Pandemie

Corona-Leugner verteilen Flyer in Zehlendorf

In Zehlendorf sorgen seriös gestaltete Flyer für Verunsicherung. In der Broschüre wird die Corona-Pandemie verharmlost.

Dieser Flyer der Corona-Leugner werden aktuell in Zehlendorf verteilt. Foto:

Dieser Flyer der Corona-Leugner werden aktuell in Zehlendorf verteilt. Foto:

Foto: jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin.  In den Briefkästen der Bewohner der Bruno-Taut-Siedlung in Zehlendorf findet sich in diesen Tagen irritierende Post. Ein aufwendig gestalteter, seriös wirkender Flyer informiert die Bewohner darüber, dass Covid 19 lediglich „so gefährlich wie eine Autofahrt“ sei und empfehlen „Training statt Lockdown“. Auch die weiteren Thesen in der Broschüre zielen darauf ab, die Corona-Maßnahmen für überzogen, je sogar schädlich darzustellen und die Pandemie für nicht real zu erklären.

Erst der Blick auf das klein gedruckte Impressum auf der Broschüre macht deutlich, dass das Schreiben nicht etwa vom Gesundheitsamt, sondern von dem umstrittenen HNO-Arzt Bodo Schiffmann aus Sinsheim stammt. Der Mediziner, der gerade erst am Mittwoch in Mannheim auf der sogenannten „The great Corona Info Tour“ quer durch Deutschland in Mannheim auftrat, ist mittlerweile bundesweit als Corona-Skeptiker bekannt.

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Gesundheitsverwaltung: „Gefährlicher Unsinn“

„Diesen Flyer kennen wir noch nicht, es sind aber offenbar noch welche mit anderen Motiven im Umlauf“, sagt die Sprecherin von Steglitz-Zehlendorfs Gesundheitsstadträtin Caroline Böhm (SPD). Ein besorgter Bürger habe bereits ein solches Schreiben abgegeben. „Das ist gefährlicher Unsinn und wir prüfen, inwieweit wir rechtliche Schritte dagegen einleiten können“, sagt Moritz Quiske, Sprecher von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

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Wer die Flyer in Zehlendorf verteilt, ist bislang unbekannt. Bekannt ist dagegen, dass sogenannte „Freiheitsboten“-Ortsgruppen bundesweit die Verteilung organisieren. Auf der Internetseite www.freiheitsboten.de, in der allein für Berlin 15 Ortsgruppen bei „Telegram“ gelistet sind, werden vier unterschiedlich gestaltete Flyer angeboten. Ortsgruppenleiter, die die kostenlosen Broschüren bestellen, müssen demnach mindestens 200.000 Stück bestellen.

Auf der Homepage finden die freiwilligen Verteiler auch „Tipps zur Verteilung von Flyern“. Die Verteilung „unserer Flyer wird durch das Grundrecht der Meinungsäußerungsfreiheit und der Pressefreiheit (Art. 5GG) geschützt“, eine Erlaubnis sei also nicht erforderlich. Briefkästen mit „Werbung verboten“ seien jedoch zu meiden.