Lankwitz und Lichterfelde

Freie Plätze in Flüchtlingsheimen: Obdachlose ziehen ein

In der Bäkestraße sind Ende Juli 100 Plätze frei, in der Leonorenstraße 40. Mittlerweile werden Wohnungslose untergebracht.

Anfang April wurde die neue Unterkunft an der Lankwitzer Leonorenstraße eröffnet

Anfang April wurde die neue Unterkunft an der Lankwitzer Leonorenstraße eröffnet

Foto: Katrin Lange

Die in diesem Jahr neu eröffneten Flüchtlingsunterkünfte an der Lankwitzer Leonorenstraße und der Bäkestraße in Lichterfelde sind nicht voll ausgelastet. Zum Stand 31. Juli 2019 waren von den etwa 403 Plätzen an der Leonorenstraße 361 belegt und 42 frei. Das macht eine Auslastung von 82,8 Prozent. Zum selben Zeitpunkt standen an der Bäkestraße 106 Betten leer, 284 waren belegt. Damit war diese Unterkunft zu 71,7 Prozent ausgelastet.

Anfrage im Abgeordnetenhaus

Die Zahlen gehen aus einer Anfrage im Abgeordnetenhaus hervor, die Cornelia Seibeld und Oliver Friederici, beide CDU, gestellt haben. Friederici hat seinen Wahlkreis in Lankwitz und steht mit seinem Informationsstand oft vor dem Rathaus Lankwitz, nur einige hundert Meter Luftlinie von der neuen Unterkunft entfernt. „Dort haben mich Passanten angesprochen, die das Gefühl hatten, dass die Häuser nicht voll sind“, sagt Friederici. Aus diesem Grund habe er die Anfrage mit Cornelia Seibeld gestellt, die integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Berlin ist. Die Zahlen hätten jetzt den Eindruck bestätigt.

Ist die Unterkunft am Osteweg notwendig?

„Es kann nicht sein, dass ein wunderbarer Wald mit 200 Bäumen gefällt wird, um neue Unterkünfte zu bauen, die dann nicht ausgelastet sind“, sagt Friederici. Da stelle sich auch die Frage, ob weitere Flüchtlingsunterkünfte, zum Beispiel am Osteweg, wirklich notwendig sind. Am Osteweg hat der Bezirk Steglitz-Zehlendorf eine Schule und eine Sporthalle geplant, um den Bedarf der neu hinzugezogenen Familien zu decken. Nach derzeitigen Stand will der Senat jedoch dort eine Unterkunft für etwa 250 Flüchtlinge bauen.

Nachnutzung für Studenten war im Gespräch

Den Leuten sei aber auch aufgefallen, dass an der Leonorenstraße immer mehr Wohnungslose untergebracht werden, so Friederici. Das sei nicht so abgesprochen gewesen. „Die Lankwitzer haben sich auf die Flüchtlinge eingestellt“, sagt der Abgeordnete. Und das auch in Ordnung gefunden. Für eine spätere Nachnutzung hätte man ihnen hingegen Studentenwohnungen in Aussicht gestellt. Jetzt sehe es eher danach aus, dass eines Tages nur noch Wohnungslose in den Häusern wohnen.

95 Plätze für Wohnungslose

Die Zahlen aus der Beantwortung der Anfrage durch Staatssekretär Daniel Tietze belegen diesen Eindruck. In beiden Einrichtungen seien bisher insgesamt 95 Plätze an Wohnungslose vergeben worden, heißt es. „Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) hat bisher in der Unterkunft Leonorenstraße drei Bezirken Kontingente von jeweils 30 Plätzen für die eigenverantwortliche Platzauswahl zur Verfügung gestellt“, erläutert der Staatssekretär in seiner Antwort. In der Bäkestraße seien einem Bezirk ein Kontingent von 30 Plätzen angeboten worden. Beide Unterkünfte seien aber in der Hauptsache für den Freizug des Tempohome-Standortes Columbiadamm genutzt worden. Der Standort musste zum 30. Juni geschlossen werden und soll bis zum Jahresende zurückgebaut sein.

Lankwitzer fühlen sich nicht ernst genommen

Natürlich müsse man den Obdachlosen helfen, sagt der Abgeordnete Friederici. Vor allem im Winter, wenn es kalt werde. Aber dann dürfe man den Lankwitzern nicht versprechen, dass sie entweder Flüchtlinge oder Studenten als Nachbarn bekommen. Das führe nur dazu, dass sie sich nicht ernst genommen und im Stich gelassen fühlen.