Gründung

Anwohner und Händler kämpfen für den Kiez am Kranoldplatz

Mehr als 150 Menschen machen in einer Bürgerinitiative mit, die sich für den Einzelhandel und die Märkte in Lichterfelde Ost einsetzt.

Der Wochenmarkt auf dem Kranoldplatz ist sehr beliebt.

Der Wochenmarkt auf dem Kranoldplatz ist sehr beliebt.

Foto: Christian Kielmann

Es sollte nur ein Informationstreffen sein und keiner wusste so genau, ob vielleicht nur eine Handvoll Leute kommen würde. Doch schon vor Beginn der Veranstaltung im Einkaufscenter Lio am Kranoldplatz in Lichterfelde Ost waren alle Sitzplätze auf den Bänken besetzt, dahinter standen die Besucher in mehreren Reihen.

Sie alle wollten etwas tun für ihren Kiez rund um den Kranoldplatz – ihn am besten so erhalten, wie er jetzt ist. „Das Interesse hat alle Erwartungen übertroffen, nicht nur die Menge der Besucher, sondern auch die Inhalte, die besprochen wurden“, sagt Rainer Frohloff, ehemaliger Inhaber des Fotoladens am Kranoldplatz. Noch am selben Abend sei die „Bürgerinitiative Kranoldkiez“ offiziell gegründet worden.

Die meisten haben sich in Listen eingetragen

Etwa 200 Menschen waren auf der Veranstaltung, davon haben sich 150 in die Liste eingetragen, um ihr Interesse an der Bürgerinitiative zu bekunden. „45 haben sich zu einer aktiven Mitarbeit bekannt“, sagt Rainer Frohloff. Schon im Dezember werde die Bürgerinitiative ihre Arbeit aufnehmen. „Es geht um unseren Kiez, wir haben Angst, dass er seinen Charakter verlieren könnte“, so der 68-Jährige. Nach dem Bekanntwerden der Pläne von Harald Huth, der mit seiner Firma HGHI mehrere Gebäude am Kranoldplatz gekauft hat, sei es wichtig, dass es einen Mitspieler gebe. Und das solle die Bürgerinitiative sein.

Ferdinandmarkt schließt nach 100 Jahren

Vor zwei Jahren hat Harald Huth eine Ladenzeile und ein Gebäudeensemble erworben. Im September stellte er seine Pläne in einer Anwohnerversammlung öffentlich vor. Der Investor beteuerte zwar, die Lebendigkeit und Kleinteiligkeit des Ortes erhalten zu wollen.

Allerdings steht für ihn bereits fest: Der privat betriebene Ferdinandmarkt wird nach mehr als 100 Jahren schließen. Die Fläche soll überdacht werden, um Platz für Läden zu schaffen. Dafür hat er bereits eine Bauvoranfrage gestellt und einen positiven Bescheid vom Bezirksamt bekommen. Der vom Bezirk betriebene Wochenmarkt auf dem Kranoldplatz soll aber erhalten bleiben.

Vielleicht werden mehr Parkplätze gebraucht

So ist es zumindest geplant. Anwohner und Geschäftsleute sind skeptisch. Was passiert, wenn große Filialen auf die Fläche des ehemaligen Ferdinandmarktes ziehen und der Bedarf an Parkplätzen steigt? Muss dann vielleicht auch der Wochenmarkt schließen, um dauerhaft Platz für die Autos zu schaffen?

Das war nur eine Frage, die auf der Gründungsveranstaltung der Bürgerinitiative diskutiert wurde. Es ging auch um die inhabergeführten Läden, die keiner missen wollte, die Arzt- und Therapiepraxen, die zum Kiez gehörten und den Charme des Kiezes, in dem sich Kinder frei bewegen könnten, wie eine Mutter von zwei Töchtern berichtete. Die Anwohner wollen sich jetzt in Gruppen zusammenfinden, in denen sie gemeinsam verschiedene Themen aus dem Kiez diskutieren. Denn sie wollen mitreden, wenn es um ihren Kiez geht.