Leerstand

Gehweg vor Geisterhaus musste komplett gesperrt werden

Fast 20 Jahre steht das ehemalige Wohnhaus am Hindenburgdamm leer. Nun drohen Dachziegel und Steine herunterzufallen.

Fußgänger und Radfahrer müssen vor dem Haus am Hindenburgdamm Ecke Gardeschützenweg die Fahrbahn nutzen

Fußgänger und Radfahrer müssen vor dem Haus am Hindenburgdamm Ecke Gardeschützenweg die Fahrbahn nutzen

Foto: Katrin Lange

Die Situation rund um das seit 20 Jahren leer stehende Haus am Hindenburgdamm Ecke Gardeschützenweg in Lichterfelde hat sich weiter verschlechtert: Der Verfall ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass nun auch der Straßenverkehr davon beeinflusst ist.

Der Gehweg vor dem Haus musste zum Schutz vor herabfallenden Teilen wie Dachziegeln und Steinen komplett gesperrt werden. Radfahrer und Fußgänger müssen auf die Fahrbahn wechseln, die an dieser Stelle nun um eine Spur reduziert wurde. Ein Parkverbotsschild weist darauf hin, dass die Sperrung bis Juli 2020 gilt. Bislang konnte der Fußweg noch durch einen überdachten Gang genutzt werden.

Zur Abwehr von Gefahren veranlasst

„Die Absperrungen wurden durch die Bau- und Wohnungsaufsicht zur Gefahrenabwehr veranlasst“, sagt Michael Karnetzki (SPD), Immobilienstadtrat in Steglitz-Zehlendorf. Vorausgegangen war ein Antrag der von der Bauaufsicht beauftragten Firma, die aus Sicherheitsgründen einen Fußgängernotweg forderte. Die verkehrlichen Anordnungen hat dann die bezirkliche Straßenverkehrsbehörde getroffen. Karnetzki vermutet, dass die Befristung bis 2020 erfolgt sei, um nach Fristablauf die Notwendigkeit der Absperrungen zu überprüfen und diese gegebenenfalls anzupassen.

Eigentümer kündigt immer wieder Arbeiten an

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf plant, den Eigentümer vorübergehen zu enteignen und das Haus auf seine Kosten über ein Treuhändermodell sanieren zu lassen. Noch würden die Abstimmungen zwischen Wohnungsamt, Rechtsamt und Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen laufen, so Michael Karnetzki. Er warte auf ein Rundschreiben der Senatsverwaltung zum Komplex „Problemimmobilien“, das nach seinen Informationen noch in der Schlusszeichnung beim Staatssekretär liegt. „Davon versprechen wir uns Hilfe bei der Klärung der noch offenen rechtlichen Fragen bezüglich des Verfahrens“, sagt der Stadtrat. Der Eigentümer habe aber der Bauaufsicht wieder einmal bevorstehende Arbeiten angekündigt. Wie in den vergangenen Jahren immer wieder, sei es aber bislang erneut nur bei Ankündigungen ohne Folgen geblieben.

Etwa 100 leere Wohngebäude in Berlin

Es könnte ein Präzedenzfall werden, denn in Berlin sind mehrere Verfahren wegen sogenannter Geisterhäuser anhängig. In all diesen Fällen lassen die Besitzer die Immobilien leer stehen und verfallen. Der Mieterverein schätzt, dass es berlinweit etwa 100 Wohngebäude gibt, die ein Fall für den Einsatz eines Treuhänders wären. Der Senat müsste daher nach Ansicht der Mietervereins gegenüber den Bezirken klarstellen, dass er für die erforderlichen Baumaßnahmen des Treuhänders in Vorleistung geht.

Regelmäßige Sicherheitskontrollen

Am Hindenburgdamm hatte der Bezirk schon vor einiger Zeit einen Bauzaun und einen überdachten Gang für Fußgänger errichtet, nachdem an dem Haus erste Fassadenteile abgefallen waren. Regelmäßig müssen Sicherheitskontrollen durchgeführt werden. Aber auch die Androhung eines Zwangsgeldes konnten den Eigentümer nicht dazu bewegen, die Wohnungen wieder herzustellen. Deshalb will der Bezirk jetzt einen Treuhänder beauftragen, das leer stehende Haus in Besitz zu nehmen und die notwendigen Instandsetzungsarbeiten durchzuführen. Grundlage dafür ist das Zweckentfremdungsverbot. Es sieht vor, dass Eigentümer, die ihre Häuser verfallen lassen, zwangsenteignet werden können.

Erster Einsatz eines Treuhänders in Berlin

Der Berliner Mieterverein begrüßt, dass das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf das Haus wieder der Wohnnutzung zuführen will. Es ist der erstmalige Einsatz eines Treuhänders gegen Leerstand und Verwahrlosung in Berlin.