Hilfsprojekt

Immer mehr Obdachlose in Steglitz: Anlaufstelle gefordert

Nicht nur der Kreisel-Bauherr ist für ein Hilfsprojekt am S-Bahnhof Steglitz. Zuvor hatte sich der Runde Tisch des DRK dafür ausgesprochen

Unter der S-Bahnbrücke am Rathaus Steglitz sind immer mehr Obdachlose zu sehen, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben.

Unter der S-Bahnbrücke am Rathaus Steglitz sind immer mehr Obdachlose zu sehen, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben.

Foto: David Heerde

Eine Anlaufstelle für Obdachlose am Fuße des Steglitzer Kreisels – das ist für Bauherr Christoph Gröner, Vorstand der CG-Gruppe, keine abwegige Idee. Als er kürzlich über den Ausbau des Wohnturms informierte, in dem die Quadratmeterpreise der Eigentumswohnungen im Durchschnitt bei 8500 Euro liegen, kam Gröner auch auf das Umfeld am Fuß des Kreisels zu sprechen. Dass immer mehr Obdachlose zwischen Hermann-Ehlers-Platz und S-Bahnhof Steglitz leben, ist auch dem Investor nicht entgangen.

„Eine Erstversorgung mit Duschen und neuen Kleidern“ – so eine Anlaufstelle könne er sich vorstellen, sagte der Investor. Mit der Idee ist er nicht allein. Zuvor hatte bereits der Runde Tisch Steglitz-Mitte, der vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Berlin Südwest veranstaltet wird, eine Notunterkunft für Obdachlose an diesem Standort gefordert.

Beratungsangebote sind überlaufen

„Wir spüren seit einigen Monaten, dass sich die Lage am Wohnungsmarkt stark verschärft“, sagt Thomas Luhmann, Sprecher der DRK-Geschäftsstelle, die ihren Sitz nur wenige Schritte vom S-Bahnhof entfernt in der Düppelstraße hat. Die Beratungsangebote seien überlaufen, regelmäßig müssten sie Menschen helfen, denen der Verlust der eigenen Wohnung drohe.

Das Problem werde auch rund um den Hermann-Ehlers-Platz immer sichtbarer. Aus diesem Grund hatte er die Anwohner zu einem Runden Tisch eingeladen, in dem die Wohnungslosigkeit in Steglitz-Mitte thematisiert werden sollte. Man war sich einige, so Luhmann, dass die Notübernachtung für Obdachlose in Wannsee nicht ausreiche. Deshalb sollte eine solche Anlaufstelle im S-Bahn-Umfeld geschaffen werden.

Hotspots für obdachlose Menschen

Für die Anwohner, die sich an der Veranstaltung beteiligten, sind die Kieler Straße, die Schloßstraße, der S- und U-Bahnhof Steglitz und der Stadtpark Steglitz die Hotspots, an denen sich immer mehr obdachlose Menschen versammeln. Sie kritisierten unter anderen, dass es zu wenige Sanitäranlagen im öffentlichen Raum gibt.

Zudem wüssten die Menschen nicht, an wenn sie sich wenden könnten und wo sie Hilfe finden. Der Vorschlag einer Anwohnerin: eine Informationskarte mit Angaben zu Übernachtungsmöglichkeiten, Waschgelegenheiten und Essensausgaben, die in öffentlichen und sozialen Einrichtungen ausgelegt wird.

Bürgertelefon der Polizei hilft weiter

An der Debatte hatten sich auch zwei Polizeibeamte beteiligt. Sie rieten den Anwesenden obdachlose Menschen einfach anzusprechen und zu fragen, ob sie Hilfe benötigten. Unter dem Bürgertelefon der Polizei, das unter der Nummer 46 64 46 64 zu erreichen ist, würden auch Hilfskontakte und -projekte vermittelt. Verständigt werden könnten zudem der Kältebus der Stadtmission und der Wärmebus des Roten Kreuzes.

Notunterkunft in Wannsee ist zu weit draußen

Erst im Oktober 2019 hat der Bezirk Steglitz-Zehendorf eine Notunterkunft in der Bergstraße in Wannsee eröffnet. Doch die Anwohner kritisierten, dass viele die neue Unterkunft in der Steglitzer Bergstraße verorteten und nicht in Wannsee. Außerdem würden sie den Standort als viel zu dezentral empfinden. Aus diesem Grund wollen sie sich für eine Unterkunft in Steglitz-Mitte stark machen. Immerhin haben sie mit dem Kreisel-Investor Christoph Gröner bereits einen prominenten Unterstützer.