Neuer Geschäftsführer

Hospiz Wannsee: Der Erfüller der letzten Wünsche

Walther Seiler ist der neue Geschäftsführer der Diakonie Hospize Wannsee und Woltersdorf.

Walther Seiler vor dem Hospiz in Wannsee.

Walther Seiler vor dem Hospiz in Wannsee.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Es war an einem Sonntag, Mitte Januar. Einer der letzten guten Sonntage im Leben einer hochbetagten Frau im Hospiz Wannsee. Sie fühlte sich gut, richtig unternehmungslustig und wollte noch einmal mit der Fähre fahren. Also wurde sie in einen Rollstuhl gesetzt, warm mit Decken eingepackt und dann ging es mit der Fähre über den Wannsee nach Kladow. Glücklich sei sie zurückgekommen und habe tagelang von dem Ausflug erzählt, sagt Walther Seiler, Geschäftsführer des Hospizes. Eine Woche später ist sie gestorben.

Noch einen letzten Wunsch erfüllen, jeden Tag mit Leben füllen, jede Stunde so wertvoll machen, dass sie gelebt werden will – das bedeutet für Walther Seiler Hospizarbeit. Er ist gerade nach Berlin gekommen, um die Stelle des Geschäftsführers der Diakonie Hospize Wannsee und Woltersdorf anzutreten. Seine Vorgängerin Angelika Behm ist nach 20 Jahren Hospizarbeit in den Ruhestand gegangen. Seine Aufgabe ist es nun, schwerkranken und sterbenden Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke ein Zuhause zu geben.

Eigentlich wollte er Schreiner werden

Dass er einen Zugang zu Menschen hat, gut mit ihnen umgehen kann, hat der gebürtige Franke schon als junger Mann gemerkt. Pastor wollte er werden, aber vorher einen praktischen Beruf erlernen. Schreiner schwebte ihm vor, doch nach ersten praktischen Versuchen bekam er zu hören: „Das Unternehmen, in dem du Schreiner bist, geht in den Konkurs.“ In seiner Zeit bei der Heilsarmee kümmerte er sich auch um Obdachlose. Sie zu duschen, ihre Wunden zu verbinden, mit ihnen zu reden – das lag ihm mehr, als Holz zu bearbeiten. Also wurde er Krankenpfleger und überlegte nach der Ausbildung sogar kurz, Medizin zu studieren. „Doch dann bin ich doch Pastor geworden“, so der 54-Jährige.

Nach 13 Jahren im Gemeindedienst am Bodensee und in Oberfranken, ging er 2007 nach Halle, wo er Geschäftsführer in der Krankenhausarbeit des Diakoniewerkes Martha-Maria wurde und ebenfalls die Verantwortung für die Krankenhäuser in München und Nürnberg übernahm. In Halle traf er auf der Palliativstation eine Pflegedienstleiterin, die trotz des Betriebs und ihrer Verantwortung für 300 Mitarbeiter, für jeden Patienten die richtige Ansprache fand. So auch für einen Wirtschaftsmanager, „ein sehr wichtiger Unternehmer aus dem Dax-Geschäft“, sagt Seiler. Er kam auf die Station, und forderte nur eine Spritze, um zu sterben. „Das kann ich nicht tun“, sagt die Pflegedienstleiterin, „aber ich kann für sie da sein.“ Sie sprachen miteinander, eine Freundschaft entstand. Und der Manager änderte seine Meinung und wollte jetzt doch jeden noch möglichen Tag erleben. Und nicht nur das. Seine Familie war im Streit auseinandergedriftet. Der Mann führte eine Versöhnung herbei und alle fanden am Sterbebett zusammen.

Ein anderer Zugang zum Leben

„Oft bekommen die Menschen auf Station einen anderen Zugang zum Leben“, erklärt Seiler. Sie denken darüber nach, erzählen ihre Geschichten. Und in diesem letzten Abschnitt könne man noch eine Menge bewegen. 2015 wechselte Seiler noch einmal als Pastor in die Schwäbische Alb. Dort hatte er ein weiteres Erlebnis, das ihn zur Hospizarbeit führte. In der Gemeinde betreute er zwei Männer, 71 und 45 Jahre alt, einer hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs, der ander Magen- und Speiseröhrenkrebs. Beide waren zugleich erkrankt, beide sind am Ende fast zur gleichen Zeit gestorben. Die Männer hatten sich auf der onkologischen Station bei der Chemotherapie kennengelernt. Beide wurden schließlich auf einer Palliativstation betreut. „Sie haben auf der Station eine gute Arbeit geleistet, aber ein Hospiz wäre der richtige Ort gewesen“, sagt Seiler. Das ist mittlerweile in unmittelbarer Nähe im Bau.

Das Pony kommt auch weiterhin ins Hospiz

Schließlich wurde ein neuer Leiter für die Hospize in Wannsee und Woltersdorf gesucht. Die Einrichtungen haben jeweils 14 Plätze, für die es eine Warteliste gibt. Etwa 60 hauptamtliche Mitarbeiter und zahlreiche Ehrenamtliche kümmern sich um die Gäste – wie Hospizbewohner genannt werden. Walther Seiler hat nicht lange gezögert. „Wir sind schon so oft umgezogen“, sagt er. Und in Zehlendorf wohne er sogar ruhiger im Grünen als in der Schwäbischen Alb, wo sein Haus zwar „am Ende der Welt, aber zwischen zwei Bundstraßen lag“.

Er führt zunächst die Arbeit fort, wie er sie von seiner Vorgängerin übernommen hat. „Wichtig ist mir, zusammen mit meinen Mitarbeitenden die Arbeit im Hospiz Wannsee weiterzuentwickeln und dem neuen Hospiz in Woltersdorf, das ja erst wenige Wochen eröffnet ist, ein eigenes Profil zu geben“, sagt Seiler. Im Hospiz in Wannsee kommt also auch weiterhin einmal in der Woche ein Pony, Angebote, wie die Kunst- und Musiktherapie, Lesungen und das gemeinsame Kaffeetrinken, werden fortgeführt. Auch Benefiz-Konzerte soll es weiterhin geben. Aber vielleicht nicht mehr nur klassische. „Da könnte ich mir auch ein Country-Konzert vorstellen“, sagt Walther Seiler. Er ist schon dabei, es zu organisieren.

Wer sich ehrenamtlich in der Sterbebegleitung engagieren will, kann an einem Vorbereitungskurs teilnehmen. Der nächste ist am 27. und 28. Februar 2020 im Helios Klinikum Emil von Behring. Anmeldung bei Antje Schütt unter Tel.: 030 810 26 30 63
hospizdienst-behring@helios-gesundheit.de