Vorschlag

Kostenlose Jahreskarte gegen Abgabe der Fahrerlaubnis

Seniorenvertretung in Steglitz-Zehlendorf fordert kostengünstige Mobilität für die Alten. Die BVG sieht den Vorschlag skeptisch

Wer seine Fahrerlaubnis abgibt, sollte ein Jahr lang umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürfen, so der Vorschlag.

Wer seine Fahrerlaubnis abgibt, sollte ein Jahr lang umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürfen, so der Vorschlag.

Foto: imago images/Jürgen Ritter

Berlin.  Die Senioren im Bezirk Steglitz-Zehlendorf wollen die Mobilität der Alten verbessern. In ihrer jüngsten Mitgliederversammlung hat die Arbeitsgemeinschaft 60+ deshalb zwei Beschlüsse gefasst: Zum einen sollten Senioren, die ihre Fahrerlaubnis freiwillig zurückgeben, einmalig eine kostenfreie BVG-Jahreskarte für den öffentlichen Verkehr erhalten. Und zum anderen soll der Einzelfahrschein wieder für die Hin- und Rückfahrt in einem Zeitraum von zwei Stunden gelten.

Zwei Tickets für eine Fahrt zum Arzt

„In den Ortsteilen sind immer mehr Versorgungseinrichtungen des täglichen Bedarfs verschwunden“, sagt Elmar Krause von der Seniorenvertretung. Die Alten müssten weiter weg zum Einkaufen und zu Arztbesuchen oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Fast immer kämen sie innerhalb von zwei Stunden wieder zu Hause an. „Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass für solche Fahrten zwei Tickets gelöst werden müssen“, so Krause. Er plädiert zudem für ein Senioren-Jahresticket, das für Berlin und das Umland, also die Tarifzonen A, B und C, gilt.

Mobilität muss erhalten bleiben

Um mobil zu bleiben, sei der Führerschein für viele Senioren immer noch lebenswichtig, sagt Heinz-Michael Sendzik, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft. Damit sie sich entscheiden, ihn abzugeben und auf das Auto zu verzichten, müssten daher Anreize geschaffen werden – ein Bonus, mit dem dieser Schritt belohnt wird. Er kenne das Modell „Fahrerlaubnis gegen Jahreskarte“ bereits aus Dortmund. Aber auch in vielen Gemeinden in Süddeutschland werde es praktiziert, sagt Sendzik.

Vorteil nur für Autofahrer

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) stehen dem Vorschlag, die Fahrerlaubnis gegen ein kostenloses Jahresticket zurückzugeben, skeptisch gegenüber. „Es ist ein schwieriges Thema“, sagt Pressesprecherin Petra Nelken. Denn es werde die Gruppe bevorzugt, die immer ein Auto hatte. „Was aber ist mit denen, die sich nie ein Auto leisten konnten und eine kleine Rente haben?“, gibt Nelken zu Bedenken. Die würden von der kostenlosen Jahreskarte nicht profitieren.

Ob der Einzelfahrschein wieder innerhalb von zwei Stunden für die Hin- und Rückfahrt gilt – für diese Entscheidung ist der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zuständig. Die Antwort darauf ist kurz und knapp. „Derzeit gibt es keine Überlegungen, die Hin- und Rückfahrten beim VBB-Einzelfahrausweis in Berlin wieder einzuführen“, sagt Elke Krokowski, Pressesprecherin des VBB.