Leerstand

Wohnungsbaugesellschaft soll Geisterhaus übernehmen

Das Bezirksamt will das leerstehende Haus am Hindenburgdamm über einen Treuhänder sanieren und vermieten lassen.

Das Geisterhaus am Hindenburgdamm steht seit mehr als 20 Jahren leer. Der Eigentümer lässt es verfallen.

Das Geisterhaus am Hindenburgdamm steht seit mehr als 20 Jahren leer. Der Eigentümer lässt es verfallen.

Foto: Katrin Lange

Um den jahrelangen Leerstand im Geisterhaus am Hindenburgdamm, Ecke Gardeschützenweg zu beenden, will Steglitz-Zehlendorf neue Wege gehen. Der Bezirk wird, wie bereits in Pankow in der Smetanastraße geschehen, einen Treuhänder einsetzen, der das Haus zeitweise übernimmt und saniert. Allerdings soll im Südwesten erstmals eine Wohnungsbaugesellschaft die Aufgabe des Treuhänders übernehmen.

Nach langen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Eigentümer hat der Bezirk bereits einen rechtskräftigen Rückführungsbescheid auf der Grundlage des Zweckentfremdungsverbots. Das heißt, dass das Haus vom Eigentümer in eine Treuhänderschaft übergehen kann. Jetzt geht es noch um die Vollstreckung. „Als nächste Schritte sind Rücksprachen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie Finanzen und mit einer möglichen als Treuhänder in Frage kommenden Wohnungsbaugesellschaft geplant“, sagt Michael Karnetzki (SPD), Bezirksstadtrat für Ordnung und Bürgerdienste.

Geisterhaus am Hindenburgdamm steht seit mehr als 20 Jahren leer

Seit mehr als 20 Jahren steht das Mehrfamilienhaus leer und verfällt. Das Bezirksamt musste den Gehweg am Hindenburgdamm wegen herabfallender Fassadenteile absperren. Dazu kommt noch eine akute Rattenplage in dem leerstehenden Gebäude. Mehrfach haben Anwohner darauf hingewiesen, dass es im und rund um das Haus eine große Population der Nager gibt. Eigentlich ist der Eigentümer dazu verpflichtet, die Rattenbekämpfung von Fachkräften durchführen zu lassen. Doch weil der seiner Pflicht nicht nachkommt, hat die Fraktion der Linken in einem Antrag das Bezirksamt aufgefordert, den Grad des Rattenbefalls festzustellen und umgehend geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Zudem soll das Amt defekte Fenster in den Kellerräumen, Löcher in den Wänden und kaputte Abflussrohre reparieren, um eine Neuansiedlung der Ratten zu verhindern. „Die Kosten für alle Maßnahmen sollen dem Eigentümer der Schrottimmobilie in Rechnung gestellt werden“, fordert die Linksfraktion in ihrem Antrag.

Gesundheitsamt war bereits vor Ort

Zuständig für die Kontrolle der Rattenplage ist das Gesundheitsamt von Steglitz-Zehlendorf. Die Mitarbeiter sind auch bereits vor Ort gewesen. „Allerdings ist das Haus natürlich speziell, denn wegen des extrem baufälligen Zustandes ist es von der Bauaufsicht gesperrt“, sagt Carolina Böhm (SPD), Bezirksstadträtin für Gesundheit. Daher gelte auch für das Gesundheitsamt „Betreten verboten“. Es seien aber Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen im Garten und in Absprache mit den Berliner Wasserbetrieben auch in der Kanalisation vorgenommen worden. „Mehr ist momentan nicht möglich, hier ist in erster Linie notwendig, dem Eigentümer sein Eigentum zu entziehen“, sagt die Stadträtin.

Sanierung auf Kosten des Eigentümers

Genau das soll jetzt mit der Wohnungsbaugesellschaft als Treuhänder passieren. Ziel des Modells, bei dem der Hauseigentümer vorübergehend enteignet wird, ist es, dass das Amt oder ein eingesetzter Treuhänder die notwendigen Sanierungsarbeiten veranlasst und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellt. In Berlin soll es nach Auskunft des Senats mindestens 20 Geisterhäuser geben. Der Mieterverein geht von bis zu 100 verwahrlosten Häusern aus. In allen Fällen lassen die Besitzer ihre leerstehenden Immobilien verfallen und kümmern sich weder um eine Sanierung noch um eine Neuvermietung.