Unterkunft

Anwohner wollen Wald am Dahlemer Weg erhalten

Der Senat plant eine Unterkunft für 300 Flüchtlinge. Noch läuft eine Klage des BUND gegen den Bau auf einer geschützten Grünanlage

So wie in der Simulation könnten die beiden Gebäuderiegel am Dahlemer Weg aussehen.

So wie in der Simulation könnten die beiden Gebäuderiegel am Dahlemer Weg aussehen.

Foto: aim architektur management Busse Architekten Ingenieure

Warum kann man einen Wald in einer geschützten Grünanlage in Bauland für Wohnungen umwandeln, während es nicht möglich ist, eine Fläche im Gewerbegebiet dafür zu nutzen? Als diese Frage aus dem Publikum kam, war es eine Sekunde still im Saal – dann ging der Applaus los. Lang und stürmisch. In der Informationsveranstaltung im Rathaus Zehlendorf wurden die Pläne für eine neue Unterkunft für Flüchtlinge am Dahlemer Weg vorgestellt. Die Mehrheit im Saal war nicht gegen den Bau von Unterkünften, die Mehrheit war gegen die Abholzung des Wäldchens am Dahlemer Weg. Die Frage am Ende der Debatte hatte das Problem des Abends auf den Punkt gebracht.

Der Bürgersaal im Rathaus Zehlendorf war am Mittwochabend bis auf den letzten Platz besetzt, viele Besucher mussten stehen. Sie alle waren gekommen, um sich von Vertretern des Senats erklären zu lassen, wie es am Dahlemer Weg weitergeht. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte allerdings der Bezirk Steglitz-Zehlendorf, „damit wir uns auf den aktuellen Sachstand bringen, was dort geplant ist“, erklärte Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU).

Platz für 300 Flüchtlinge am Dahlemer Weg

Nach einer halben Stunde, in der viel über Flüchtlinge, aber nichts über den Dahlemer Weg gesagt wurde und die Unruhe im Saal im größer wurde, kamen endlich die entscheidenden Informationen von Hermann-Josef Pohlmann, Abteilungsleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Im nördlichen Teil der Grünanlage am Dahlemer Weg 247 entstehen zwei Gebäuderiegel, beide mit drei Geschossen und Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen. Im Erdgeschoss ist ein Jugendclub geplant, draußen ein Spielplatz. Statt für ursprünglich 500 Flüchtlinge soll es nur noch Platz für 300 geben.

Um das Bauvorhaben durchzusetzen, wurde die öffentliche Grünanlage entwidmet und zum Bauland erklärt. An diesem Punkt setzt nicht nur die Kritik der Anwohner an, auch der BUND will die Fällung der Bäume verhindern und hat Klage erhoben. Noch ist es ein schwebendes Verfahren. Erst im Frühjahr werde das „faunistische Gutachten“, das in der Klage gefordert wird, erstellt, sagte Pohlmann. Er sei aber optimistisch, dass der Senat die Genehmigung für den Bau der Unterkunft bekommen werde. Klageverfahren und Gutachten werden sich jedoch mindestens noch bis Herbst 2020 hinziehen. Bis dahin passiert nichts auf der Grünanlage.

Unterkunft am Dahlemer Weg bis zu elf Jahre für Flüchtlinge

„Damit haben wir Zeit gewonnen“, sagt Rainer Marohl von der Bürgerinitiative „Lebenswertes Lichterfelde“, die sich für den Erhalt des Waldes einsetzt. Marohl hätte sich gewünscht, dass ein naturwissenschaftlicher Fachmann wie zum Beispiel ein Förster mit auf dem Podium vertreten gewesen wäre. Doch neben dem Abteilungsleiter Pohlmann und der Polizei saß nur noch der Staatssekretär für Integration Daniel Tietze neben der Bezirksbürgermeisterin.

Tietze referierte über die gleichmäßige Verteilung der Flüchtlinge in ganz Berlin und erklärte, dass die Unterkunft am Dahlemer Weg für fünf bis elf Jahre den Geflüchteten zur Verfügung stehen soll. Danach sei eine Nachnutzung der Wohnungen geplant. Sieben Unterkünfte für Flüchtlinge mit 2121 Plätzen gibt es derzeit in Steglitz-Zehlendorf. Damit liegt der Bezirk im guten Mittelfeld der zwölf Bezirke. Knapp 200 Plätze sind frei und könnten belegt werden.

Runder Tisch könnte alternative Standorte suchen

Warum wurde die Grünanlage am Dahlemer Weg überhaupt vorgeschlagen? Darum ging es immer wieder in der Debatte. Sie hätte dem Senat drei Ersatzstandorte benannt, die „nicht zum Tragen gekommen sind“, rechtfertigte sich Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski. Vertreter der Bürgerinitiative, in der sich 2000 Anwohner organisiert haben, schlugen vor, noch einmal gemeinsam an einem Runden Tisch mit dem Bezirk und Senat nach Alternativstandorten zu suchen. Richter-Kotowski stimmt zu. Das sei überhaupt kein Problem, sie setze sich gern mit Alternativvorschlägen auseinander.

Ein Vorschlag kam dann auch prompt aus dem Publikum. Im Gewerbegebiet an der Goerzallee seien noch Flächen frei, sagte ein Anwohner. Dort müssten wenigstens keine Bäume gefällt werden. Doch die Absage kam genauso prompt. In einem Gewerbegebiet sei dauerhaftes Wohnen nicht zulässig. „Aber in einem Wald“ – so die Reaktion aus dem Publikum.