„Kunst.Raum.Steglitz“

Künstler feiern Jubiläum: Das waren die schönsten Aktionen

Vor fünf Jahren wurde der Verein „Kunst.Raum.Steglitz“ gegründet. Zum Jubiläum ist eine große Gemeinschaftsausstellung zu sehen.

Bernhard Marcuse, Vereins-Vorstand Kunst.Raum.Steglitz, in der Galerie von Primobuch in Steglitz mit dem Buch, das zum Jubiläum erschienen ist.

Bernhard Marcuse, Vereins-Vorstand Kunst.Raum.Steglitz, in der Galerie von Primobuch in Steglitz mit dem Buch, das zum Jubiläum erschienen ist.

Foto: Katrin Lange

Kunst passiert zuallererst in Mitte und falls überhaupt im Südwesten, dann im Haus am Waldsee, im Brücke-Museum oder im Kunsthaus Dahlem. Genau diese Wahrnehmung wollte ein Dutzend Künstler aus Steglitz-Zehlendorf – Maler, Bildhauer, Fotografen, Musiker, Schauspieler – vor fünf Jahren ändern.

Sie waren dem Aufruf der Aktionskünstlerin Stephanie Bahlecke gefolgt und hatten sich am 14. Oktober 2014 im Café GM 26 in der Gutsmuthsstraße zusammengefunden, um den Verein „Kunst.Raum.Steglitz“ zu gründen. „Sie wollten sich vernetzen, in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, sagt der heutige Vorstand Bernhard Marcuse.

Zum fünfjährigen Jubiläum, das am 18. Oktober mit einer großen Mitgliederausstellung in der Galerie in der Herderstraße 24 gefeiert wird, erscheint auch ein Buch mit mehr als 100 Seiten. Es ist nicht nur eine Bilanz sondern auch ein Beweis: Die Künstler sind da, sie sind sichtbar. Und nicht nur in Steglitz.

Mit Tannen den Franz-Amrehn-Platz begrünt

Mittlerweile sind etwa 60 Mitglieder in dem Verein, die so gut im Bezirk vernetzt sind, dass sie gemeinsam oder in kleinen Gruppen ausstellen oder bei Events auftreten. So gibt es Kooperationen mit der Achim-Freyer-Galerie im Kadettenweg und dem ehemaligen Frauengefängnis an der Söth­straße in Lichterfelde, das unter dem Namen „Soeth7“ ein Ort für Kunst, Kultur und Veranstaltungen ist.

Wenn Bernhard Marcuse, der selbst kein Künstler sondern Kunstliebhaber ist, die wichtigsten Ereignisse seit 2014 aufzählen soll, weiß er nicht, wo er anfangen soll. Da gab es die Aktion, als der Platz an der Schloßstraße, Ecke Schildhornstraße symbolisch begrünt werden sollte. Unter dem Motto „Ä Tännchen please“ brachten fast 50 Bewohner ihre ausrangierten Weihnachtsbäume auf den Franz-Amrehn-Platz.

Oder das Event „Kunst an die Luft“, bei dem die Künstler mit Collagen, Fotos, Installationen, Skulpturen über die Schloßstraße gelaufen sind, um ihre Werke aus den privaten Räumen an die Öffentlichkeit zu bringen. Es gab den Steglitz Slam, Lesungen, Musikperformances und die regelmäßigen Jahresausstellung.

Auktion der Kunstwundertüten

Besonders in Erinnerung ist Bernhard Marcuse die Kunstwundertüten-Aktion geblieben. Die Künstler waren aufgerufen, in einem verschlossenen Umschlag ein kleines Kunstwerk zu spenden, das dann für fünf Euro verkauft werden sollte. Marcuse hatte aber einige kleine Werke vorher gesehen und fand sie so schön, dass er beschloss, sie zu versteigern.

Der Startpreis der geschlossenen Umschläge lag bei fünf Euro. Schließlich wurden pro Umschlag Preise bis zu 30 Euro erzielt. Es sei spannend und keiner unzufrieden gewesen, so der Vereins-Vorstand. Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen.

In diesem Jahr veranstaltet der Verein eine andere Auktion. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls haben die Künstler insgesamt 30 in Handarbeit gefertigte, maßstabgetreue Miniaturen von Segmenten der Berliner Mauer ohne Honorar kreativ gestaltet.

Die Veranstaltung ist am 9. November im Kunstraum des modernen Antiquariats Primobuch, Herderstraße 24, wo der Verein neue Galerieräume gefunden hat, nachdem die alten an der Markelstraße aufgegeben werden mussten. Die Gäste der Auktion werden um 17 Uhr von Stephanie Bahlecke begrüßt, um 19 Uhr beginnt die Auktion.

Künstler besuchen sich in ihren Ateliers

In den nächsten Tagen wird die große Mitgliederausstellung aufgebaut. Fast 30 Künstler zeigen ihre Werke. Es sind alle dabei: Bildhauer, Maler, Fotografen, Literaten. Die Vernissage mit Livemusik und Lesung ist am Freitag, 18. Oktober, 19 Uhr. Die Arbeiten sind bis zum 16. November, montags bis sonnabends von 11 bis 18 Uhr zu sehen.

Am Ende fällt Bernhard Marcuse noch etwas ein, was den Zusammenhalt der Gruppe stärkt. Der 68-Jährige erzählt von den gegenseitigen Atelierbesuchen. Einmal im Monat treffen sich die Künstler bei einem Mitglied, das die anderen zu sich einlädt. „Das sind immer besondere Momente“, sagt der Architekt im Ruhestand.

Die Künstler könnten sich gegenseitig stärken, über ihre Angst vor der weißen Leinwand sprechen, über die Preisfindung für ihre Werke und auch darüber, wie sie sich besser vermarkten. Man helfe sich untereinander, gebe sich Tipps und Hinweise. Und schließe Freundschaften.

Wer neugierig geworden ist, kann zum Stammtisch kommen, der jeden dritten Donnerstag im Monat im Café Nepomuk an der Grunewaldstraße 6 zusammen kommt.