Ankauf

Neue Sammlung historischer Pilzbücher im Botanischen Garten

Mehr als 2500 Werke über das „Fleisch des Waldes“ aus den Jahren 1822 bis 1959 sind in der Bibliothek des Gartens jetzt zugänglich.

Christian Volbracht hat einen Teil seiner historischen Pilzbuchsammlung an den Botanischen Garten verkauft.

Christian Volbracht hat einen Teil seiner historischen Pilzbuchsammlung an den Botanischen Garten verkauft.

Foto: Katrin Lange

Einige der Schätze liegen auf einem langen Tisch zur Ansicht, ausgebreitet auf einem feinen, roten Tülltuch. Bunte Kinderbücher, Nachschlagewerke, Kochbücher: Sie alle eint, dass sie sich mit Pilzen beschäftigen. Und dass sie Raritäten sind. Wer sie in die Hand nehmen und aufschlagen will, muss dafür weiße Schutzhandschuhe anziehen. Der Botanische Garten hat mehr als 2500 Pilzbücher aus der Zeit von 1822 bis 1959 aus der Privatsammlung von Christian Volbracht angekauft. Ermöglicht wurde die Anschaffung durch eine Förderung der Lotto-Stiftung und der Kulturstiftung der Länder sowie einen Eigenanteil des Botanischen Gartens im Gesamtumfang von 270.000 Euro.

„Diese bedeutende Sammlung von Pilzbüchern ist in unserer Bibliothek bestens aufgehoben und wird für die Forschung und die Öffentlichkeit zugänglich sein“, sagte Thomas Borsch, Direktor des Botanischen Gartens und Museums, bei der feierlichen Übergabe der Bücher. Als einen Glücksfall, auf einen Schlag eine solche Bibliothek zu erwerben, bezeichnete der Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, Markus Hilgert, den Erwerb des Konvoluts. Pilzkunde werde man auch in Zukunft mit großem Interesse betreiben. Die teilweise handkolorierten Tafeln in den Büchern, die jedes kleinste Detail wiedergeben, seien nicht nur überaus genau, sondern auch Kunstwerke.

Privatsammler und Antiquar Christian Volbracht war es wichtig, die seltenen Exemplare seiner Sammlung in guten Händen zu wissen. „Die Zahl der engagierten bibliophilen Sammler geht zurück“, sagte der 74-Jährige, der aus Hamburg zur Übergabe angereist war. Deshalb wollte er sich selbst um die Zukunft seiner Sammlung kümmern. Die Übernahme der Bücher durch den Botanischen Garten „ist ein schöner Lohn für ein langes Sammlerleben“. Sein erstes Pilzbuch hatte er einst im Bücherregal seines Großvaters gefunden. Damit sei er durch die Wälder von Bad Harzburg gestreift, auf der Suche nach Maronen und Kahlen Kremplingen. „Dass Pilze zugleich Genuss und Gift sind – das hat mich fasziniert“, sagte der Hamburger.

500 seltene Schriften sind noch in seinem Besitz

Er begann, überall, wo er war, alte Pilzbücher in Antiquariaten zu suchen und zu sammeln. Als er einige Exemplare doppelt hatte, begann er, mit den Duplikaten zu handeln. Seit 1996 betreibt Volbracht das Online-Antiquariat „MykoLibri“. Das wird er auch weiterhin tun. Denn Furcht, jetzt vor völlig leeren Regalen dazustehen, hat der Sammler, der jahrelang als Journalist arbeitete, nicht. 500 seltene Bücher und Schriften vom 17. bis zum 19. Jahrhundert hat er noch in seinem Besitz. Der große Pilzesser ist Christian Volbracht nicht. Wenn überhaupt, sollten es nicht nur Steinpilze sein, sondern auch eine Krause Glucke oder Trüffel, erzählte er.

Während der Übergabe der Pilzbuchsammlung im Foyer des Botanischen Museums beschäftigte sich Hansjörg Beyer mit echten Exemplaren, die einige Sammler aus ihren Körben ausgepackt und vorgelegt hatten. Seit 120 Jahren bietet der Botanische Garten eine kostenlose Pilzberatung an. Wer unsicher ist, kann sich hier vom Experten das Urteil abholen: giftig oder nicht giftig? Vor Pilzberater Beyer lagen zwei große Grüne Knollenblätterpilze. „Tödlich giftig“, konnte er da nur sagen. Zwei reichen. Die Sammlerin rührte sie nicht mehr an, während sie die essbaren Pilze ins Körbchen zurücklegte. Künftig kann sie sich selbst in den neu erworbenen Pilzbüchern der Bibliothek schlaumachen.