Rassismus-Debatte

Basketball-Profi fordert Umbenennung der Onkel-Tom-Straße

Moses Pölking hat eine Online-Petition gestartet. Der Begriff "Onkel Tom" sei ebenso beleidigend wie "Mohr". Politik und BVG skeptisch.

Auch um den U-Bahnhof Onkel Toms Hütte gibt es Namensdiskussionen.

Auch um den U-Bahnhof Onkel Toms Hütte gibt es Namensdiskussionen.

Foto: Steffen Pletl

Berlin. Der Profi-Basketballer Moses Pölking fordert die Umbenennungen des U-Bahnhofs Onkel Toms Hütte und der Onkel-Tom-Straße in Zehlendorf. Der 22-Jährige, der mittlerweile bei den Eisbären Bremerhaven unter Vertrag steht und als Jugendlicher bei Alba Berlin gespielt hat, hat eine entsprechende Petition auf der Plattform change.org gestartet. Mehr als 1100 Menschen haben dort bislang unterschrieben.

Der Berliner Morgenpost sagt Pölking, er finde den Begriff „Onkel Tom“ ebenso beleidigend wie „Mohr“. Die Onkel-Tom-Straße sei ein täglicher Begleiter, da seine Freundin dort wohne. Er wisse, dass die Namen für die Straße und die U-Bahnstation aus dem gleichnamigen Buch aus dem Jahr 1852, geschrieben von Harriet Beecher Stowe, stammten. Jedoch halte er die Darstellung von Afroamerikanern in dem Buch als problematisch. Denn die Titelfigur Tom bemühe sich um die Gunst der Sklavenhalter und habe sich seiner Menschenwürde entzogen.

CDU-Politiker hält Kritik für "völlig absurd"

Der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse hat sein Wahlkreisbüro an der Onkel-Tom-Straße in Zehlendorf. „Wir stehen mit vielen Bürgern in Kontakt und haben noch nie Beschwerden über den Namen gehört“, sagt er auf Nachfrage. Er halte die Kritik der Petitionsstarter für „völlig absurd“ und frage sich, ob diese das Buch gelesen hätten. Der Roman prangere Sklaverei und Rassismus an. Doch wenn wegen des Stationsnamens Menschen das Buch lesen und sich mit dem Thema auseinandersetzen würden, sei damit viel gewonnen, so Grasser.

Auch von der SPD in Steglitz-Zehlendorf gibt es keine Bestrebungen zur Umbenennung der Straße oder des U-Bahnhofs. Bei dem Bezirksverordneten Uwe Netzel stößt die Petition auf Schmunzeln. Denn bei der Namensgebung der Straße gebe es keinen Bezug zu dem Buch von Beecher Stowe. Vielmehr habe Ende des 19. Jahrhunderts ein Gastwirt einige Hütten im Grunewald besessen, in denen sich seine Gäste bei Regen unterstellen konnten, sagt Netzel. Ihm zufolge hieß der Wirt Thomas, woraus im Volksmund dann „Toms Hütten“ geworden sei.

Diskussion um Umbenennung der Mohrenstraße geht weiter

Auch vonseiten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die U-Bahnhöfe umbenennen kann, gibt es laut Sprecherin Petra Nelken bislang keine Bestrebungen dazu. Es scheint so, als gebe die BVG die Verantwortung lieber an den Bezirk ab, vor allem nach der jüngsten Kontroverse um die Umbenennung der Mohrenstraße. „Sollte sich der Name des Quartiers oder der Straße ändern, dann ändert sich auch der Name der U-Bahnstation“, sagt Nelken.

Auch im Bezirk Mitte gehen die Diskussionen um die Umbenennung der Mohrenstraße weiter. Am Montag forderten der Kreisvorstand der Grünen Berlin-Mitte, Jeff Kwasi Klein, und die Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, Laura Neugebauer, die BVG auf, von einer vorschnellen Umbenennung der Mohrenstraße in Glinkastraße abzusehen und den politischen Prozess abzuwarten.

Die CDU Mitte positionierte sich ebenfalls. In einem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt, fordern die vier Unterzeichner – Joachim Zeller, Frank Henkel, Philipp Lengsfeld und Olaf Lemke – eine sachliche Debatte über die Mohrenstraße. Sie wollen lediglich den Namen der U-Bahnstation ändern, die Straße soll ihren Namen behalten. Den Kontext wollen sie mit einer Erklärungstafel auf dem Zietenplatz zu der Herkunft des Wortes „Mohr“ herstellen.

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