Architektur

CDU-Fraktion fordert den Abriss des Mäusebunkers

Das Tierlaboratorium auf dem Charité-Campus in Steglitz sei havariegefährdet und asbestbelastet, eine wirtschaftliche Nachnutzung schwierig.

Der Mäusebunker ist ein Beispiel für die Architektur des Brutalismus. Noch ist nicht sicher, ob das Tierlaboratorium unter Denkmalschutz gestellt wird.

Der Mäusebunker ist ein Beispiel für die Architektur des Brutalismus. Noch ist nicht sicher, ob das Tierlaboratorium unter Denkmalschutz gestellt wird.

Foto: JOHN MACDOUGALL / AFP

Während sich Architekten sowie Professoren für Stadtplanung und Städtebau mit Online-Petitionen und offenen Briefen für den Erhalt des Mäusebunkers einsetzen, fordert die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus kategorisch den Abriss des „Zentralen Tierlaboratoriums“ der Freien Universität auf dem Campus der Charité an der Krahmerstraße in Steglitz. Die Charité, die ebenfalls den Abriss befürwortet, plant derzeit dennoch einen internationalen Ideenworkshop, in dem das Entwicklungspotenzial der Fläche des Mäusebunkers für Wissenschaft und Forschung im Fokus stehen soll.

Abriss des Mäusebunkers soll herausgezögert werden

„Berlin braucht keinen Ideenwettbewerb zur Nachnutzung des Mäusebunkers“, sagt Adrian Grasse, forschungspolitischer Sprecher der CDU Berlin. Es sei offensichtlich, dass lediglich auf Zeit gespielt werde, um einen Abriss möglichst lange hinauszuzögern. Denn dass es für das havariegefährdete und asbestbelastete Bestandsgebäude keine wirtschaftliche Alternativnutzung gibt, sei schon vor längerer Zeit bestätigt worden. Seine Forderung: Der Abriss des Mäusebunkers solle vorangetrieben werden, um am dortigen Standort einen Forschungscampus von Charité und Freier Universität aufzubauen. „Aktuell zeigt sich doch so deutlich wie selten zuvor, dass wir dringend weitere Flächen für die Spitzenforschung benötigen“, sagt Grasse in Anspielung auf das Coronavirus.

Tierhaltung zieht in einen Neubau nach Buch

Der Mäusebunker steht für die Nachkriegsmoderne und den Stil des „Brutalismus“. Das Gebäude wurde von den Architekten Gerd und Magdalena Hänska entworfen und entstand für 183 Millionen Mark zwischen 1971 und 1980. Derzeit prüft das Landesdenkmalamt, ob das Haus unter Denkmalschutz gestellt werden kann. Es wird im Sommer 2020 leergezogen sein. Die Tierhaltung ist dann in einem Neubau am Campus Berlin Buch (CBB) untergebracht. „Die Aufgabe des Mäusebunkers und der Ersatzbau in Buch waren bereits 2012 vom Senat entschieden worden“, heißt es in einer Mitteilung der Charité. Da das alte Gebäude in Steglitz ausschließlich auf die Nutzung für Tierhaltung zugeschnitten sei, beispielsweise durch niedrige Technikgeschosse im Wechsel mit Nutzungsgeschossen, könne die Charité das Gebäude nach dem Freizug nicht mehr nutzen oder einer anderen Nutzungsart zuführen.

Charité: Wirtschaftliche Sanierung unmöglich

Für die Charité steht fest: „Die besondere Baustruktur und die außerordentlich hohe technische Komplexität mit veralteter und havariegefährdeter Haustechnik, die komplett ersetzt werden muss, machen eine wirtschaftliche Sanierung oder eine wirtschaftliche Alternativnutzung für Wissenschaft und Forschung unmöglich.“ Der Charité Campus Benjamin Franklin sei aber ein Ankerpunkt der universitären Medizin im Südwesten Berlins. Deshalb werde derzeit auf verschiedenen Wegen über die zukünftige Campus-Entwicklung aus architektonischer und inhaltlicher Sicht diskutiert. Einer davon ist der internationale Ideenworkshop, bei dem die Flächenbedarfe der Charité in Krankenversorgung, Forschung und Lehre berücksichtigt werden sollen. In diesem Zusammenhang sollen auch Ideen für den Standort des alten Mäusebunkers gesammelt werden.

Fast 5000 Unterschriften für den Erhalt des Mäusebunkers

Die Initiatoren der Online-Petition „Rettet den Mäusbunker“ auf Change.org haben bereits fast 5000 Unterschriften gesammelt. Sie sind sich sicher, dass es Möglichkeiten für eine Nachnutzung des Betonbaus gibt. So könnten ihrer Ansicht nach dort neue Institute, ein Veranstaltungs- und Konferenzzentrum, Archive, Galerien, ein Gründerzentrum oder auch Wohnungen entstehen. Wichtig ist den Unterzeichnern, den architektonisch einmaligen Mäusebunker und das benachbarte Institut für Hygiene und Mikrobiologie als Ikonen der Baukunst zu erhalten.