Abiturergebnisse erzielt – Platz vier aller staatlichen Berliner Gymnasien mit einem Schnitt von 1,78. Sie sollte deshalb gefördert und nicht eingeschränkt werden.

Auch an anderen Schulen weniger Klassen

Von der Reduzierung von Klassen sind in Steglitz-Zehlendorf neben dem Werner-von Siemens-Gymnasium noch andere Schulen betroffen. Dazu gehören das Beethoven-Gymnasium, das Paulsen-Gymnasium und das Willi-Graf-Gymnasium.

Das Beethoven-Gymnasium wird von 5 auf 4 Klassen reduziert, mit der Begründung, dass die Fünfzügigkeit eine Ausnahme gewesen sei, die Schule grundsätzlich nur vier Klassen habe. Das Paulsen-Gymnasium wechselt immer zwischen 3 und 4 Klassenzügen und wird im kommenden Schuljahr nur drei haben. Nur noch drei Klassenzüge wird es auch am Willi-Graf-Gymnasium geben. Auch dort sei die Einrichtung von vier Klassen eine Ausnahme gewesen, heißt es aus der Senatsbildungsverwaltung.