Natur

Staudenmarkt im Botanischen Garten: Treffen der Spezialisten

Seit 20 Jahren wird der Staudenmarkt im Botanischen Garten in Dahlem veranstaltet. Aussteller und Gärtner erzählen, wie es begann.

Uwe Peglow ist Mitbegründer des Staudenmarktes. In Hohen Neuendorf (Oberhavel) hat er an der Berliner Straße 58 sein Geschäft „Blütenstauden und Gartenantiquitäten“.

Uwe Peglow ist Mitbegründer des Staudenmarktes. In Hohen Neuendorf (Oberhavel) hat er an der Berliner Straße 58 sein Geschäft „Blütenstauden und Gartenantiquitäten“.

Foto: Katrin Lange

Steglitz-Zehlendorf.  Eigentlich kamen die Nachbarn nur noch zum Kuchen holen. Todlangweilig sei das Frühlingsfest vom Gärtnerhof in Reinickendorf vor mehr als 30 Jahren gewesen, „kurz vor dem Einschlafen“, sagt Uwe Peglow, Staudenmeister aus Hohen Neuendorf (Oberhavel). Und doch ist genau dieses Frühlingsfest das Saatkorn – um es in die Sprache der Botanik zu sagen – für eine Veranstaltung, die immer größer und erfolgreicher wurde.

Der Staudenmarkt im Botanischen Garten feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Auf dem Herbstmarkt im Jubiläumsjahr stehen die „Edlen Disteln“ im Mittelpunkt – die wehrhaften Schönen in Zeiten des Klimawandels.

Staudenmarkt im Botanischen Garten mit 140 Ausstellern

Etwa 140 Aussteller aus ganz Europa sind an diesem Wochenende im Botanischen Garten dabei. Sie verteilen sich an einer 1000 Meter langen Marktstrecke und präsentieren – ganz im Geist des Staudenzüchters Karl Foerster (1874 bis 1970) – eine einzigartige Auswahl an Pflanzensorten und Pflanzenarten. Es gibt Stauden, Sukkulenten, Blumenzwieblen, Knollen und Saatgut, Zier- und Obstgehölze, aber auch Werkzeuge für den Garten und Möbel für Balkone und Terrassen. Veranstalter ist immer noch die Gärtnerhof GmbH.

Uwe Peglow ist ein Mann der ersten Stunde. Der gelernte Staudengärtner hatte nach mehreren Stationen eine ­Stelle auf dem Gärtnerhof bekommen – und hatte es satt, Kaffee und Kuchen auf dem Frühlingsfest in Hermsdorf zu verteilen. Er sprach befreundete Gärtner und Baumschulen an und lud sie zu einem Markt ein. „Ich musste sie überreden“, erzählt der Falkenseer. Viele seien unsicher gewesen, ob sich das lohne.

Erster Staudenmarkt fand in Hermsdorf statt

Mit knapp zehn Ständen fand in Hermsdorf der erste Staudenmarkt statt – „und es war von Anfang an ein Erfolg“, erzählt Peglow. Experten fachsimpeln mit Hobbygärtnern über Gräser, Gärten und Blumenzwiebeln – das hätte viele interessiert. Nach einigen Jahren war der Markt so groß geworden, dass der Krankenwagen am Veranstaltungstag nicht mehr die Notaufnahme der benachbarten Klinik anfahren konnte, weil die Straßen von den Besuchern zugeparkt waren.

Das war der Zeitpunkt für ein neues Konzept. Uwe Peglow traf zufällig einen Bekannten, der Gärtnermeister im Botanischen Garten war. Das brachte ihn auf die Idee – Pflanzen ausstellen und verkaufen in einem Pflanzenreich. „Es war die goldrichtige Entscheidung“, sagt Peglow.

Mit 29 Händlern und einem halben Markttag fing es an

Im Herbst 1999 wurde der erste Staudenmarkt im Botanischen Garten veranstaltet, einen halben Tag lang, mit 29 Ausstellern. Heute sind es mehr als 100 Stände an zwei Tagen. Seit 2004 findet der Staudenmarkt zweimal im Jahr statt: am ersten Aprilwochenende und am ersten Septemberwochenende. Mehr als 30.000 Besucher kommen jährlich zu den Märkten, die einen besonderen Anspruch haben.

„Wir wollen mit der Natur leben und die Vielfalt der Arten und Sorten aufzeigen – und diese in ihrem Bestand schützen“, sagt Manfred Schmidt, Geschäftsführer der Gärtnerhof GmbH. Deshalb sei der Markt in dem einzigar­tigen Botanischen Garten genau richtig.

Das sieht Thomas Borsch ebenso. „Der Staudenmarkt hat bereits Kultstatus in der Gartenszene“, sagt der Direktor des Botanischen Gartens. Er sei ein großartiger Treffpunkt, um Menschen für Pflanzen und naturnahes Gärtnern zu begeistern. Vor allem sei der Markt eine Ergänzung zum Garten, in dem Pflanzen ausschließlich für die Wissenschaft und Forschung sowie Bildung und Artenschutzprojekte kultiviert würden. Aus den Sammlungen dürften keine Pflanzen verkauft werden. Der „Hunger nach besonderen Pflanzen“ für den eigenen Garten könne auf dem Staudenmarkt gestillt werden.

Stände inspirieren die Besucher

Von Anfang an ist Jörg Schneider dabei. Mit zwei Mitarbeitern und einem Umsatz von 100 Mark habe er auf dem Markt angefangen, sagt der Geschäftsführer der Gartenbaumschule Schneider in Kladow. Heute stehen vier Leute an seinem 40 Quadratmeter großen Stand – an dem er die Besucher zum Lustwandeln und zur Inspiration einlädt – und nach zwei Tagen gehe er mit einem gut vierstelligen Betrag nach Hause. Schneider schwärmt von der schönen Stimmung und den netten Kunden.

Genau das ist auch der Grund, warum Anke Mähler mit ihrem „Tante Emma-Laden für den Gartenbedarf“ seit 13 Jahren dabei ist. Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann die Treppens & Co Samen GmbH. Das Geschäft, gegründet 1892, befindet sich an der Berliner Straße 84 in Zehlendorf.

„Es ist ein Vergnügen, auf dem Staudenmarkt mit den Leuten zu sprechen“, sagt die gelernte Pharmazeutin. An ihrem neun Meter langen Stand hat sie Blumenzwiebeln, zum Beispiel vom Safrankrokus und Herbstzeitlosen – also auch von Pflanzen, die jetzt noch blühen.

Dazu sucht sie aus ihrem Sortiment „etwas Schickes“ für den Markt heraus, etwa besondere Gießkannen oder verschnörkelte Schlauchführungen aus Gusseisen. „Fröhlich, freundlich, entspannt“ – so beschreibt sie die Atmosphäre – und das alles in einer schönen Umgebung, nur zwei Kilometer entfernt vom Geschäft.

Staudenmarkt ist ein Treffen der Spezialisten geworden

Der Staudenmarkt hat sich zu einem Treffen der Spezialisten entwickelt. „Dort geht es um mehr als nur bunte Blumen“, sagt Mitbegründer Uwe Peglow, der sich mit dem Laden „Blütenstauden und Gartenantiquitäten“ in Hohen Neundorf mittlerweile selbstständig gemacht hat. Die Händler träfen auf fachkundiges Publikum, was es für beide Seiten spannend mache. „Wir sind sehr nah an den Pflanzen dran“, so Peglow.