Feuer in Berlin-Zehlendorf

U-Bahnhof Onkel Toms Hütte: Ladenstraße Nord zerstört

Nach einer Explosion in einem Imbiss am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte in Berlin-Zehlendorf kam es zu einem Großbrand. Die Polizei ermittelt.

Der Brandort am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte am Montag.

Der Brandort am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte am Montag.

Foto: Reto Klar

Berlin. Am Morgen nach der Explosion in einem Imbiss am U-Bahnhof Onkel Toms Hütte in Zehlendorf stehen viele Ladenbesitzer und Anwohner unter Schock. Das Feuer war am Sonntagabend in der Ladenzeile Nord ausgebrochen und hatte auf andere Geschäfte wie einen Friseur, zwei Modeläden und einen Supermarkt übergegriffen. Der U-Bahn-Verkehr war am Montag unterbrochen, ein Ersatz mit Bussen eingerichtet. Weder der Imbissbetreiber noch die Ladenbesitzer wollten am Vormittag über das Geschehen reden. „Dafür habe ich jetzt echt keine Nerven“, sagte eine Geschäftsinhaberin, die mit anderen Händlern vor dem Bahnhof stand.

Die Feuerwehr war mit 120 Einsatzkräften und 15 Löschfahrzeugen vor Ort. Um 20.58 Uhr sei der erste Alarmruf am Sonntag eingegangen, sagte Christian Lange, Einsatzleiter der Feuerwehr, am Montag. „Es hat eine Verpuffung beziehungsweise eine Explosion in einem asiatischen Imbiss gegeben.“ Die Alarmstufe sei sofort um eine Stufe erhöht wurden.

Feuer im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte - die Bilder

Ein Mann mit Brandverletzungen musste mit dem Helikopter in die Klinik nach Marzahn gebracht werden. Die Brandbekämpfung habe die ganze Nacht gedauert, am Morgen habe es noch Nachlöscharbeiten gegeben, sagte Lange. Er bestätigte, dass mehrere Geschäfte von dem Brand betroffen sind und ein Großteil abgerissen werden muss. Mit einer Kontrolle am Nachmittag sollte der Einsatz der Feuerwehr abgeschlossen sein.

Schwierige Suche nach der Brandursache

Die Ursache für das Feuer ist noch unklar. Das Brandkommissariat des Landeskriminalamtes (LKA) hat die Ermittlungen aufgenommen. „Es ist sehr viel zerstört, das macht die Suche nicht einfacher“, sagte ein Polizeisprecher. Es müssten jetzt weitere Zeugen befragt werden. Bislang sei nur bekannt, dass es einen lauten Knall gegeben habe. Man hoffe, so schnell wie möglich die Brandursache zu finden.

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Die Verkehr auf der Linie U3 musste eingestellt werden. Fachleute der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten den Schaden am Morgen begutachtet. „Wir gehen davon aus, dass es mindestens einige Tage dauern wird, bis wir dort wieder fahren können“, sagte U-Bahn-Bauchef Uwe Kutscher. Derzeit werde geprüft, welche Maßnahmen – neben einer Reinigung – notwendig und möglich sind, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Onkel Toms Hütte: Unruhige Nacht für die Anwohner

Für die Anwohner war es eine unruhige Nacht. Petra S. wohnt seit 13 Jahren in dem Haus, das parallel an den Gleisen steht. Sie hat gegen 21 Uhr den „riesigen Knall“ gehört. „Es klang bedrohlich“, sagte die Anwohnerin. Ihr kleiner Hund sei „total ausgeflippt“ und wollte nicht mehr aufhören zu bellen. Sie hat beobachtet, wie die ganze Nacht eine Drohne über dem Unglücksort kreiste und das Dach aufgefräst werden musste, damit die Feuerwehrleute an die Brandherde herankamen. An Schlaf sei nicht zu denken gewesen, so Petra S. Bis 2.30 Uhr habe sie das Geschehen beobachtet.

Mehr als 30 Geschäfte gibt es an den Ladenstraßen Süd und Nord entlang der Gleise der U3. Es ist in Berlin das einzige Einkaufszentrum, durch das eine U-Bahn fährt. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz und wurde in der Vergangenheit von der Wirtschaftsförderung des Bezirks Steglitz-Zehlendorf mit mehreren Projekten aufgebaut und unterstützt.

„Onkel Toms Ladenstraße ist als Nahversorger ein typisches Beispiel, wie ein Kiez funktionieren kann, wenn eine Vielfalt an Geschäften vorhanden ist“, sagte Michael Pawlik, Leiter der Wirtschaftsförderung. Es sei ein Rückschlag und wirklich bedauerlich, dass gerade jetzt, wo alles gut lief, so viel zerstört wurde. „Wir sind aber bereit, den Wiederaufbau mitzugestalten“, so Pawlik. Er könne sich vorstellen, ein neues Projekt aufzulegen.

Die nördliche Ladenzeile bleibt vom Eingang Riemeisterstraße bis zum seitlichen Ausgang vor der Nahkauf-Filiale bauaufsichtlich gesperrt. „Der Nahkauf darf nach Reinigung des Zuganges über die Ladenstraße von der Onkel-Tom-Straße aus wieder genutzt werden“, erläuterte Bezirksamtssprecher Marcel Mattick das Ergebnis der Prüfung durch die Bauaufsicht. Die südliche Ladenstraße sei nicht gesperrt, sie dürfe nach der Reinigung genutzt werden. Bis zur Freigabe müsse sichergestellt werden, dass der Bereich nicht betreten wird.

Michael Gaedicke, Anwohner und Bezirksverordneter der Grünen, hatte sich ebenfalls am Morgen ein Bild von dem Unglück gemacht. Er sieht in dem Wiederaufbau auch eine Chance. Es habe schon mehrere Wassereinbrüche in den Ladenstraßen gegeben, erzählt er. Wenn das Dach neu aufgebaut werde, könnten auch Solaranlagen zum Einsatz kommen.

U-Bahnlinie U3 unterbrochen: BVG prüft Schäden

Wie lange der U-Bahnverkehr rund um die Station unterbrochen sein wird und welcher Schaden eingetreten ist, konnte die BVG am Montagvormittag zunächst nicht mitteilen. „Wir können derzeit noch keine exakten Angaben machen. Unsere Fachleute sind dran. Wir informieren, sobald wir verlässliche Angaben machen können“, teilte Sprecher Markus Falkner mit. Die Ladenstraße in der das Feuer ausgebrochen war, gehöre demnach nicht der BVG. Von dort sei das Feuer lediglich auf das Dach des Bahnhofs übergegriffen.

Das Thema Brandschutz nähmen die Verkehrsbetriebe sehr ernst, so Falkner. „Grundsätzlich spielt das Thema Brandschutz im laufenden Betrieb und bei allen Arbeiten in U-Bahnhöfen eine Rolle.“ Dazu gehörten Schulungen der Mitarbeiter und eine enge Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Bei Sanierungen würden zudem regelmäßig Materialen ausgetauscht, die nicht mehr dem aktuellen Stand der Vorschriften entsprächen. Daneben läuft bei der BVG seit mehreren Jahren ein großangelegtes Projekt, die U-Bahnhöfe mit weiteren Ausgängen auszustatten.

Nachdem zunächst alle Stationen mit nur einem Zugang eine zweite Treppe erhalten haben, bekommen aktuell Bahnhöfe einen weitere, separaten Ausgang, deren bisherige Treppen sich auf einer gemeinsamen Zwischenplattform treffen. Aktuell laufen dafür Arbeiten an den U-Bahnhöfen Birkenstraße und Nauener Platz. In den kommenden Jahren soll so auch der Halt am Adenauerplatz verändert werden. Bis alle insgesamt 40 geplanten Zusatzausgänge gebaut sind, werden laut BVG noch rund 20 Jahre vergehen.