Heim zerstört

Nach Brand in Steglitz: Was von der Wohnung übrig blieb

Der Brand am Hindenburgdamm hat das Heim von Eleonore Faeth zerstört. Die Versicherung stellte einen Totalschaden fest.

Eleonore Faeth sitzt in der Gästewohnung mit einem Stück Stollen und einer Tasse Kaffee allein an dem großen Esstisch.

Eleonore Faeth sitzt in der Gästewohnung mit einem Stück Stollen und einer Tasse Kaffee allein an dem großen Esstisch.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Vier Tage, nachdem das Dachgeschoss über ihrer Wohnung am Hindenburgdamm in Flammen stand, wagte sich Eleonore Faeth zum ersten Mal zurück nach Hause. „Es sah aus, als wäre ein Tsunami durch meine Wohnung gesaust“, sagt die 69-Jährige. So eine Gewalt, die alles mit sich reißt, zusammenschiebt, zerstört. Totalschaden lautet das Urteil der Versicherung. Bad, Küche, Schlafzimmer – in Trümmern unter den heruntergekommenen Decken begraben. In den Wohnzimmern lief das Wasser von den Wänden, alles ist durchfeuchtet.

Heiligabend wollte Eleonore Faeth es sich mit Kartoffelsalat und Würstchen auf ihrem Sofa gemütlich machen. Daraus wird nichts. Eine Gästewohnung ist ihr neues Zuhause auf Zeit. Dort verbringt die Seniorin das Fest. Aber zum Glück nicht allein. Sie ist bei der Familie, die ihr die Wohnung zur Verfügung gestellt hat, eingeladen. Die Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft ist groß.

Am dritten Advent war in der Dachgeschosswohnung am Hindenburgdamm 58 ein Brand ausgebrochen. Die Ursache ist noch unklar, die Polizei ermittelt. Alle Bewohner mussten an dem Sonntag das Haus verlassen, sieben Stunden kämpften die Feuerwehrleute gegen die Flammen. Die Bewohner aus den Seitenflügeln an der Haydnstraße konnten am nächsten Tag wieder zurück, einen Tag später hatten sie auch wieder Gas und Strom. Aber die Wohnungen in den oberen Etagen am Hindenburgdamm bleiben gesperrt, „bis alle Leitungen untersucht sind“, sagt Frank Mückisch (CDU), Sozialstadtrat in Steglitz-Zehlendorf. Noch lägen die Ergebnisse nicht vor.

Hilfe aus der Nachbarschaft und von Unternehmen

Der Stadtrat war Ende vergangener Woche zu einem Treffen mit Spendern und Unterstützern in das Bürgerbüro von Christian Goiny (CDU) am Hindenburgdamm gekommen. Der Abgeordnete hatte am Brandsonntag sein Büro für die Bewohner, die auf der Straße standen, geöffnet. Jetzt sollten dort die Hilfsangebote koordiniert werden. Ein Umzugsunternehmen hatte sich gemeldet, um Sachen abzuholen oder zwischenzulagern. Auf Facebook hatte sich die „Spendengruppe für Wohnhaus Hindenburgdamm wegen Feuer“ gegründet, Nachbarn und die griechische Gemeinde boten ihre Hilfe an.

So waren auch Michael Hexel und Stefanie Wolf aus Lankwitz gekommen. Sie sind in Kontakt mit einem jungen Mann aus dem Haus, der am Sonntag aus Köln zurück nach Berlin kam und mit seinem Koffer vor dem brennenden Haus stand. „Er hat nur noch das, was er auf die Reise mitgenommen hatte“, erzählt das Pärchen. Und da sie ungern Schränke, Klamotten oder Geschirr wegwerfen und viel im Keller gelagert haben, wollen sie jetzt die Dinge weitergeben. „Wir freuen uns, wenn es noch jemand nutzt“, sagen die beiden.

Auch Eleonore Faeth hat fast alles verloren. Sie hatte sich am Brandtag gerade einen geriebenen Apfel mit Joghurt zum zweiten Frühstück gemacht. Eine Talkrunde mit Bettina Böttinger wollte sie sich ansehen, als es an die Tür wummerte. Sie war noch im Jogginganzug, doch jetzt musste es schnell gehen. Schuhe, Mantel, Schal. „Geistesgegenwärtig habe ich noch meine Handtasche gegriffen“, sagt die Lichterfeldern. Das Laufen fällt der Seniorin schwer. Als sie endlich mit den Sanitätern unten im Hausflur ankam, schossen die Feuerwehrleute schon einen Strahl Wasser in den Hausflur, um das Übergreifen der Flammen zu verhindern. Sie konnte gerade noch so zur Seite springen.

Linsensuppe und Feldbett beim Deutschen Roten Kreuz

Den Sonntag verbrachte Eleonore Faeth im Sanitätswagen bis sie abends ein Feldbett beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) beziehen konnte. „Wir bekamen sogar Bettlaken und Überzüge“, erzählt die Lichterfelderin. Und Linsensuppe zum Abendbrot. Sie war so froh darüber. „Das DRK hat alles organisiert, sie sind sogar zu meiner Hausärztin gefahren und haben Medikamente abgeholt.“ Sie sei sehr gut betreut worden.

Am Montag nach dem Brand meldeten sich Jasmin und Peter Losen beim DRK. Sie hätten eine Gästewohnung frei, nur ein paar Schritte vom Hindenburgdamm entfernt. „Ich habe ja zuerst mit meinem Schutzengel gemeckert, aber da wusste ich, dass er mich doch nicht verlassen hat“, sagt Eleonore Faeth. Bis zum 12. Januar kann sie in der Gästewohnung bleiben, dann muss sie noch einmal umziehen. Jasmin Losen hat sich mit ihrem Mann schon um eine Anschlusswohnung gekümmert. Wie lange sie dort wohnen wird, weiß sie noch nicht. „Die Versicherung hat gesagt, dass die Renovierung bis zu einem Jahr dauern kann“, sagt die gebürtige Würzburgerin, die seit 50 Jahren in Berlin lebt und vor 28 Jahren die Wohnung am Hindenburgdamm gekauft hatte. Eleonore Faeth war Kaufmännische Angestellte, Sachbearbeiterin, Sekretärin. Ihre Rente bessert sie sich heute mit einem Mini-Job bei der Diakonie auf. Vor zwei Jahren starb ihr Lebenspartner, jetzt ist sie allein. Aber sie hat sieben Geschwister, in Deutschland verteilt, mit denen sie sich regelmäßig trifft.

Für Jasmin Losen und ihre Familie ist es gar keine Frage, ihren Gast am Heiligabend nach oben in ihr Wohnzimmer zu bitten. Tochter Pamina hat Eleonore Faeth ein selbstgebasteltes Bild mit Glitzersternchen geschenkt. Das steht jetzt in der Gästewohnung auf der Kommode. „Sie ist total nett, und ich finde es cool, dass sie Weihnachten bei uns ist“, sagt die Neunjährige.

Wer helfen will, zum Beispiel mit Sachspenden, kann eine Mail an buergerbuero.hindenburgdamm@gmail.com schicken. Dort wird die Hilfe mit dem Bezirksamt koordiniert.