Erinnerungsort

Kritik am Konzept für einen Gedenkort in Lichterfelde

Das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd sieht in den vorgestellten Plänen die Chance vertan, einen authentischen Lernort zu schaffen.

Helmut Schmidt und Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis Lichterfelde Süd vor einer ehemaligen Baracke für Kriegsgefangene.

Helmut Schmidt und Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis Lichterfelde Süd vor einer ehemaligen Baracke für Kriegsgefangene.

Foto: Katrin Lange

Anfangs haben sie noch gemeinsam beraten: Die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde (IKZ) und das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd. Es ging um die Baracken für Kriegsgefangene in Lichterfelde Süd, die noch erhalten sind und die in das Neubaugebiet der Groth-Gruppe als Lern- und Gedenkort integriert werden sollen. Kürzlich hat die KZ-Außenlager-Initiative ein Konzept für einen solchen Erinnerungsort vorgelegt, von dem sich das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd jetzt distanziert. „Die Initiative hat sich von der Idee eines authentischen Lernorts verabschiedet“, kritisieren Helmut Schmidt und Gerhard Niebergall, die das Aktionsbündnis mitgegründet haben. Eine Zusammenarbeit mit der IKZ gebe es nicht mehr, auch eine gemeinsame Linie werde nicht mehr vertreten.

Vorsitzender des Vereins Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde (IKZ) ist Thomas Schleissing-Niggemann. Er hat das Konzept für ein Lern- und Gedenkort mit erarbeitet. Nach seiner Auskunft wurde es bereits vom Investor Groth und Experten der Erinnerungskultur gebilligt. Die Baracke an der Réaumurstraße 39, die auf dem zukünftigen Schulgelände liegt, soll nach derzeitigen Plänen innen saniert und modernisiert und als Jugendfreizeiteinrichtung genutzt werden, während die Baracke Landweg 3/5a instandgesetzt werden soll. Dort könnten zum Beispiel in einer Ausstellung Funde von archäologischen Grabungen gezeigt werden, die vor dem Start der Bauarbeiten stattfanden.

Aktionsbündnis: „Depot, in denen Teile gelagert werden“

Das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd sieht in der Ausstellung der Funde keinen Gedenkort. Helmut Schmidt und Gerhard Niebergall nennen es lediglich ein „Depot, in dem Teile gelagert werden“. Sie schlagen zum Beispiel vor, einen Seminarraum einzurichten. „Für Schulen ist es ein interessanter Ort für den Geschichtsunterricht“, sagt Niebergall.

Auch den Jugendclub in der Baracke, die sich auf dem zukünftigen Schulgelände befindet, halten die beiden für „pädagogisch nicht vereinbar mit dem historischen Anliegen“. Das Verhältnis stimme nicht, sagt Schmidt. Die einen wollten sich erinnern, die anderen fröhliche Jugendarbeit machen. Es sei falsch, Schule und Gedenkort zu verbinden. Zudem würden Pädagogen sagen, dass Kinder frühestens ab der vierten Klasse Verständnis für historische Zusammenhänge und die Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges hätten. In dem neuen Stadtquartier entsteht eine Grundschule für Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse.

Baracke auf dem Schulgelände soll versetzt werden

Der Vorschlag der beiden Herren: Die noch bestehende Baracke auf dem Schulgelände versetzen, also abbauen und an anderer Stelle wieder neu aufbauen. Das hätte auch den Vorteil, dass die Schule die Fläche anders nutzen könnte. Groth würde das Konzept des minimalsten Aufwandes akzeptieren, sagt Helmut Schmidt, der jahrelang in der benachbarten Thermometersiedlung gewohnt hat. Und die IKZ hätte dem Konzept zugestimmt, das Groth entgegenkommt. Dabei gehe die Möglichkeit verloren, an einem authentischen Ort zu zeigen, was die rechte Gefahr bedeutet und „wo man sieht, was Rechtsextremismus ausrichten kann“.

Die Groth-Gruppe rechnet damit, das Viertel „Neulichterfelde“ im Jahre 2025/26 fertigzustellen. Insgesamt 900 Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Bau des neuen Stadtquartiers für etwa 6000 Bewohner. 540 der etwa 2000 Wohnungen sind Sozialwohnungen. Die Wohnungsbaugesellschaft Degewo wird die geförderten Wohnungen und zwei der insgesamt drei Kitas errichten. Dazu entstehen etwa 500 Reihen- und Einfamilienhäuser.