Ausflugs-Tipp

Historische Grenzgängerei im Südwesten Berlins

11 Kilometer voller Höhepunkte: Eine Entdeckungstour im Südwesten Berlins vom S-Bhf Wannsee bis zur Exklave Kohlhasenbrück.

Für manche ist es Kunst: Graffitiverzierungen an der alten Stammbahnbrücke.

Für manche ist es Kunst: Graffitiverzierungen an der alten Stammbahnbrücke.

Foto: Benedikt Kendler

Berlin. Das bereits 1927 erbaute ikonische Empfangsgebäude des S-Bahnhofs Wannsee, an dem der Spaziergang startet, passt gut zu seinem Thema, der sich alten Zugstrecken und historischen Bauwerken widmet. Die Stecke liegt größtenteils im ehemaligen Grenzbereich von DDR und West-Berlin und besticht durch seine Ruhe und historisches Flair.

Vom Bahnhof aus geht der Weg Richtung Potsdamer Chaussee, von der man dann in den Stahnsdorfer Damm einbiegt, der zunächst parallel zu den S-Bahn-Gleisen verläuft. Nach 400 Metern biegt man in den Kneippweg ein; spätestens dort bleibt der Stadtstress hinter einem, die Waldidylle wird nur gelegentlich durch Schussgeräusche gestört. Sie dröhnen aus dem benachbarten Schießstand, in dessen ­Restaurant bei der „Schützen-Wirtin“ ­rustikal ­gespeist werden kann. Dem Weg einen Kilometer folgen und dann nach links abbiegen. Nach weiteren 800 Metern ist der Berliner Mauerweg erreicht. Der wird aber nur überquert, es geht einige ­Schritte nach rechts und dann links in einen sich öffnenden Weg. Der führt zum ersten Höhepunkt des Spaziergangs.

Eine Gedenkstelle erinnert an zwei Mauertote von 1965

Die alte Stammbahnbrücke überspannte ursprünglich einen Teilabschnitt der Avus, der aber nach dem Mauerbau wegen seines Verlaufs ersetzt wurde. Heutzutage ist die Brücke ein Treffpunkt für Graffiti-­Künstler, die die von Nadelbäumen umgebene Brücke mit ihren Kunstwerken „verschönern“. Vor allem der in Berlin bekannte Künstler Tobo hat sich dort ausgetobt und lädt mit seinen mal nachdenklichen, mal witzigen Sprüchen zum Betrachten und Sinnieren ein.

Nun geht es den ehemaligen Autobahnverlauf entlang bis zum Teltowkanal. Dort erinnert eine kleine Gedenkstelle an den Tod des West-Berliner Geschäftsmanns Hermann Döbler, der 1965 bei einem Bootsausflug zusammen mit der 21-jährigen Elke Märtens versehentlich die kaum markierte Grenze zur DDR passierte und von Grenzsoldaten erschossen wurde.

Über den Teltowkanal führt die ehemalige Autobahnbrücke, auf der es sich gut entspannen lässt, während man die gelegentlich vorbeifahrenden Boote beobachten kann. Gleichzeitig trennt die Brücke Berlin und Brandenburg. Auf der Berliner Seite geht es dann nach rechts: Vorbei an zwei Campingplätzen und der Weidenkirche folgt man dem Kanalverlauf bis zur Unterquerung einer weiteren alten Stammbahnbrücke. Dort beginnt die alte West-Berliner Exklave Kohlhasenbrück, von der aus, sollte der Weg zurück zu lang sein, mit der Buslinie 118 nach Wannsee zurückgefahren werden kann.

Hier gibt es auch einen Barfußweg

Die Ausdauernden verlassen Kohlhasenbrück rechts über die Nathanbrücke, passieren den Parkplatz und biegen links in einen Waldweg. Nach etwa 300 Metern geht es dann rechts ab und von dort an etwa 850 Meter geradeaus. Dort befindet sich der Kneippsche Verweil- und Heilort. Den gibt es schon seit den 1970er-Jahren, 2019 wurde er aber komplett ­erneuert. Es gibt eine handbetriebene Wasserpumpe und ein Barfußweg.

Dem Weg weitere 750 Meter folgend, biegt man dann links ab und geht etwa zwei Kilometer geradeaus bis zum Stahnsdorfer Damm. Wer sich stärken möchte, kann das im Biergarten „Loretta am Wannsee“ Ein Tipp: Wer beim Späti am S-Bahnhof Wannsee ein Getränk oder einen Snack ersteht und sich dann auf die große Wiese bei der Dampferanlegestelle setzt, wird mit einem weiten Blick über den Wannsee belohnt.

Tipps und Informationen

Schützen-Wirtin, Stahnsdorfer Damm 12, Zehlendorf, Tel. 37 43 88 07, Mi.–So., 12–19 Uhr, www.schuetzen-wirtin.de

Loretta am Wannsee, Kronprinzessinnenweg 260, Zehlendorf, Tel. 80 10 53 33, Restaurant: Di.–So., ab 12 Uhr, Biergarten: tägl. ab 12 Uhr, www.loretta-berlin.de

Dauer & Strecke Der Ausflug hat eine Länge von etwa elf Kilometern, dauert je nach Tempo und Anzahl der Pausen zweieinhalb bis drei Stunden und eignet sich auch für eine entspannte Radtour. Alternativ kann der Spaziergang mit der BVG-Buslinie 118 um etwa mehr als die Hälfte abgekürzt ­werden.