Imkertag

Wie Kindern die Angst vor Bienen genommen werden soll

In der Domäne Dahlem erklären Imker Besuchern viel über Bienen und deren Haltung. Imkern ist in Berlin zusehends beliebt.

In der Domäne Dahlem finden der Imkertag und das Erntefest statt.

In der Domäne Dahlem finden der Imkertag und das Erntefest statt.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Das ist keine Wespe, das ist eine Biene“, erklärt Horst Prentzel (77) den erstaunten Kindern, die das summende Insekt gerade über den Finger des Imkers krabbeln sehen. Über 40 Jahre Berufserfahrung hat der vorzuweisen. An diesem Sonntag, dem 9. Imkertag, möchte er in der Domäne Dahlem versuchen, den Kindern die Angst vor diesen Insekten zu nehmen. Geladen zum Event hat die Initiative „Berlin summt!“ von der Stiftung für Mensch und Umwelt und der Berliner Imkerverband.

Die Veranstaltung findet parallel mit dem jährlichen Erntefest der Domäne Dahlem statt. Wo auf der einen Seite Palmenkohl, Kürbis oder Walnüsse im Fokus stehen, liefern auf der anderen Seite Imker mit vielen

Bienen Informationen, vor allem mit Blick auf die Herausforderungen des Klimawandels.

Im Imkerverband Berlin sind 16 Imkervereine organisiert. Mehr als 1.300 Mitglieder betreuen über 7000 Bienenvölker. 25 Bienenvölker davon besitzt Horst Prentzel, und er ist stolz: Auch in diesem Jahr sind alle gesund. Das ist nicht selbstverständlich, denn Bienensterben und Bienenkrankheiten nehmen zu. Vor allem Infektionen, wie die bösartige Faulbrut, sind aufgrund der Dichte in der Stadt häufig.

Auch die Varroamilbe kann zum Sterben ganzer Bienenvölker führen – sie kann aber mittlerweile mit biologischen Mitteln bekämpft werden. Prentzel findet es wichtig, dass über das Bienensterben gesprochen wird. Er weist aber darauf hin, dass die Ursache oft auch in der falsche Haltung von Bienen liegen kann.

Imker begrüßt Berliner Trend von der Bienenhaltung auf dem Balkon

Bienenhaltung und Imkerei sind in Deutschland anzeigepflichtig. Doch das reicht nicht, meint Prentzel. „Ich bin der Meinung, dass es neben der Anmeldung auch eines Imkerscheins bedarf, wo jeder vorab sein Wissen unter Beweis stellen muss.“ Den Trend zum Imkern auf dem Dach oder dem heimischen Balkon begrüßt er dennoch.

Aber es könne noch noch mehr für die Bienen in der Stadt getan werden, sagt Prentzel. Er selbst habe die Bezirke oft angehalten, Grünstreifen zwischen Fahrbahnen nicht zu mähen, um eine Blütenvielfalt zu gewährleisten. „Wir brauchen diese Vielfalt. Sogar Brachen kann man mit insektenfreundlichen Pflanzen versehen.“ Fortschritte machen aber viele Bezirke, die in immer mehr Parks Freiflächen mit Naturwiesen für Insekten versehen.

Trotz ihrer Größe hat die Biene auch auf die Landwirtschaft enorme Auswirkungen. In Deutschland gilt das

kleine Insekt als das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier nach Schweinen und Rindern. Vor allem ihre Bestäubungsleistung ist von großem wirtschaftlichen Wert. Und es ist nicht nur der Honig, der einen Ertrag bringt. Das Wachs, welches aus alten Waben geschmolzen wird, dient der Kerzenproduktion und außerdem auch immer mehr der Schönheits- und Kosmetikindustrie.

Imker zeigen, wie der Honig von der Wabe ins Glas kommt

Nur wenige Meter hinter Horst Prentzel, im sogenannten Honighäuschen, steht dessen Frau Dagmar und zeigt Kindern, wie man den Honig von der Wabe ins Gläschen bekommt. Dafür seien im Frühjahr extra Waben aus dem Bienenstock entnommen und bei 5 Grad Celsius kühl gelagert worden, sagt sie.

Dann nimmt sie die volle Wabe und entfernt mit einer feinen Gabel die Wachsschicht, unter der sich die Honigkammern befinden. „Entdeckeln“, nennt sie diesen Schritt. Das Highlight aber dürfen die Kinder selbst durchführen. Die geöffnete Wabe wird anschließend in eine Zentrifuge eingesetzt und fleißige Kinderhände „schleudern“ den Honig per Drehbewegung langsam heraus. Das gesammelte Ergebnis fließt dann, goldgelb und dickflüssig, über ein Ventil in einen Eimer und verbreitet sein blumig-süßes Aroma im gesamten Raum.

Bienenhaltung ist für den heimischen Balkon eine Option

„In der Regel sieht man diese Arbeitsschritte so vom Nahen recht selten“, sagt Dagmar Prentzel. Da es sich auch hier um Lebensmittel handele, werde bei Imkern Hygiene groß geschrieben. Noch total erstaunt kommt die Berlinerin Nora (38) mit ihrem Sohn Philipp (10) aus dem Honighäuschen. „Ich dachte früher immer, der Imker nimmt die Waben einfach raus und dann läuft der Honig ab“, sagt Philipp.

Für Mutter Nora war es deshalb wichtig, dass sie sieht, woher das Erzeugnis kommt, welches sonst täglich auf dem Frühstückstisch steht. Sie selbst würde sich das Imkern auf ihren heimischen Balkon in Tempelhof auch zutrauen. Aber als dann der süße Honig aus der Zentrifuge lief, hätte Philipp „ihm am liebsten gleich auf sein Brötchen laufen lassen...“