Blindenmuseum

Zukunft des Blindenmuseums für 25 Jahre gesichert

Bezirk und Förderverein haben sich auf einen Nutzungsvertrag geeinigt. Jetzt wird das einzige Blindenmuseum in Deutschland umgebaut.

Jürgen Lubnau, Vorsitzender des Fördervereins des Deutschen Blindenmuseums, in der Ausstellung an der Steglitzer Rothenburgstraße. Hinter ihm sind Harry-Potter-Bande in Blindenschrift.

Jürgen Lubnau, Vorsitzender des Fördervereins des Deutschen Blindenmuseums, in der Ausstellung an der Steglitzer Rothenburgstraße. Hinter ihm sind Harry-Potter-Bande in Blindenschrift.

Foto: Katrin Lange

Es war ein langes Ringen: Jahrelang haben der Bezirk und der Förderverein über die Zukunft des Blindenmuseums verhandelt. Das 1890 gegründete Museum in der Rothenburgstraße 14 in Steglitz ist das einzige Blindenmuseum in Deutschland. Zur Debatte standen nicht nur die Verlängerung des Nutzungsvertrages für die Räume in dem alten Backsteinbau, es ging auch um Planungssicherheit für einen anstehenden Umbau.

Jetzt haben sich beide Seiten geeinigt. „Der Vertrag zwischen dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf und dem Förderverein des Deutschen Blindenmuseums mit einer Laufzeit von 25 Jahren ist unterschrieben“, teilte Jürgen Lubnau, Vorsitzender des Förderverein mit. Zwischenzeitlich sei auch der Finanzierungsbescheid der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin eingetroffen, so dass in Kürze mit dem barrierefreien Umbau begonnen werden könne.

Viele angemeldete Gruppen im Museum

Der Streitpunkt waren die Öffnungszeiten des Museums. Das Blindenmuseum wird von Ehrenamtlichen betrieben. Es hat mittwochs von 15 bis 18 Uhr und jeden ersten Sonntag im Monat ab 11 Uhr geöffnet. Die meisten Besucher kommen allerdings ohnehin nicht zu diesen Terminen. Denn Gruppenführungen finden nach Vereinbarung und außerhalb der Öffnungszeiten statt.

Längere Öffnungszeiten mit Ehrenamtlichen nicht zu gewährleisten

Der Bezirk forderte, dass die Öffnungszeiten mit dem neuen Nutzungsvertrag ausgeweitet werden. Doch der Verein kann das allein mit Ehrenamtlichen nicht leisten. Die mehr als 100 Führungen werden immer von zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut, einem Sehenden und einem Blinden. Der Förderverein forderte daraufhin vom Bezirk, eine hauptamtliche Stelle für den Museumsbetrieb zu finanzieren. Doch das wollte der Bezirk nicht. Nach vielen Verhandlungen konnte man sich schließlich darauf einigen, dass das Museum wie bisher weitergeführt wird.

Barrierefreier Umbau kann beginnen

Jetzt kann die Sanierung des bezirkseigenen Gebäudes, das zur Johann-August-Zeune-Schule für Blinde gehört, endlich beginnen. Bereits im Oktober 2014 war die Zusage der Stiftung Klassenlotterie über 370.000 Euro für den barrierefreien Umbau gekommen. Zwei Jahre später hatte der Bezirk die Baugenehmigung erteilt. Doch bevor die Arbeiten beginnen konnten, forderte die Stiftung Klassenlotterie eine Nutzungsvereinbarung zwischen Bezirk und Förderverein über 25 Jahre, damit sich die Investition auch lohne. Seitdem liefen die Gespräche.

Museumsräume sind künftig im Erdgeschoss

Die bereits erteilte Baugenehmigung wurde bis April 2020 verlängert. „Wahrscheinlich werden wir Ende Februar beginnen“, sagt Lubnau. Im Vordergrund steht der barrierefreie Umbau. Ein Fahrstuhl ist geplant, um Rollstuhlfahrern den Zugang zu ermöglichen. Auch die Sanitäranlagen sollen behindertengerecht modernisiert werden. Das Museum wird aus dem zweiten Stock in das Erdgeschoss ziehen und die Ausstellung um einige Exponate erweitern.

Die Kosten betragen insgesamt 413.000 Euro. Die Förderung durch die Lottostiftung wird mit 25.000 Euro von der Kriegsblindenstiftung Berlin-Brandenburg ergänzt, der Rest ist der Eigenanteil des Fördervereins. Vorsitzender Jürgen Lubnau hofft, dass das Blindenmuseum zur Langen Museumsnacht im August fertig und für Besucher geöffnet ist.

Wie funktioniert die Blindenschrift?

Jürgen Lubnau gehört zu den etwa 6000 blinden Menschen, die in Berlin leben. In dem Museum konnte er bereits Gruppen aus China, Russland, Italien, Finnland und Holland begrüßen. Es kommen aber auch viele Schulklassen am Vormittag, die im Rahmen des Ethik-, Religions- oder Naturkundeunterrichts, eine Führung buchen. In der Ausstellung lernen sie, wie die Blindenschrift funktioniert. Es gibt eine Filmstation über die Schrift, die 1825 von dem Franzosen Louis Braille entwickelt wurde. In den Ausstellungsräumen stehen alte Punktschriftmaschinen, ein historischer Arbeitsplatz für blinde Stenografen ist aufgebaut.

In einem Raum stehen alle Harry-Potter-Bände im Regal – in Blindenschrift. Und es gibt eine Ecke mit den Spielen, wie „Mensch-ärgere-dich-nicht“ für Blinde. Alles kann ausprobiert werden, die Kinder können sich auch an das Spielbrett setzen und mit verbundenen Augen eine Partie versuchen.