Netzwerk

Der Kiez-Retter vom Kranoldplatz

Rainer Frohloff hat ein digitales Netzwerk aufgebaut, in dem Händler, Büros und Praxen für die Bewohner vor Ort zusammenarbeiten.

Rainer Frohloff (li.) und Herbert Haberl haben gemeinsam ein Stadtteilkonzept für Berliner Kieze entwickelt

Rainer Frohloff (li.) und Herbert Haberl haben gemeinsam ein Stadtteilkonzept für Berliner Kieze entwickelt

Foto: Katrin Lange

Berlin. Ein Anruf genügt. Oder auch eine Online-Bestellung. Zum Beispiel von der Mutter, die zwei kleine Kinder hat und wegen der Grippe nicht rausgehen kann. Oder dem älteren Herrn, dem das Laufen so schwer fällt. Sie haben ihren Einkaufszettel einfach durchgegeben. Am nächsten Tag wurden die Waren geliefert. Das Besondere daran: Alle Produkte stammen aus Geschäften, die im Umkreis von drei Kilometern liegen. Und sie wurden mit dem Lastenfahrrad besorgt und ausgeliefert. Der Einkaufsservice der Kiez-Engel gehört zu einem lokalen Netzwerk rund um den Kranoldplatz in Lichterfelde und Lankwitz, das Rainer Frohloff gegründet hat.

Nachrichten und Aktionen im Kiez

In dem Netzwerk www.lila.webkiez.de hat der ehemalige Inhaber eines Fotogeschäfts am Kranoldplatz Händler, Ärzte, Rechtsanwälte, Dienstleistungen und Praxen zusammengeführt. „Ich will die Unternehmen im Kiez online sichtbar machen“, sagt Rainer Frohloff. Wer auf die Seite geht, soll aber noch mehr erfahren. Zum Beispiel, was gerade los ist, in den Läden und im Kiez: Nachrichten, Aktionen und Angebote. Geschäfte können Gutscheine einstellen oder Rabattaktionen.

Lichterfelde und Lankwitz – kurz lila – sind die Pilotkieze für das Projekt, das Anfang 2018 startete. Mit etwa 23 Partnern ging es los, heute sind es 60 Unternehmen, die sich auf der Seite im Internet präsentieren. „Unser Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit mehr als 100 Partner aus dem Kiez zusammenzuarbeiten“, sagt der 68-Jährige. Aber auch dann soll es noch weitergehen.

Handelsverband unterstützt das Kiez-Netzwerk

Nach einem ersten Probelauf im November 2019 mit zehn lokalen Akteuren in Pankow-West, soll dort das Kieznetzwerk 2020 aufgebaut werden. Ein Jahr später, 2021, könnte es nach Schmargendorf, Charlottenburg, Tempelhof und Zehlendorf expandieren. Nur dafür werden noch Partner gesucht. „Die Webkiez-Idee mit ihrem Lieferservice und den Kooperationen ist der richtige Ansatz, um die Innenstadtlagen und Kieze zu stärken“, sagt Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Er unterstütze auf jeden Fall das Projekt.

Konkurrenz durch den Online-Handel

„Unterstütze deinen Kiez, kauf beim Händler um die Ecke“ – so wirbt das Netzwerk auf der Startseite im Internet. Auf die Idee kam Rainer Frohloff, als der Online-Handel den lokalen Geschäften immer mehr Konkurrenz machte. „Im Fotobereich brach der Umsatz so offensichtlich und brutal ein“, sagt der Geschäftsmann, der auch im Handelsverband sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) aktiv ist. Er stellte sich die Fragen: Was kann man für den notleidenden lokalen Handel tun, wie die Verluste ausgleichen?

Frohloff wollte wissen, wie es die anderen machen. Deshalb fuhr er 2017 quer durch Deutschland und sah sich in den Einkaufsstraßen um. In Wiesbaden ließ er sich das WebKiezKaufhaus erklären, in Siegen das Projekt „Lozuka“ – Lokal zu Hause kaufen. Im Spätsommer 2017 hatte er genug Ideen gesammelt. Er suchte sich mit Hendrik Tesche einen Digital-Experten, mit dem er sein Online-Pilotprojekt im Kiez rund um den Kranoldplatz startete.

Ziel ist ein digitales Kaufhaus

Der Einkaufsservice der Kiez-Engel, für den die Kunden nur die Ware und eine pauschale Liefergebühr von zwölf Euro zahlen müssen (Bestellung unter hallo@lila.webkiez.de, Tel: 030-610 819 102 oder 0171-641 47 04), soll erst der Anfang sein. „Mein Ziel ist ein digitales Kiezkaufhaus“, sagt Frohloff. Kunden könnten dann online bei verschiedenen lokalen Händlern den Warenkorb füllen und sich die Einkäufe liefern lassen. Wichtig sei, dass die Einzelhändler verstehen, dass sie keine Einzelkämpfer mehr sein dürfen.