Architektur

Was wird aus dem Mäusebunker? Diese Ideen gibt es

Der Mäusebunker ist ein Bau der Nachkriegsmoderne. Die Charité wollte ihn abreißen. Nun gibt es eine Debatte über die Nachnutzung.

Das Tierversuchslabor der Charité, der sogenannte „Mäusebunker", ist ein riesiger Betonklotz.

Das Tierversuchslabor der Charité, der sogenannte „Mäusebunker", ist ein riesiger Betonklotz.

Foto: Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Steinberg

Grauer Beton, blaue Rohre, fast 120 Meter lang – das ist das ehemalige Tierversuchslabor der Charité in Lichterfelde, auch Mäusebunker genannt. Die Mäuse sind an den neuen Standort in Berlin-Buch umgezogen, der Betonklotz steht leer. Was macht man mit einem Gebäude, das als herausragendes Beispiel der Nachkriegsmoderne als denkmalwürdig eingestuft wurde? Die größte Kletterhalle der Welt, ein hochmodernes Labor oder doch Kunst und Kultur? Vielleicht bleibt aber doch nur der Abriss? Darüber diskutieren am Mittwochabend Architekten und Vertreter der Charité. Am Ende waren sich alle einig: Nachnutzung ja, wenn sie finanzierbar ist.

Abriss des Mäusebunkers im Herbst ist vom Tisch

Während die Charité bereits in diesem Herbst den Betonbau abreißen wollte, um Platz für einen neuen Wissenschaftscampus zu schaffen, haben sich mehr als 7000 Unterstützer mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des Mäusebunkers ausgesprochen. Der Abriß ist in diesem Jahr vom Tisch, jetzt soll es zunächst einen Ideenwettbewerb für die Nachnutzung des Geländes geben. Der wird gerade vorbereitet. „Jetzt geht es darum, alle Chancen für den Erhalt des Mäusebunkers auszuloten“, sagte Kultursenator Klaus Leder (Linke), der zwar kurzfristig absagen musste, aber mit einem Grußwort zugeschaltet war.

Dekan Axel Radlach Pries: Mäusebunker ein „betongewordener Alptraum“

Für die Vertreter der Charité steht fest, dass sie das Gelände, auf dem heute der Mäusebunker steht, zu einem „Life Science Campus“ ausbauen wollen Eine Reihe von neuen Forschungsgebäuden sollen entstehen. Die Frage sei nun, welches Szenario für den Mäusebunker entwickelt wird, sagt Axel Radlach Pries, Dekan und Vorstandsmitglied der Charité. Für ihn ist das Gebäude ein „betongewordener Alptraum“, der nicht für Menschen gebaut wurde.

Von den 22.000 Quadratmeter Fläche in dem ehemaligen Tierversuchslabor sind 65 Prozent Technikfläche, viele Räume haben kein Tageslicht. Um den Mäusebunker weiter zu nutzen, müsste nach Ansicht des Charité-Vorstandes erheblich in die Substanz eingriffen werden. Denn die Raumnutzung sei nicht optimal, deshalb müssten Etagen herausgenommen und neu aufgebaut werden. „Das kann ich mir nur vorstellen, wenn eine Menge Geld zur Verfügung steht, die man dafür aber eigentlich nicht rechtfertigen kann“, sagt der Dekan.

Gesellschaftliche Verantwortung für das Gebäude

Architekt Ludwig Heimbach, der gerade eine Ausstellung über den Mäusebunker in der Galerie vom Bund Deutscher Architekten (BDA) in Charlottenburg kuratiert hat, gab zu Bedenken, dass es neben einem ökonomischen Wert auch einen gesellschaftlichen Wert gebe, das Gebäude als Denkmal dieser Zeit zu erhalten. Unterstützung bekam er vom Landeskonservator. „Wir wollen uns nicht in 20 Jahren die Frage anhören, wie wir es zulassen konnten, den Mäusebunker abzureißen“, sagt Christoph Rauhut. In der Debatte um eine mögliche Weiternutzung seien technische und kulturelle Fragen zu lösen. Aber auch die Frage, was es kostet, wenn neu gebaut werde, müsse beantwortet werden.

Seilbahn zwischen Charité-Campus und Freier Universität

Es könnte sein, dass es in 20 Jahren enorm schmerzt, wenn der Mäusebunker weg ist, konterte Axel Radlach Pries. „Aber manchmal müssten Schmerzen ertragen werden, um anderes zu retten“, sagt der Dekan und Mediziner. Er habe nichts gegen ein sinnvolles Umnutzungskonzept, wenn die Finanzierung dafür hinterlegt ist. Dennoch würde er es bevorzugen, dass die neuen Nutzer die alten sind, die ehemaligen Versuchlabore also wieder für die Biomedizin genutzt werden.

Andere Vorschläge, wie zum Beispiel ein in der Debatte genanntes „Mittagsschlafhotel“, würden die wissenschaftliche Entwicklung des Campus schädigen. Vielmehr würde er den Campus noch enger an die Freie Universität anschließen wollen, „warum nicht mit einer Seilbahn von hier zur FU?“ „Wir müssen eine Lösung finden, dass man in 20 Jahren sagt: Das habt ihr richtig gemacht“, sagt Axel Radlach Pries.

Mäusebunker: Absage an Beatschuppen und Clubszene

Warum nicht ein Beatschuppen, einen Technoclub, ein neues Berghain daraus machen. Auch diesen Vorschlägen der Debatte erteilt der Dekan eine Absage. Ein Investor würde den nächsten Hotspot wahrscheinlich nicht in Steglitz-Zehlendorf sehen, erklärte Radlach Pries. Er sehe nicht die Clubszene auf dem Campus, der für ihn vielmehr ein „Leuchtturm für die Wissenschaft“ werden soll. Eine Nachnutzung müsse eine langfristig tragfähige Lösung sein. Dafür sei jetzt der Ideenwettbewerb da.

Studenten schlagen Boulderhalle für Kletterfans vor

Eine Patentlösung gebe es nicht, darin waren sich alle auf dem Podium einig. Architektur-Studenten der Technischen Universität (TU) hatten sich bereits in einem Seminar mit dem Mäusebunker und einer neuen Nutzung beschäftigt. Sie kamen auf die Idee, eine Boulderhalle für Kletterfans daraus zu machen. Andere Vorschläge sahen darin eine Serverzentrale, Kunst oder auch wieder Labore. Wieder andere bauten Penthouses auf dem Dach.

Am Ende steht die Frage, ob die Charité den Mäusebunker selbst nutzen oder ihn der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen will. Wo Dekan Axel Radlach Pries den Mäusebunker im Jahr 2040 sieht? Drei Möglichkeiten kommen für ihn in Frage: Entweder sieht es dort aus wie in Tschernobyl, weil alles zugewachsen und nichts passiert ist. Oder der Mäusebunker ist eingebettet in ein tolles Landschaftskonzept mit neuen Forschungsgebäuden. Dritte Option: Es ist wieder ein attraktives Laborgelände. Der Dekan weiß, dass der Mäusebunker auch ein Imagefaktor für den Standort ist. „Wenn das Finanzierungskonzept steht, dann bin ich begeistert wenn er bleibt“, so sein Schlusswort.