Denkmalschutz

Runder Tisch berät über Denkmalkonzept für Baracken

Drei Häuser, in denen Kriegsgefangene untergebracht waren, sollen erhalten bleiben und in das neue Stadtquartier integriert werden.

Eine der alten Baracken, in denen unter anderem Zwangsarbeiter untergebracht waren

Eine der alten Baracken, in denen unter anderem Zwangsarbeiter untergebracht waren

Foto: Foto: Reto Klar / Reto Klar

Auf dem Gelände zwischen Osdorfer Straße und Anhalter Bahn in Lichterfelde Süd werden derzeit die Pläne für 2500 neue Wohnungen, eine Kita und eine Schule gemacht – und für drei Baracken, in denen bis 1945 Kriegsgefangene untergebracht waren. Seit mehr als einem Jahr wird die Geschichte der Häuser erforscht. Mitarbeiter des Denkmalamtes kamen zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Resten von Mauern, Böden und Sanitärbereichen um Bestandteile eines Lagers handelt, das einmalig in Berlin ist. Jetzt geht es darum, wie die Baracken als Gedenkort umgestaltet werden und wer sich um den Betrieb kümmert. Dazu tagt am 15. August erstmals ein Runder Tisch, der allerdings nicht öffentlich ist.

Alle Betroffenen an einem Tisch

„Wir wollen alle Betroffenen – Vertreter der Groth-Gruppe, der Bürgerinitiativen und des Denkmalschutzes – zusammenbringen, um über ein Gesamtkonzept zu beraten“, sagt Landeskonservator Christoph Rauhut. Kein Zweifel bestehe mehr daran, dass die zwei Baracken erhalten bleiben, eine am Landweg, Ecke Osdorfer Straße und eine auf dem Gelände der künftigen Schule in der Nähe der Bahntrasse. Ein dritte Baracke werde an einen anderen Ort versetzt, weil sonst der Bebauungsplan nicht umgesetzt werden könnten.

Wer übernimmt die Verantwortung?

Wer fühlt sich künftig für die Baracken verantwortlich? Das ist eine der Fragen, die jetzt geklärt werden muss. So könnte der Betrieb in die Zuständigkeit der Schulverwaltung oder an den Bezirke übergehen, sagt Rauhut. Zudem müsse festgelegt werden, wem die Barackengrundstücke künftig gehören. Nachdem der Denkmalschutz den baulichen Erhalt der drei Häuser beschlossen hat, „muss nun die Diskussion beginnen, wie die Erinnerungskultur ausgestaltet werden soll“, so der Landeskonservator.

Zeitplan des Bebauungsplans soll eingehalten werden

Soll es ein Lagermodell geben? Wie werden die Zusammenhänge erklärt? Wie viel Platz ist in den Baracken für Ausstellungen und Seminarräume? „Wir wollen uns intensiv darüber austauschen“, sagt Rauhut. In den nächsten Monaten sollen alle Fragen des Denkmalschutzes geklärt sein. „Wir wollen auf keinen Fall den Zeitplan des Bebauungsplans verzögern“, so der Landeskonservator.

Baracken standen im Gewerbegebiet

Jahrzehntelang gehörten die Baracken zu einem Gewerbegebiet am Landweg und an der Réaumurstraße. Verschiedene kleinere Handwerksbetriebe hatten dort ihren Sitz, bis die Groth-Gruppe das 100 Hektar große Gelände kaufte, um auf dem ehemaligen US-Militärgelände 2500 Wohnungen zu errichten. Die Neubaupläne bedeuteten das Aus für die privaten Unternehmen an diesem Standort, sie mussten sich neue Gewerberäume suchen oder schließen.

Hohlblocksteine wie in Sachsenhausen

Nachdem die alten Baracken leergezogen waren, sahen sie sich Vertreter verschiedener Initiativen genauer an. Darunter war auch Thomas Schleissing-Niggemann, Vorsitzender der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde. Der pensionierte Geschichtslehrer fand in der vorher von Dachdecker Heinrich genutzten Baracke Hohlsteine, die er in dieser Form vorher nur in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen gesehen hatte.

Lager für 2600 Personen

Damit kam der Stein ins Rollen. Erste Überprüfungen von Mitarbeitern des Denkmalschutzes bestätigten, dass sich auf dem Gelände ein großes Kriegsgefangenenlager befunden hat. Zwölf Baracken gehörten einst zu dem so genannten Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager Stalag III D. Sie wurden zunächst 1938 von der Reichsbahn für 1400 Arbeiter errichtet. Ein Jahr später übernahm die Wehrmacht das Lager und brachte dort 2600 Kriegsgefangene unter, vor allem Franzosen.

Untersuchungen zur Rolle der Reichsbahn

Die neuen Forschungsergebnisse haben jetzt gezeigt, unter welchen prekären Umständen die Menschen in den Baracken hausten, vor allem in Bezug auf die hygienischen Zustände. So mussten sich zum Beispiel 152 Kriegsgefangene sechs Aborte teilen. Im Oktober sollen die Archäologen mit ihren Grabungen beginnen. Vorgesehen sind. „Es ist von zehn Schnitten im Gelände die Rede“, sagt Thomas Schleissing-Niggemann. Auch die Rolle der Reichsbahn auf dem Gelände werde jetzt noch einmal untersucht.