Tourismus in Berlin

Steglitz will Touristen aus Kreuzberg anlocken

Im März startet Steglitz-Zehlendorf eine Werbekampagne auf der U3: Der Bezirk will Touristen an die Krumme Lanke locken.

Zu den Festen, wie hier zum diesjährigen Erntefest, sind immer viele Besucher auf der Domäne Dahlem.

Zu den Festen, wie hier zum diesjährigen Erntefest, sind immer viele Besucher auf der Domäne Dahlem.

Foto: Reto Klar

Berlin. Was der eine zuviel hat, hat der andere zu wenig. Während in Friedrichshain und Kreuzberg oft mehr Touristen als Anwohner auf den Straßen unterwegs sind, ist die Zahl der Gäste in Steglitz und Zehlendorf überschaubar. Dabei steht der Südwesten mit viel Grün, viel Wasser und Weltkultur-Erbestätten gar nicht so schlecht da im Vergleich zum hippen Innenstadtbezirk.

Doch Reiseführer machen oft am S-Bahnring Schluss. Deshalb wollen die beiden Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Steglitz-Zehlendorf künftig bei der Tourismuswerbung gemeinsame Sache machen. Im März startet eine Kampagne in der U-Bahnlinie 3, die die Warschauer Straße mit der Krummen Lanke verbindet. Wer einsteigt, soll am besten sitzenbleiben und erst in Dahlem Dorf, an den Seen oder an der Galerie „Haus am Waldsee“ wieder aussteigen.

Werbung wird auf andere U-Bahnen ausgeweitet

„Wir haben es nicht geschafft, Tesla nach Steglitz-Zehlendorf zu holen, dafür holen wir jetzt die Touristen zu uns“, sagt Michael Pawlik von der Wirtschaftsförderung des Bezirks. Noch sei der Slogan der Kampagne geheim, er soll eine Überraschung werden. Und – davon ist Pawlik überzeugt – die werde gelingen. Soviel könne er verraten: In der U3 wird die Kampagne starten und dann ausgeweitet auf die U-Bahnlinien 1, 2 und 4. Diese Linien habe eine Gemeinsamkeit: Sie fahren auf einem so genannten Kleinprofil und haben damit eine andere Spurenbreite als die übrigen U-Bahnen – und identische Werbeflächen.

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Mutig und kreativ sollte der Spruch sein

Den Zuschlag für die Kampagne hat die Werbeagentur Heldisch bekommen, die auch schon für Spreequell gearbeitet hat. „Es gibt mehrere Motive“, lässt sich Mitarbeiter Paul Hefner ein bisschen in die Karten gucken. Und der Spruch sei in deutscher Sprache und natürlich „super lustig und super cool“. Der Start sei bewusst zur Fahrradsaison geplant, denn es gehe darum, den Fahrradtourismus zu stärken.

Hefner selbst wohnt in Steglitz und fährt jeden Tag zur Arbeit nach Kreuzberg. „Als ich von der Ausschreibung gehört habe, hatte ich sofort eine Idee“, sagt der junge Mann. Die Wirtschaftsförderung habe etwas „Mutiges und Kreatives“ gesucht, nicht einfach nur einen Spruch: „Kommt nach Steglitz, hier gibt es tolle Radwege.“ Die Leute wüssten einfach nicht, wie vielfältig der Südwesten ist, so Hefner.

Kampagne beginnt zur Internationalen Tourismusbörse (ITB)

Zur Internationalen Tourismusbörse (ITB), die vom 4. bis 8. März 2020 auf dem Messegelände unter dem Funkturm veranstaltet wird, soll die Werbeaktion starten. Soviel wurde auf den „Wirtschaftsgesprächen Südwest“, zu denen Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) regelmäßig Unternehmer aus dem Bezirk einlädt, bekannt. „Wir wollen den Gästen sagen: Es gibt nicht nur Friedrichshain-Kreuzberg. Nehmt die U-Bahn und kommt zu uns“, sagte Richter-Kotowski. Denn der Bezirk liege nicht am Rand, sondern mittendrin in einer Region – wenn man die Umlandgemeinden einbeziehe.

Im kommenden Jahr will der Bezirk die Kooperationen mit Städten und Gemeinden in Brandenburg weiter ausbauen. Die ersten gemeinsamen Projekte gibt es schon. So war die Eröffnung der Wannsee-Babelsberg-Radroute vor einem halben Jahr allein aufgrund ihres länderüberschreitenden Charakters ein Novum. Zur Eröffnung war der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) gekommen. Drei Fahrradrouten, die touristische Ziele im Südwesten verbinden, können Berliner und Touristen mittlerweile abfahren. Weitere sollen im kommenden Jahr folgen, kündigte die Bezirksbürgermeisterin an.

Kooperationen mit dem Umland geplant

Aber auch auf wirtschaftlichem Gebiet soll es neue Kooperationen geben. Darum kümmert sich das Regionalmanagement Südwest. Es gehe vor allem um die Vernetzung der Start-up-Szene von Potsdam, Teltow und Dahlem, sagt Leiter Reinhard Baumgarten.

Während bereits mehrere junge Firmen im Gründerhaus der Freien Universität an der Altensteinstraße ihre Ideen zu Marktreife bringen, entsteht in der Nachbarschaft an der Fabeckstraße das Technologie- und Gründungszentrum FUBIC. Als wichtigstes Infrastrukturprojekt im Bezirk bezeichnet Baumgarten das neue Zentrum, das 2022 mit 80 Unternehmen und 1000 Arbeitsplätzen eröffnen soll.

Die Idee, mit einer Werbekampagne auf der U3 Touristen in den Südwesten zu holen, wird auch von der landeseigenen Organisation für Tourismus- und Kongressmarketing „visitBerlin“, begrüßt. „Es ist wichtig, kulturelle Highlights zu vernetzen“, sagt Bettina Quäschning von VisitBerlin. Vor allem für den „wiederholenden Gast“, der in Mitte schon alles gesehen habe. Mit der U3 könne er so vom Hotspot zum Kultspot fahren. Steglitz-Zehlendorf habe eine Vorbildwirkung auf andere Bezirke, wenn es darum gehe, Angebote mehr ins Schaufenster zu stellen und zu kombinieren.