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Steglitzer Kreisel: Oben Luxuswohnungen und unten Obdachlose

Am Kreisel beginnen jetzt der Anbau einer neuen Fassade und der Innenausbau. 2022 soll der Wohnturm fertig sein.

Blick vom Stahlskelett des Steglitzer Kreisels: In dem ehemaligen Bürohochhaus entstehen in den nächsten beiden Jahren 330 Eigentumswohnungen.

Blick vom Stahlskelett des Steglitzer Kreisels: In dem ehemaligen Bürohochhaus entstehen in den nächsten beiden Jahren 330 Eigentumswohnungen.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Das ist nichts für jemanden mit Höhenangst oder Platzangst. Geräuschvoll ruckelt der offene Bauaufzug durch den engen Schacht. Der Blick nach oben: endlos. Der Blick nach unten: immer endloser. In der Mitte ist stopp. Hier wartet Christoph Gröner, der Eigentümer des Steglitzer Kreisels und Vorstand der CG-Gruppe, und lacht. Für ihn ist das Routine. Gröner ist sowieso guter Dinge. Gleich wird er in einer Musterwohnung erzählen, wie er beim Umbau des Bürohochhauses in ein Wohnhaus, das jetzt ÜBerlin heißt vorankommt. Der erste Satz ist: „Wir sind im Zeitplan“.

Durchschnittspreis von 8500 Euro pro Quadratmeter

Insgesamt 330 Eigentumswohnungen auf 30 Etagen entstehen bis Anfang 2022 in dem einstigen Sitz des Bezirksamtes Steglitz an der Schloßstraße. Darunter sind kleine Ein-Zimmer-Apartments im Sockel und Lofts auf zwei Etagen ganz oben unter dem Dach. Die Preise beginnen bei 5000 Euro pro Quadratmeter für kleine Wohnungen im unteren Bereich und gehen bis 14.000 Euro in der 27. Etage. Die Lofts werden nach Gebot verkauft.

„Das sind die teuersten Wohnungen, ihren Preis kenne ich nicht“, sagt Gröner. Es gebe verschiedene Interessenten dafür, die aber noch abwarten wollen, wie der Ausbau vorankomme und das 120 Meter hohe Gebäude mit der neuen Fassade aussehe. Vier Fahrstühle bringen die neuen Eigentümer nach oben, in der Lobby sitzt ein Concierge.

Der Durchschnittspreis einer Wohnung wird mit 8500 Euro pro Quadratmeter angegeben. Das sind etwa 500 Euro mehr als noch vor einem Jahr. Gröner begründet den Anstieg mit den Kundenwünschen, die sich bei den Verkaufsgesprächen ergeben haben. So sei zum Beispiel jetzt noch ein Kühlsystem für die Wohnungen vorgesehen. Ein Drittel der Wohnungen ist nach Auskunft des Bauherren verkauft. Mit den Reservierungen liegt die Quote bei 50 Prozent.

40 Tonnen Stahl zur Verstärkung im Sockel eingebaut

Die Hälfte der Käufer komme aus Berlin, die andere Hälfte seien Bayern, Chinesen und Amerikaner, so Gröner. Während es für die einen eine langfristige Geldanlage sei – „jede Wohnung wird im Zweitverkauf teurer sein“ – würden andere sie selbst oder später nutzen wollen. So habe zum Beispiel ein Familienvater eine kleine Wohnung gekauft, die er so lange vermieten wolle, bis die Tochter studiert und dort einziehen wird.

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Das hohle Stahlskelett, das derzeit ein beleuchteter Adventskalender ist, wird demnächst hinter einem Gerüst verschwinden. Der Asbest und andere Schadstoffe sind raus, die Statik mit 40 Tonnen Stahl im Sockel und noch einmal 50 Tonnen Stahl im Gebäude ist verstärkt. Als das Bezirksamt noch in dem Hochhaus residierte, hätten die Mitarbeiter Vorschriften gehabt, wie viele Ordner auf dem Tisch oder im Regal stehen dürften, erzählt der Bauherr. Aufgrund der Statik hätten sie keine zusätzlichen Lasten einbringen dürfen. „Auf alten Bürobildern sind nur leere Regale zu sehen“, sagt Gröner. Jetzt habe das Haus ein komplett neues statisches System, das erlaube, Wohnungen und Balkone ohne Einschränkungen zu nutzen.

Neue Büros im Parkhaus

Ein Jahr rechnet der Bauherr für die Fertigstellung des Rohbaus mit der Fassade, noch einmal ein Jahr für den Innenausbau mit Fußbodenheizung, Kühldecke, bodentiefen Fenstern. Parallel dazu laufen die Planungen für den Um- und Ausbau des Gebäude-Ensembles im Fuß des Kreisel. Dazu gehört das Parkhaus, das nur noch auf zwei Etagen Stellplätze und darüber Büros haben wird. Für die Bewohner des Kreisels gibt es 240 Stellplätze in einer Tiefgarage. Die Baukosten für den Turm werden mit mehr als 100 Millionen Euro angegeben, noch einmal 150 Millionen Euro kostet der Sockel.

Anlaufstelle für Obdachlose am Fuß des Hochhauses

Hotel, Geschäfte, Büros und Wohnungen wird es auch weiterhin rund um den luxuriösen Wohnturm geben. Doch das ist nicht alles. Gröner will auf die Anforderungen des Umfelds, zu dem auch der S-Bahnhof Rathaus Steglitz gehört, reagieren. Von Jahr zu Jahr werden es mehr Obdachlose, die unter der Brücke an der Albrechtstraße oder in den Aufgängen nächtigen. Deshalb könnte sich der Investor, der bereits einige Hilfsprojekte unterstützt, am Fuß des Kreisel eine Anlaufstelle für Obdachlose vorstellen. „Eine Erstversorgung mit Duschen und neuen Kleidern, ähnlich wie die Bahnhofsmission“, sagt Gröner. Er wolle es gern anbieten, wenn es gewünscht sei, werde er es machen.

Pläne hat er auch für den Hermann-Ehlers-Platz. Für die Bewohner soll es einen direkten Zugang vom Platz bis zu den Fahrstühlen geben. Auch den Platz selbst will der Bauherr „massiv mitgestalten“. Neue Skulpturen, neue Brunnen – dafür soll auch Geld von der CG-Gruppe kommen. Schließlich sollen die neuen Eigentümer einen schönen Blick auf den Platz haben.