Sommerbad

Betreiber des Spuckis bangen um ihre Existenz

Die Corona-Hilfe war nach zwei Monaten für laufende Kosten aufgebraucht. Nun haben die Spucki-Pächter einen Hilfeaurfruf gestartet.

Die Geschwister Ernada und Denis Saric betreiben gemeinsam das Sommerbad Lichterfelde, genannt "Spucki".

Die Geschwister Ernada und Denis Saric betreiben gemeinsam das Sommerbad Lichterfelde, genannt "Spucki".

Foto: Katrin Lange

Berlin. Sie wissen nicht weiter: Er­nada und Denis Saric sitzen unter dem Schirm am Beckenrand und blicken in den Nieselregen. Genauso trüb wie das Wetter sind ihre Zukunftsaussichten. Die Coronakrise hat sie tief ins Minus gebracht. Vor sechs Jahren haben die Geschwister das Sommerbad Lichterfelde am Hindenburgdamm, wegen der kleinen Becken auch Spucki genannt, übernommen. Es war eines der ersten Sommerbäder mit Saunalandschaft, das die Berliner Bäderbetriebe (BBB) an private Pächter abgegeben haben. Der Grund waren die hohen Betriebskosten. Im Gegensatz zu den landeseigenen Bäderbetrieben, so hieß es, könnte ein Privatmann flexiblere Angebote machen, zum Beispiel in der Gastronomie, um den Betrieb rentabel zu gestalten.

Die Rechnung ging auf – bis die Corona-Pandemie kam und die Schließung im März. Im vergangenem Jahr kamen 76.000 Besucher ins Spucki – davon 51.000 von Mai bis September in das Sommerbad und 24.000 in die Sauna, die das ganze Jahr geöffnet ist. „Wir haben jetzt schon 20.000 Gäste weniger“, sagt Denis Saric. Der Mai sei ein ganz wichtiger Monat. Als das Bad Mitte März geschlossen werden musste, haben die Betreiber acht Mitarbeitern in Mini-Jobs und Teilzeit kündigen müssen. Zwei Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit gegangen.

Gemeinsam haben sie zuerst die Chance genutzt, eine Grundreinigung zu machen. Das Wasser wurde abgelassen, alles gekärchert. „Die Corona-Hilfen haben uns über zwei Monate hinweg geholfen“, sagt der Betreiber. Aber die zusätzlichen Kosten für Wasser, Reinigung und Strom liefen weiter. Allein um die drei kleinen Becken zu befüllen, bräuchte er eine Million Liter Wasser. Die Berliner Bäderbetriebe hätten die Pacht zunächst gestundet, erzählt Saric. Doch jetzt müsse er sie rückwirkend bis März zahlen. Zwar kämen ihm die Bäderbetriebe mit einem Nachlass von 20 Prozent entgegen. „Aber von den 10.000 Euro Pacht pro Monat bleiben immer noch 8000 Euro, die ich zahlen muss“, sagt der junge Mann, der eine kaufmännische Ausbildung gemacht hat.

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Spucki-Betreiber startet Spenden-Aufruf bei „Startnext“

Die Summe könne er nicht aufbringen. Deshalb hat er einen Aufruf auf der Spendenplattform „Startnext“ initiiert. Viele Klubs hätten es so geschafft, ihren Betrieb zu retten, sagt Denis Saric. Nun hoffe er auch auf „eine gewisse Summe“, um seine Schulden von 50.000 Euro zu begleichen. „Wir haben Angst um unsere Existenz und wissen nicht, was kommt“, so der Pächter. Denn startet frühestens am 16. Juni der Badebetrieb im Spucki, darf es nur zu 30 Prozent ausgelastet werden, um alle Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Die Sauna bleibt ohnehin geschlossen.

Die Geschichte des Lichterfelder Bades reicht bis ins Jahr 1903. Damals entschieden die Dorfvorsteher, ein Freibad am Teltowkanal zu errichten. 1996 musste es geschlossen werden, weil die Betonwände auf morastigem Boden standen und gebrochen waren. Ein Jahr später übernahmen die Bäderbetriebe das Bad und sanierten es für 8,5 Millionen Mark. Die neuen Edelstahlbecken wurden auf Holzpfählen errichtet. 2012 verpachteten die Bäderbetriebe das Bad, blieben aber Eigentümer. Ernada und Denis Saric haben seit ihrer Übernahme 2014 viel investiert: Die Gastronomie im Saunabereich ist neu entstanden. Das Außengelände wurde wie ein Park mit Hecken und Rosenbüschen angelegt.