Wettkampf

Mit 76 Jahren: So erlebte Siegfried Schmidt den Ironman

Siegfried Schmidt ist zum fünften Mal auf Hawaii gestartet. Er wollte unter die ersten fünf Triathleten – und wurde Vierter.

Mit 76 Jahren ist Siegfried Schmidt aus Lichterfelde zum fünften Mal beim Ironman Hawaii gestartet und hat es auf den vierten Platz geschafft.

Mit 76 Jahren ist Siegfried Schmidt aus Lichterfelde zum fünften Mal beim Ironman Hawaii gestartet und hat es auf den vierten Platz geschafft.

Foto: Privat

Es war der Wettkampf seines Lebens. Unter erschwerten Bedingungen. Mit Wind hatte Siegfried Schmidt gerechnet, aber nicht mit diesen Böen von der Seite, die beängstigend am Rad rüttelten. Doch der 76-Jährige war in bester Form, nichts konnte ihn aufhalten.

Sein Ziel hat er erreicht: Beim Ironman-Triathlon auf Hawaii wollte er unter die ersten fünf kommen – denn die ersten fünf stehen auf dem Podest (wir berichteten vorab). Der Lichterfelder wurde sogar vierter in seiner Altersklasse. Bis zur letzten Minute hat er gekämpft, um noch den Vorläufer zu überholen, aber auch um nicht selbst noch überholt zu werden.

Siegfried Schmidt ist seit Kurzem in Berlin wieder zurück. Am 12. Oktober war der Wettkampf auf Hawaii, die Siegerehrung einen Tag später. Dann nutzte er noch ein paar Tage, um sich einige Orte auf den Inseln anzusehen und seinen Erfolg zu genießen. Zum fünften Mal hatte sich der pensionierte Lehrer für den berühmten Triathlon auf Hawaii qualifiziert. Das hieß für ihn wieder, fit zu seine für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Er war fit, das merkte er schon kurz nach der Ankunft.

Nur zwei Sportler kamen aus Berlin

Mehr als 2200 Teilnehmer starteten in diesem Jahr beim Ironman, darunter etwa 100 Profis, der Rest Amateure wie Siegfried Schmidt. Außer ihm gab es nur noch einen zweiten Sportler aus Berlin. In der Altersklasse 75 bis 79 gingen 15 Männer an den Start, sieben von ihnen schafften es durch das Ziel. Die Amateure müssen sich vorab in Triathlon-Wettkämpfen qualifizieren und Sieger in ihrer Altersklasse werden, um ein Ticket für Hawaii zu bekommen. Wer auf der Insel im Pazifik beim Ironman antreten darf, gehört zu den besten Triathleten der Welt.

Nach 28 Stunden landete Siegfried Schmidt auf Hawaii, sein Flug ging über Frankfurt und San Francisco. Zur Begrüßung bekam er auf dem Flughafen den typischen Blumenkranz umgehängt. Noch lagen zehn Tage vor ihm, um sich zu akklimatisieren. Der leidenschaftliche Hobby-Sportler nutzte die Zeit, um jeden Morgen schwimmen zu gehen, genau dort, wo dann auch der Triathlon starten sollte.

„An den ersten Tagen waren wir zwischen 30 und 50 Sportler am morgen“, erzählt er. Mit jeden Tag seien es mehr geworden, bis am letzten Tag vor dem Wettkampf Hunderte am Morgen ins Meer sprangen.

Eine Woche vor dem Ironman wurde bereits ein Lauf über fünf und zehn Kilometer ausgetragen. Schmidt gewann den Lauf über zehn Kilometer in seiner Altersklasse. Das war schon einmal ein gutes Zeichen. „Ich war relativ schnell und zufrieden mit dem Lauf“, sagt der Lichterfelder. Jeden Tag schwimmen, zweimal laufen, einmal die halbe Fahrradstrecke von 90 Kilometer abfahren und dazu jeden Tag viel Obst essen – so vergingen die Tage bis zum Wettkampf. Am Vorabend gab es noch einmal eine ordentliche Portion Spaghetti Bolognese.

Tee, Banane und Apfel vor dem Start

Nach fünf Stunden Schlaf wachte Siegfried Schmidt am Wettkampftag eine Stunde vor dem Weckerklingeln auf. 3.30 Uhr musste er aufstehen. Statt Kaffee trank er zwei Tassen starken schwarzen Tee, und auf dem Weg zum Start gab es noch Banane und Apfel. Dann ging alles ganz schnell. Startnummer in Empfang nehmen, wiegen, Verpflegung – vor allem Energieriegel – verstauen.

7.10 Uhr war der Gruppenstart der Männer ab 50 Jahre und älter. Mit 3,8 Kilometer Schwimmen ging es los. Der erste Gedanke von Schmidt, nachdem er im Wasser war: „Wie soll ich das heute schaffen?“ Doch dann fand er seinen Rhythmus und suchte sich immer einen Vorschwimmer, um sich dranzuhängen. „Beim Radfahren ist es verboten, im Windschatten zu fahren, aber beim Schwimmen geht das“, sagt Schmidt. Er finde es gut, wenn jemand das Tempo vorgibt, das ziehe ihn mit, und er fühle sich dann auch nicht so einsam.

Starker Seitenwind zwischen Kilometer 75 und 95

Vor dem Wechsel auf das Rennrad, wurde er dick mit Sonnencreme eingeschmiert, während er sich eilig umzog. „Es lief zuerst gut“, erzählt er. Die Sonne trocknete seine Haut, er konnte etwas trinken und für Kaloriennachschub sorgen. Doch dann kam der Sturm. Zuerst ein Gegenwind zwischen Kilometer 50 und 60 und dann ein starker Seitenwind zwischen Kilometer 75 bis 95.

So etwas habe er noch nie erlebt, sagt der Triathlet. Er hätte den Lenker krampfhaft festhalten müssen. Doch nach dem Wendepunkt wurde es besser. Es ging bergab, mit Wind von hinten. „Da konnte ich immer zwischen 45 und 60 Kilometer pro Stunde fahren“, sagt Schmidt.

Nach anderthalb Stunden Schwimmen, knapp sieben Stunden auf dem Rennrad, stand als letzte Disziplin noch der Marathon über 42 Kilometer an. „Da kam ich zunächst langsam rein“, erinnert sich Schmidt. Die Muskulatur habe sich erst umstellen müssen. Doch dann gab es mehrere Dinge, die ihn beflügelten.

Er hatte bereits erfahren, dass er auf dem vierten Platz ist, wenn er seine Position hält und sich nicht überholen lässt. Dazu wurde es kälter, die Sonne war untergegangen. Und an den Versorgungsstationen gab es Hühnersuppe, die ihn wieder aufbaute. Schmidt rannte immer schneller. Seinen Vordermann konnte er nicht mehr einholen, um auf den dritten Platz zu kommen. Aber er behielt seine Position, obwohl ihn die nächsten knapp auf den Fersen waren.

Nach dem Wettkampf mit dem Rennrad ins Hotel

Im Ziel, nach insgesamt 14 Stunden und 46 Minuten, schallte es ihm auf Englisch entgegen: „Du bist ein Ironman.“ Zwei Helfer eilten zu ihm, aber ihm ging es gut. Kein Schwindel, nichts. „Ich habe wohl richtig gut trainiert“, sagt Schmidt im Nachhinein. Er konnte sogar noch mit dem Rennrad ins Hotel fahren. Zur Siegerehrung am nächsten Tag stand er auf dem Podest – glücklich, stolz.

Nach dem Ironman ist vor dem Ironman. Siegfried Schmidt wird nun wieder durch Berlin laufen und radeln, jede Woche zwischen 14 und 17 Stunden. Bis zur nächsten Qualifikationsrunde.