Ausstellung

Abriss des Mäusebunkers im Herbst vom Tisch

Charité wartet erst die Ergebnisse eines Ideenworkshops ab. In der BDA-Galerie ist eine neue Ausstellung über das Betonbauwerk zu sehen

Der Architekt Ludwig Heimbach will den sogenannten Mäusebunker in Lichterfelde erhalten.

Der Architekt Ludwig Heimbach will den sogenannten Mäusebunker in Lichterfelde erhalten.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Alle Mäuse haben den Mäusebunker verlassen. Das Tierversuchslabor in Lichterfelde ist leergezogen, die Forschungseinrichtung der Charité arbeitet von nun an am neuen Standort in Buch weiter. Doch der Abriss des Gebäudes, das für Architekten und Stadtplaner als herausragendes Beispiel der Nachkriegsmoderne und den Stil des Brutalismus steht, ist in diesem Herbst vom Tisch. Nach den Plänen der Charité sollte das Betonbauwerk im dritten Quartal dieses Jahres zurückgebaut werden. Es erfolge noch kein Abriss sondern erst ein Ideenworkshop für eine Nachnutzung des Geländes, bestätigt Manuela Zingl, Sprecherin der Charité.

Ausstellung ist der Versuch einer Rettung

Das wird Architekt Ludwig Heimbach gern hören. Er setzt sich maßgeblich für den Erhalt des Gebäudes ein und hat jetzt eine Ausstellung über den Mäusebunker und das benachbarte Hygieneinstitut in der Galerie des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in der Charlottenburger Mommsenstraße 64 kuratiert. Es ist für ihn ein weiterer Versuch einer Rettung des beeindruckenden Baus, der mit seinen Lüftungsrohren wie ein Schlachtschiff aussieht. „Der Anlass der Ausstellung ist nicht zuletzt, so viele gute Ideen für eine Nachnutzung des Mäusebunkers zu sammeln, dass auch die wirtschaftlichen Vorbehalte zu Fall gebracht werden“, sagt Ludwig Heimbach.

Mäusebunker steht nicht unter Denkmalschutz

Bislang hat das Landesdenkmalamt das Gebäude als „denkmalwürdig“ eingestuft. Unter Denkmalschutz steht es aber nicht, heißt es auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. Heimann ist klar, dass die Wirtschaftlichkeit einer Nachnutzung in der Debatte über den Erhalt des Bauwerks eine entscheidende Rolle spielt. „Diese Abwägung muss in einer öffentlichen Diskussion stattfinden“, sagt der Architekt. Er hoffe nun auf viele neue Vorschläge. Am Ende der Ausstellung wird eine Finissage am 29. September, 18 Uhr, im Hygieneinstitut am Hindenburgdamm 27 veranstaltet. Dort sollen die Möglichkeiten einer Weiternutzung in einer Podiumsdiskussion ausgetauscht werden.

Ein Gefühl wie in einem Atomkraftwerk

Nachdem alle Tiere umgezogen waren, konnte Ludwig Heimbach einen Rundgang durch das Innere des Mäusebunkers an der Krahmerstraße machen. „Ich habe mich wie in einem Atomkraftwerk gefühlt“, sagt der Architekt. Alles sei sehr technisch, sehr klinisch, viel Edelstahl in den Laborräumen, im Kern schlecht belichtet. Aber die Atmosphäre könne man verwandeln, ist er sich sicher. Für ihn kämen zum Beispiel eine Archiv- und Büronutzung in Frage oder auch Wohnungen. Ein Mittagsschlafhotel, ein Schwesternwohnheim auf dem Steglitzer Charité-Campus oder auch ein Kapsel-Hotel wären für Heimbach Optionen. Hauptsache das Bauwerk bleibt erhalten. „Der Mäusebunker ist ein einzigartiges Baudokument der Nachkriegsmoderne und ein baukünstlerisch herausragendes Beispiel der Zeit“, sagt Heimbach. Tatsächlich sei das Äußere nicht besonders „anheimelnd“. Aber die Ästhetik des Unheimlichen passe zur Funktion eines Tierlabors. Das Gebäude wurde von Gerd und Magdalena Hänska entworfen und zwischen 1971 und 1980 gebaut.

„Mäusebunker & Hygieneinstitut: Versuchsanordnung Berlin“, BDA-Galerie Berlin, Mommsenstraße 64, bis 29. September, Montag bis Donnerstag, 10 – 15 Uhr, Eintritt frei