Naturschutz

Biber machen sich am Teltowkanal breit

Die Tiere haben zwei Burgen in die Böschung hineingebaut. Jetzt wurden Bäume mit einem Schutz vor den Nagern versehen.

Ein Biber knabbert die Rinde von Weidenästen ab. (Symbolbild)

Ein Biber knabbert die Rinde von Weidenästen ab. (Symbolbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Vom Uferweg am Teltowkanal sind sie zu sehen: Bäume, die rund um den Stamm mit einem Drahtschutz umwickelt worden sind. Sie stehen direkt am Wasser und müssen geschützt werden. Denn der Biber macht sich im Südwesten breit. Während die Bautätigkeit des streng geschützten Großnagers den einen Sorgen bereitet, ist Wildtier-Experte Derk Ehlert froh über die Ansiedlung. Der Biber sei in Berlin willkommen, und man begegne ihm in der Stadt mit großer Toleranz, sagt Ehlert. Etwa 100 Tiere gebe es wieder in Berlin.

Am Teltowkanal sind die Biber vor allem in Höhe des Stichkanals an der Goerzallee zu beobachten. „Dort haben die Tiere zwei Burgen in die Böschung hineingebaut“, erläutert Ehlert. Er geht von ein bis zwei Großfamilien aus, zu denen drei bis vier Eltern- und die Jungtiere gehören. Seit etwa acht Jahren könne man Biber am Teltowkanal beobachten, so der Referent der Senatsumweltverwaltung. Aber nicht nur da: „Lichterfelde und Zehlendorf sind fest in Biber-Hand“, sagt Ehlert.

Auf der Suche nach Nahrung werden Bäume gefällt

Das ist für ihn ein gutes Zeichen, auch wenn die Nager den einen oder anderen Baum fällen. Biber würden die Ufer frei halten, gerade wenn sie drohen zuzuwachsen, sagt Ehlert. Da sie im Winter aber kein Kraut und keine Stauden fänden, würden sie auf der Suche nach Nahrung an die Bäume gehen.

Das Natur- und Umweltamt müsse immer wieder Fragen von Anwohnern wegen der Biber beantworten, sagt Bezirksstadträtin Maren Schellenberg (Grüne). Die Behörde sei gemeinsam mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt für die Wege am Teltowkanal zuständig. Dazu gehöre es, die Bäume zu kontrollieren, die von Bibern angenagt worden sind, und notfalls auch zu fällen. Wege mussten aber bislang noch nicht am Teltowkanal gesperrt werden.

Erst vor drei Monaten hatten sich Spaziergänger am Wannsee über Bäume im Uferbereich gewundert, die aussahen, als hätte sie der Förster mit der Axt bearbeitet. Auch dort war der Biber aktiv. Da der Winter vor der Tür stand, hatten die Tiere versucht, Bäume zu fällen. Nach Auskunft von Derk Ehlert gehen sie dabei sehr genau vor. Biber würden die Bäume so fällen, dass sie ins Wasser stürzen. Dann kommen sie besser an die oberen Kronenteile heran. Die Äste nutzen sie dann teilweise für den Bau ihrer Burg. Aber der größere Teil wird entweder gleich gefressen oder bleibt als Wintervorrat liegen.

Während die Ansiedlung des Bibers in Berlin begrüßt wird, hat sich das Nagetier im Land Brandenburg zu einer Plage entwickelt. Noch vor 30 Jahren galt es dort als fast ausgerottet, jetzt ist seine Zahl auf mehr als 5000 angewachsen. Das Ministerium für Landwirtschaft in Potsdam hat ein „7-Punkte-Programm für das Bibermanagement in Brandenburg“ erlassen. Darin wird zum Beispiel die Anlage von Gewässerschutzstreifen gefördert. Das Land beteiligt sich auch finanziell an den Kosten für die Vermeidung und Beseitigung von Biber-Schäden. Um die Umsetzung des Programms kümmern sich zwei Biber-Beauftragte des Landwirtschaftsministerium.