Neuer Ortsteil

Schlachtensee wird achter Ortsteil von Steglitz-Zehlendorf

Jahrelang hat eine Bürgerinitiative dafür gekämpft. Schließlich konnten sie die Mehrheit der Bezirksverordneten überzeugen

Sie haben die Bürgerinitiative mitgegründet: Joachim Elsholz, Dirk Jordan und  Manfred Bergmann (v.l.) vor der Johanneskirche in Schlachtensee

Sie haben die Bürgerinitiative mitgegründet: Joachim Elsholz, Dirk Jordan und Manfred Bergmann (v.l.) vor der Johanneskirche in Schlachtensee

Foto: Sergej Glanze

Sie haben es geschafft – soviel ist schon sicher: Schlachtensee wird eine neuer Ortsteil von Steglitz Zehlendorf werden. Der Bezirk im Südwesten hat damit künftig acht Ortsteile. Zwar steht der Einwohnerantrag, in dem die Bürgerinitiative „Wir in Schlachtensee“, die Hochstufung der bisherigen Ortslage zu einem Ortsteil fordert, erst am Mittwoch auf der Tagesordnung der Bezirksverordneten und könnte noch in einem Ausschuss überwiesen werden. Aber eine Abfrage bei den Fraktionsvorsitzenden von CDU, Grüne und SPD hat ergeben, dass alle zustimmen. Damit hat der Antrag auf jeden Fall die notwendige Mehrheit.

1200 Unterschriften haben die Akteure der Bürgerinitiative gesammelt, um ihr Anliegen durchzusetzen. Seit Jahren kämpfen sie darum, sich Schlachtenseer nennen zu können. Dafür gibt es viele Gründe, und die liegen nicht nur in der Heimatverbundenheit. Der Schlachtensee – Namensgeber für den neuen Ortsteil – liegt zur Hälfte in Nikolassee und Zehlendorf. Rund um die Breisgauer Straße sind die Geschäftsleute und Praxen je nach Straßenseite ebenfalls diesen beiden Ortsteilen zugeordnet. Dabei geht die die zentrale Einkaufsstraße Straße direkt vom S-Bahnhof Schlachtensee ab.

Bis 1920 gab es den Ortsteil

Es geht aber auch darum, in der Lokalpolitik mehr Beachtung zu finden. Denn Ortsteile werden als politische Einheiten wahrgenommen – so die Argumentation der Anwohner. Neue Bauprojekte oder Probleme, wie zum Beispiel mit der Verkehrsanbindung oder den Seenutzern, müssten dann in einer Bürgerversammlung öffentlich diskutiert werden. Letzten Endes berufen sich die Initiatoren des Einwohnerantrags Joachim Elsholz, Dirk Jordan und Stefan Schlede auf die Geschichte. Denn in einem „Führer durch Zehlendorf“ aus dem Jahr 1914 ist von einem Ortsteil Schlachtensee die Rede, der damals zur Landgemeinde Zehlendorf gehörte. „Uns gab es also schon einmal“, schlussfolgert Dirk Jordan.

Der nun wieder anerkannte Ortsteil soll durch folgende Straßen begrenzt werden: Potsdamer Chaussee, Wasgenstraße, Spanische Allee, Straße am Schlachtensee, Waldrand oberhalb des Schlachtensees, Avus, Fischerhüttenweg, Elvirasteig, Limastraße, Bahndamm (bis Potsdamer Chaussee). Der neue Ortsteil hat zwischen 6000 und 8000 Einwohnern. Für eine Änderung der amtlichen Karten rechnet der Bezirk mit etwa 3000 Euro.

SPD unterstützte das Anliegen schon vor drei Jahren

Während die Bezirksverordneten der SPD-Fraktion schon länger die „Schlachtenseer“ unterstützen und sogar vor drei Jahren in einem eigenen Antrag die Anerkennung als Ortsteil forderten, brauchten die Fraktion von CDU und Grünen etwas länger, um sich mit der Idee anzufreunden. Auch die Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) war anfangs dagegen, unter anderen mit dem Argument, dass Schlachtensee nie ein eigenen Rathaus hatte, wie zum Beispiel Steglitz, Zehlendorf und Lankwitz. Doch eine Untersuchung, die das Bezirksamt in Auftrag gegeben hatte, stützte schließlich das Anliegen der Bürgerinitiative. Sie kam zu den Ergebnis, dass eine Hochstufung zum Ortsteil mit entsprechenden historischen Kartenwerken und der Lage mit See, S-Bahnhof und Breisgauer Straße, begründet werden kann.

„Die Bürger haben so viel Engagement gezeigt – sie wollen es, also kriegen sie es“, sagt Torsten Hippe, Fraktionschef der CDU-Bezirksverordneten. Mehr auch nicht. Etwas deutlicher werden die Grünen. „So ganz begeistert und überzeugt sind wir nicht von der Idee“, sagt Fraktionschef Bernd Steinhoff. Aber sie hätten immer gesagt, dass sie das Anliegen unterstützen, wenn genügend Unterschriften zusammenkämen. „Wir sehen uns im Wort und stimmen zu“, so Steinhoff. Obwohl er nicht glaube, dass der Ortsteil zu mehr Gemeinschaftsgefühl führe oder andere Vorteile bringe. „Sie können sich ja als Schlachtenseer fühlen, aber muss es denn ein Verwaltungsakt sein?“, sagt der Fraktionschef. Und was die Mitbestimmung angehe: Das sei Quatsch, denn man nehme jeden Bürger ernst, auch heute schon. Daher könne er die Überlegungen nicht nachvollziehen.

Neue Ortsteile kommen immer wieder dazu

Anders klingt das bei der SPD-Fraktion. „Das ist eine schöne Idee“, sagt Fraktionschef Norbert Buchta. Es sei vielleicht nicht das wichtigste Anliegen, aber es tue auch nicht weh. Er glaube, dass der neue Ortsteil „identitätsstiftend“ sei. Auch das Beteiligungsrecht könne besser umgesetzt werden. „Künftig gibt es mehr rechtliche Möglichkeiten“, sagt Buchta. Nachteile sehe er keine.

Berlin hat heute 96 Ortsteile. Dass neue dazu kommen, ist nicht außergewöhnlich. So wurde zuletzt erst Borsigwalde zu einem neuen Ortsteil in Reinickendorf ernannt. In Lichtenberg kam Neu-Hohenschönhausen dazu – es entstand im Jahr 2002 aus Gebieten der Ortsteile Malchow, Wartenberg und Falkenberg. In Steglitz-Zehlendorf wird Schlachtensee die Ortsteile Steglitz, Zehlendorf, Lankwitz, Dahlem, Lichterfelde, Nikolassee und Wannsee ergänzen. Schon heute sagen die meisten Ausflügler: „Wir fahren nach Schlachtensee.“ Künftig ist das völlig korrekt.