Preis

Zehlendorfer Kita für den Deutschen Kitapreis nominiert

Von 1200 Bewerbungen hat es die Zehlendorfer Einrichtung unter die besten 25 geschafft. 80 Kinder bis drei Jahre werden dort betreut

Julika London und Janice Ballhausen leiten die Kita am Brittendorfer Weg.

Julika London und Janice Ballhausen leiten die Kita am Brittendorfer Weg.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Das erste, was auffällt, ist die Ruhe. Insgesamt 80 Kinder von 0 bis drei Jahren werden in der Zehlendorfer Kita am Brittendorfer Weg betreut. Doch kein Lärm, kein Geschrei. Es ist zehn Uhr am Morgen, einige Kinder sind draußen in dem großen Garten, andere spielen am Tisch – normaler Kita-Alltag, der doch etwas besonderes hat. In der öffentlichen Kita des Eigenbetriebs Südwest geben die Kinder den Rhythmus vor. Sie dürfen mitbestimmen: wann, wo und wie sie schlafen, ob sie etwas später essen, womit sie sich beschäftigen wollen, welche Blumen gepflanzt werden sollen. Ihre Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt, die Erzieher orientieren sich daran. Die Kitaleitung hat sich mit ihrem Konzept, das auf die Partizipation der Kinder setzt, beim Deutschen Kita-Preis beworben. Unter 1200 Bewerbungen ist das Team in die nächste Runde der 25 nominierten Einrichtungen gekommen. Noch zwei weitere Berliner sind dabei: die Pankower Kitas „Villa Universum“ und Kita Berlin Kids International“. Anfang 2021 wird der Gewinner bekannt gegeben, der ein Preisgeld von 25.000 Euro erhält.

Erzieherinnen sind Experten für die Jüngsten

Die Kita am Brittendorfer Weg ist allein schon deshalb eine besondere Einrichtung, weil sie eigentlich ein große Krippe ist. Nur die Kleinsten bis drei Jahre werden hier betreut. „Das macht uns zu Experten für diese Altersstufe“, sagt die Leiterin Janice Ballhausen. Viel Wert werde auf den Übergang von der Familie in die Kita gelegt. Der beginnt schon vor der Eingewöhnungsphase mit einem Elterngespräch. Was macht das Kind gern, wie schläft es ein, ist es schreckhaft? Das können die Eltern der Erzieherin erzählen, die sich damit ein erstes Bild von dem Kind macht. Zwischen zwei bis vier Wochen dauert die Eingewöhnungsphase. „Das Kind bestimmt die Dauer“, so die Leiterin. Manche seien schneller, manche bräuchten Zeit. Doch eins ist sicher: Das Kind kann zunächst seinen eigenen Rhythmus behalten. „Wenn ein Kind beim Spielen einschläft, dann legen wir es sicher auf eine Matratze oder in eine Kuschelecke“, sagt Julika London, die zweite im Leitungsteam. Das Mittagessen bekomme es dann eben später. Andere Kinder, die wiederum nicht schlafen können und wollen, dürfen sich in anderen Räumen beschäftigen und spielen. „Das funktioniert viel besser als wenn Kinder, die nicht schlafen können, ruhig gehalten werden müssen, damit sie die anderen nicht stören“, sagt die Janice Ballhausen.

Kinder stimmen mit Holzstäbchen ab

Auch wenn die Kinder das Kommando haben – den Rahmen geben die Erzieher vor. So gilt zum Beispiel zwischen 11.30 und 14 Uhr Ruhezeit. Nach eine gewissen Zeit würden die Kinder da reinwachsen und es annehmen, sagen die Frauen vom Leitungsteam. Wichtig sei aber, die Kleinen gut zu beobachten, ihre Signale wahrzunehmen, darauf zu reagieren und ihnen alles zu ermöglichen. So können sie auch schon an Abstimmungen teilnehmen. Was ist die Farbe der Woche? Das entscheiden sie mit einem Holzstäbchen, das sie zu ihrer bevorzugten Farbe legen. „Da suchen sich auch Jungs die Farbe Rosa aus“, sagt Julika London. Gerade wegen der großen Mitbestimmung hätten die Kinder eine gute Struktur und ein gutes Sozialverhalten. Andere Kitas, in denen sie dann bis zum Schulanfang bleiben können, würden die Kinder aus dem Brittendorfer Weg gern nehmen.

Austausch mit Kitas in anderen Ländern

Die Kita ist gut vernetzt und in engem Austausch mit anderen Ländern, wie Slowenien, Japan und Belgien. Dort gilt sie als ein gutes Beispiel, wie mit jüngeren Kindern gearbeitet werden kann. „Vor allem liebevoll und gut gelaunt“, sagt Janice Ballhausen. Die Leiterinnen wissen, dass ihr Konzept funktioniert. Deshalb haben sie sich jetzt zum dritten Mal für den Deutschen Kitapreis beworben – und hoffen, dass es diesmal klappt.