Neue Informationsstele

Ehrung von U-Bahn-Verlängerer Richard Draemert in Zehlendorf

Der Stadtverordnete und SPD-Bezirkspolitiker hat die Verlängerung der U-Bahn vom Thielplatz bis zur Krummen Lanke durchgesetzt.

Auf dem Vorplatz des U-Bahnhofes Onkel Toms Hütte wird eine Stele für Richard Draemert aufgestellt. Er hatte für die Verlängerung der U-Bahn bis Krumme Lanke gesorgt.

Auf dem Vorplatz des U-Bahnhofes Onkel Toms Hütte wird eine Stele für Richard Draemert aufgestellt. Er hatte für die Verlängerung der U-Bahn bis Krumme Lanke gesorgt.

Foto: Steffen Pletl

Berlin. Am Ende, nach langen Debatten und Querelen, hat Berlin eine drei Kilometer lange U-Bahnstrecke sogar geschenkt bekommen. Vor etwa 100 Jahren bot der Sommerfeld-Konzern, der große, noch zu bebauende Grundstücke im Berliner Südwesten besaß, der Stadt kostenlose Flächen und die Übernahme der Baukosten für die Verlängerung der U-Bahn vom Thielplatz bis zur Krummen Lanke an. Ende 1929 konnte dieser Abschnitt eröffnet werden.

Vorausgegangen war ein langes, zähes Ringen um diese Strecke. Dass der Deal überhaupt zustande kam, ist Richard Draemert (1880 bis 1957) zu verdanken, der sich maßgeblich für die Verlängerung eingesetzt hat. Am Freitag, 20. Dezember, 11 Uhr, wird auf dem Vorplatz des U-Bahnhofs Onkel-Toms-Hütte eine Gedenkstele für den Stadtverordneten, Bezirkspolitiker und Stadtältesten von Berlin enthüllt.

Viele neue Bewohner in der Taut-Siedlung

Richard Draemert hat in den 1930er-Jahren in der Siedlung Onkel-Toms-Hütte gewohnt. Bruno Taut und andere Architekten bauten ab 1926 zwischen Argentinischer Allee und Krumme Lanke bezahlbaren Wohnungen für Tausende Berliner. Die Waldsiedlung Zehlendorf und die Siedlung Onkel-Toms-Hütte entstanden.

Klein, praktisch, bunt – so sind die Wohnungen und Häuser bis heute erhalten und beliebt. Mit dem Zuzug vieler Familien musste der neue Kiez besser an die Stadtmitte und andere Bezirke angeschlossen werden. Doch die U-Bahn endete am Thielplatz. Mit Beharrlichkeit, Geschick und Engagement – so ist auf der Informationsstele zu erfahren – hat Richard Draemert den Weiterbau der U-Bahnlinie gegen den Widerstand der anderen Fraktionen durchgesetzt.

Siebenköpfige Familie zieht 1916 nach Dahlem

Das Leben des Sozialdemokraten und Zehlendorfers war von vielen Veränderungen, Wendungen und Entbehrung geprägt. 1880 in armen Verhältnissen in Berlin geboren, lernte Draemert den Beruf des Speditionskaufmann. Doch er wollte mehr, arbeitete sich zum leitenden Angestellten im Verlags- und Druckereigewerbe hoch und war bis 1933 Geschäftsführer der SPD-Wochenzeitschrift „Die Welt am Montag“.

Im Jahr 1916 zog die siebenköpfige Familie zunächst nach Dahlem, 1933 dann in die Onkel-Tom-Siedlung nach Zehlendorf. Im Waldhüterpfad 66 fand die Familie bis 1947 ein neues Zuhause, später zog sie in die nicht weit entfernte Riemeisterstraße.

1933 in der Strafanstalt Plötzensee inhaftiert

1918 trat Richard Draemert in die SPD ein und wurde deren erster Bezirksvorsitzender in Zehlendorf. Von 1921 bis 1933 war er Stadtverordneter von Berlin und Bezirksverordneter von Zehlendorf. Er übernahm Ehrenämter, unter anderem als Aufsichtsrat der Berliner Messegesellschaft und der Berliner Flughafengesellschaft. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten nahm sein Leben eine plötzliche Wende, Draemert bekam Berufsverbot. Als SPD-Politiker und Gegner des NS-Regimes, wurde er im Sommer 1933 in der Strafanstalt Plötzensee inhaftiert. Die „Welt am Montag“ wurde verboten.

Eis- und Getränkediele am U-Bahnhof Krumme Lanke

Nach der Freilassung versuchte es der Familienvater erneut mit der Selbstständigkeit als Kaufmann. 1934 eröffnete er – gegen große Widerstände des Bezirksamtes – eine Eis- und Getränkediele am U-Bahnhof Krumme Lanke. Die Einnahmen konnten die Familie kaum ernähren.

Aber das Geschäft diente bis 1944 Regimegegnern und jüdischen Freunden als Treffpunkt sowie als Versteck für politisch und „rassisch“ Verfolgte. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler wurde Draemert für mehrere Wochen im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert und schwer krank entlassen.

Ehrengrab auf dem St.-Annen-Friedhof

Nach dem Krieg kam der Neubeginn: Von 1946 bis 1954 gehörte Richard Draemert erneut der Bezirksverordnetenversammlung in Zehlendorf an. Bis 1949 war er Kaufmännischer Direktor bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Degewo.

Zu seinem 75. Geburtstag wurde er für seine langjährigen Verdienste für Berlin und seine Standhaftigkeit gegenüber dem NS-Regime zum Stadtältesten von Berlin ernannt. Richard Draemert starb am 5. August 1957 im Krankenhaus Am Großen Wannsee an den Spätfolgen seiner Inhaftierung. Er hat ein Ehrengrab auf dem St.-Annen-Friedhof in Dahlem.

Enkelin Ingrid Reimann bei der Enthüllung der Stele dabei

„Sein Kampf galt gerechten, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und besonders der Chancengleichheit aller Kinder“, schrieb seine Enkelin Ingrid Reimann im Jahr 2013. Sie wird bei der Enthüllung der neue Informationsstelle dabei sein. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bezirksstadtrat Frank Mückisch (CDU) haben ihr Kommen angesagt.