Ausflugsziel

Diese Menschen halten die Pfaueninsel lebendig

Die Pfaueninsel ist ein beliebtes Ziel für einen Tagesausflug. Wir stellen die Menschen vor, die dort arbeiten.

Feuchte Nebel liegen über der Havel. Die 67 Hektar große Pfaueninsel, seit 1990 Weltkulturerbe, erreicht man nur mit der Fähre vom Nikolskoer Weg in Wannsee aus. Bis zu 150 Personen haben auf dem Schiff Platz. Bevor der Besucherverkehr um 9 Uhr beginnt, befördert Fährmann Jörg Wolter die Mitarbeiter der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“ und von Baufirmen zu ihren Arbeitsplätzen. Zwei Dieselmotoren sorgen für den Antrieb während der etwa dreihundert Meter langen Fahrt. Bis 14 Uhr geht die Schicht des gelernten Binnenschiffers, dann übernimmt sein Kollege, der bis 20 Uhr die Besucher zwischen Insel und Festland hin und her fährt.

Tiere haben auf der Pfaueninsel schon früher eine wichtige Rolle gespielt. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm begann Ende des 17. Jahrhunderts eine ausgedehnte Kaninchenzucht. „Deshalb hieß die Insel auch lange Zeit ‚Caninchen-Werder‘“, berichtet Mirco Wunderlich. Der gelernte Meister der Landwirtschaft kümmert sich mit zwei Kollegen 365 Tage im Jahr um die Tiere der Insel. Dazu gehören auch die Blauen Pfaue, deren Ansiedlung der Insel ihren Namen gab. Neu sind die Wasserbüffel, die das Schilf im Graben kurz halten.

Parfümierte Kühe für den König

Nach heftigen Regenfällen in der Nacht besichtigt Schlossbereichsleiterin Anke Berkhoff eventuelle Schäden im Saal der Meierei. Dieses unter Friedrich Wilhelm II. Ende des 18. Jahrhunderts im Stile einer gotischen Klosterruine errichtete Gebäude wurde für die Herstellung von Milchprodukten genutzt. „Wenn der König und seine Kinder zum Melken und Buttern kamen, wurden die Kühe angeblich gewaschen und parfümiert“, berichtet die 52-Jährige, die auch das nahe gelegene Schloss Glienicke leitet. Zum Glück hat der Saal mit Stuck und Malereien im gotischen Stil keinen Schaden genommen.

„Dieser Arbeitsplatz ist wunderbar“, schwärmt Gastronom Guido Baron. Er betreibt den Kaffeegarten auf einer Lichtung der Insel. Täglich von 11 bis 19 Uhr sind hausgebackene Kuchen im Angebot und herzhafte Snacks wie auf offenem Buchenholzfeuer gegrillte Wildbratwurst. Ausgezeichnet ist der Kaffee aus einer italienischen Espressomaschine.

Mit Sanierungsarbeiten anderer Art hat das Team um Parkleiter Jan Uhlig zu tun. Uhlig ist für das Grün in dem von 1821 bis 1834 nach Plänen von Peter Joseph Lenné angelegten Park zuständig. „Der trockene Sommer des vergangenen Jahres hat dem Baumbestand der Insel stark zugesetzt“, resümiert der studierte Landschaftsarchitekt. Besonders Buchen und Eichen haben gelitten. Deshalb sind die etwa 15 Parkgärtner damit beschäftigt, Totholz zu entfernen. „Bei den alten Eichen führen wir teilweise Kronenregenerationsschnitte durch und hoffen, dass es bald mehr regnet“, sagt Uhlig.

Geheimnisvolle Elixiere

Architekt Max Daiber arbeitet seit 2008 für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die für den Erhalt der wichtigsten Schlösser in Berlin und Potsdam Sorge trägt. Seit einiger Zeit laufen am weithin weiß leuchtenden Schloss auf der Pfaueninsel die Arbeiten auf einer Untersuchungsbaustelle. Fachfirmen prüfen Schäden an Konstruktion und Holzverschalung des 1794/95 fast gänzlich aus Holz für König Friedrich Wilhelm II. errichteten Gebäudes. Daiber plant die Sanierung, die „2021 beginnen soll“.

Zu den markantesten Personen der Pfaueninsel zählt der Alchemist und Glasmacher Johann Kunckel. Unter dem Schutz des Großen Kurfürsten experimentierte Kunckel mit geheimnisvollen Elixieren und Materialien. Zu seinen Erfindungen gehört ein mystisch schimmerndes rotes Glas. Hausmeister Thomas Paschke bringt an einer Informationstafel eine Telefonnumer an, unter der Gäste einen Podcast zur Geschichte von Johann Kunckel hören können.

So kommen Sie zur Pfaueninsel

Etwa 130.000 Besucher nutzen jährlich die Gelegenheit, mit der Fähre auf die Pfaueninsel überzusetzen. Wollen Sie dabei sein?

Pfaueninsel, Nikolskoer Weg 17, Wannsee, Fähre Mai–August 9–20 Uhr, April u. September 9–19 Uhr, März u. Oktober 9–18 Uhr, November–Februar 10–16 Uhr, Fahrt inkl. Eintritt 4, erm. 3 Euro, Abfahrzeiten ca. alle 15 Minuten, www.spsg.de