Streit

Kirchengemeinde kündigt Mietvertrag von Kita

Die Evangelische Kirchengemeinde Schönow-Buschgraben benötigt die Räume selbst.

Das Kinderhaus Schönow feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Kinderhaus Schönow feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Gerade laufen die letzten Vorbereitungen für das Jubiläumsfest: Das Kinderhaus Schönow feiert am 31. August sein 50-jähriges Bestehen. Die Elterninitiative wurde 1969 gegründet. Sie gehört heute zu den ältesten Kinderläden Berlins. Doch ein besonders fröhliches Fest wird es wohl nicht werden, denn die Zukunft der Einrichtung ist bedroht. Mitten im Jubiläumsjahr wurde der Mietvertrag der Kita von der Evangelischen Kirchengemeinde Schönow-Buschgraben gekündigt. Die Gemeinde braucht Platz für eine neue Pfarrerswohnung. Bis zum 31. Juli 2020 muss das Kinderhaus daher die Räume verlassen und an die Kirchengemeinde übergeben.

Betreuungsplätze und Arbeitsplätze sind bedroht

„Wir bedauern die Entscheidung der Kirchengemeinde, uns den Mietvertrag zu kündigen sehr. Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Kirche aus Eigennutz in Zeiten einer Kitakrise in Berlin für 19 Kinder Betreuungsplätze vernichtet,“ sagt Laura Karhu, erste Vorsitzende des Kinderhaus Schönow. Auch die Arbeitsplätze von drei Erzieherinnen und einer Köchin seien durch die Kündigung bedroht, zudem werde eine Bundesfreiwilligendienstleistende beschäftigt.

Altes Pfarrhaus wird verkauft

Die Kirchengemeinde steht nach eigenen Aussagen aktuell vor der Aufgabe, ein tragfähiges Zukunftskonzept für die ihr anvertrauten Immobilien und Grundstücke zu entwickeln. „Unser altes Pfarrhaus jenseits der Gemeindegrenzen ist entwidmet und wird voraussichtlich im Jahr 2020 verkauft“, erklären die Pfarrerinnen Katharina Loh und Thora Weintz. Aus dem Erlös des Hauses solle eine neue Pfarrwohnung nahe der Kirche entstehen. Auch das Gemeindehaus müsse modernisiert werden im Laufe der kommenden Jahre.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Gemeinde multifunktionale, barrierefreie Räume benötigt. All das leistet unsere dritte Immobilie – das Holzhaus gegenüber der Kirche – nicht“, so die Pfarrerinnen. Deshalb werde man sich voraussichtlich davon trennen. Das hieße aber auch, dass die Gemeinde dem Verein Kinderhaus Schönow nicht länger die dortigen Räume für ihre Kindertagesstätte anbieten könne. „In Gesprächen versuchen wir, dem Verein zu helfen, für sich eine solide Alternative zu finden“, sagen Katharina Loh und Thora Weintz. Gemeinde entwickeln, heiße manchmal auch, sich zu trennen.

„Für die Kinder eine Katastrophe“

Nino Keller ist Vater von zwei Kindern, die im Kinderhaus Schönow betreut werden. „Der Verlust des Kinderhauses ist für die Kinder eine Katastrophe“, sagt Keller. Die Kirche bedrohe aber auch die finanzielle Grundlage der Familie, da er aufgrund des Kitaplatzmangels in Berlin die Gefahr sehe, bis zum Sommer 2020 keinen alternativen Kitaplatz zu finden. Ein Elternteil müsse dann seine Arbeit kündigen, um zu Hause die Kinder betreuen zu können.

Das Kinderhaus hat bereits Unterstützung in der Politik gesucht. „Es ist verständlich, wenn die Evangelische Kirche ihren Immobilienbesitz entwickeln und für vorrangig eigene Zwecke nutzen will. Insgesamt haben wir aber natürlich keinerlei Interesse daran, dass Betreuungsangebote vernichtet werden. Jeder Platz ist kostbar“, erklärt die Abgeordnete Ina Czyborra (SPD), die ihren Wahlbezirk in Steglitz-Zehlendorf hat. Sie unterstützt die Einrichtung als Vermittlerin zwischen Kirche, den Verantwortlichen im Bezirk und dem Kinderhaus.

Weitere Verhandlungen laufen

Auch mit der Kirche führt das Kinderhaus weiterhin Verhandlungen, um die Kündigung abzuwenden oder Alternativen für die weitere Zusammenarbeit zu finden. Das Kinderhaus hat nach eigener Auskunft zum Beispiel angeboten, sich am Bauprojekt zu beteiligen und das geplante Pfarrhaus um einen Kitaanbau zu erweitern. Auch die Teilung des Grundstücks für einen separaten Kita-Neubau wurde vom Kinderhaus vorgeschlagen. Bis zum Ende diesen Jahres braucht das Kinderhaus eine verbindliche Perspektive.