Ausstellung

Stacheldraht, Hass: Wie Schüler den Mauerfall sehen

300 Kinder haben Mauerstücke bemalt. Die Ausstellung ist bis 15. November im Atrium des Einkaufscenters Boulevard Berlin zu sehen.

Schüler der Klasse 6b der Bäke-Grundschule haben bei dem Kunstprojekt mitgemacht.

Schüler der Klasse 6b der Bäke-Grundschule haben bei dem Kunstprojekt mitgemacht.

Foto: Katrin Lange

Stacheldraht, zerrissene Herzen, lange Leitern, aber auch viele Friedenstauben, Regenbogen und aufsteigende Luftballons – das ist unter anderen auf den Miniatur-Mauerstücken zu sehen, die bis zum 15. November im Einkaufscenter Boulevard Berlin an der Steglitzer Schloßstraße ausgestellt sind.

Mehr als 300 Berliner Schulkinder haben sich an dem Projekt „Kunst gegen Mauern“ beteiligt, das Lukas Wirths initiiert hat. Neben den 251 Mauerstücken in zahlreichen Glasvitrinen sind auch 20 Informationsstelen zum Thema „Von der Friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ aufgebaut. Sie gehören zu einer Wanderausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer.

Visum-Antragstelle an der Schloßstraße

„Es ist beeindruckend zu sehen, wie Kinder, die die Mauer nie selbst erlebt haben, mit dem Thema umgehen“, sagt Carsten Paul, Centermanager im Boulevard Berlin. Er hat die Ausstellung an die Schloßstraße geholt, „weil sie auch ein historischer Ort ist“. Paul erinnert daran, dass nur wenige Meter von dem Einkaufscenter – im Forum Steglitz – die Visum-Antragstelle war, die jeder West-Berliner aufsuchen musste, wenn er in die DDR einreisen wollte.

Mauerstücke bemalt: Kaputte Herzen, Peace-Zeichen

Bei dem Kunstprojekt hat auch die Klasse 6b der Grundschule an der Bäke mitgemacht. Lasse hat ein geteiltes Herz gemalt „weil durch die Mauer auch Man und Frau getrennt waren“. Das Peace-Zeichen und Stacheldraht sind auf dem Mauerstück von Mika auf der einen Seite zu sehen. Auf der anderen ist es bunt, „denn die Wand durfte ja nur von der einen Seite bemalt werden.“ Und auch Aziz hat ein gebrochenes Herz gemalt, dass für die Familien stehen soll, die durch den Mauerbau kaputt gegangen sind.

Klassenlehrer Rolf Irmer hat das Projekt im Kunstunterricht angeboten – in Kooperation mit anderen Fächern wie Gesellschaftswissenschaften. „Es war ein ganz anderer Unterricht“, sagt der Lehrer. Die Kinder hätten viel Spaß gehabt und viele Fragen beim Malen gestellt. Sie konnten die kleinen Mauerstücke mit Filzstift, Buntstift oder Bleistift bemalen oder auch aus anderen Materialien etwas basteln. So ist zum Beispiel bei einem Mauerstück zu sehen, wie ein Trabant die Betonwand durchbricht.

12.000 Mauerstücke in Handarbeit gefertigt

Lukas Wirths hat das Miniatur-Mauerstück-Projekt bereits vor fünf Jahren gestartet. „Bisher habe ich rund 12.000 Mauerstücke in Handarbeit gefertigt und bemalen lassen und freue mich wie kreativ die Kinder mit ihnen umgehen“, so Wirths.

Er sei beim Mauerfall selbst sieben Jahre alt gewesen. Seit 2012 beschäftige ihn nun die „einzigartige Geschichte“. Ihm sei es wichtig, das Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.