Wohnen in Berlin

Großer Andrang bei Mieterberatung in Steglitz-Zehlendorf

In der ersten Woche waren sofort alle Termine vergeben. Vorherrschendes Thema: Mietendeckel und Mieterhöhungen.

Marco Hopp, Fachanwalt für Miet- und Wohneigentumsrecht, berät alle zwei Wochen im Rathaus Zehlendorf.

Marco Hopp, Fachanwalt für Miet- und Wohneigentumsrecht, berät alle zwei Wochen im Rathaus Zehlendorf.

Foto: Katrin Lange

Als einer der letzten Bezirke bietet jetzt auch Steglitz-Zehlendorf eine kostenlose Mieterberatung an. Die asum GmbH, eine Beratungsgesellschaft für Wohnungs-, Stadt- und Mietenpolitik und 100-prozentiger Auftragnehmer vom Land Berlin, hat die Beratung im Auftrag des Bezirks übernommen.

Start war am Dienstag, 6. August. „Alle Termine in dieser Woche waren sofort weg und auch in der nächsten sind sie schon vergeben“, heißt es bei der asum GmbH. Während es in Lichtenberg langsamer angelaufen sei, sei die Nachfrage in Steglitz-Zehlendorf groß.

Fünf Rechtsanwälte beraten in den Rathäusern

Fünf Rechtsanwälte sind in den Rathäusern Steglitz und Zehlendorf im Einsatz. Sie wechseln sich mit der Beratung ab. Einer von ihnen ist Marco Hopp, Fachanwalt für Miet- und Wohneigentumsrecht mit eigener Kanzlei in Friedrichshain.

Hopp berät jeden zweiten Mittwoch im Rathaus Zehlendorf die Mieter. 15 Minuten Zeit hat er für jeden Ratsuchenden. „Ob das reicht, müssen wir sehen“, sagt Hopp. Das werde eine erste Auswertung ergeben. Möglich sei, dass man dann auf 20 Minuten erweitere.

Größtes Problem: Mietendeckel

Der erste Beratungstag im Rathaus Zehlendorf liegt hinter dem Anwalt, Hopp kann eine erste Bilanz ziehen. „Zwei Drittel der Fragen drehten sich um den Mietendeckel und die Mieterhöhungen“, so der Jurist.

Wie soll man auf die in letzter Sekunde verschickten Mieterhöhungen reagieren? „Erst einmal prüfen, ob die Höhe berechtigt ist“, sagt der Hopp. Dafür gibt es eine Orientierungshilfe für die wohnwerterhöhenden und wohnwertmindernden Merkmale auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Damit lässt sich feststellen, ob die Miete nach der Erhöhung im Rahmen der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt.

Doch auch das ist nicht immer leicht. „Es sind oft sehr weiche Merkmale“, sagt der Anwalt. Ob das Parkett nun hochwertig sei oder der Hauseingang einen gehobenen Standard habe, sei nicht immer eindeutig. Da könnten Mieter und Vermieter verschiedener Ansicht sein. An seinem Beratungstag war nur eine Mieterhöhung in Ordnung, bei den anderen sollten die Mieter gar nicht oder nur teilweise zustimmen.

„Der Mietendeckel kommt bestimmt“

Ob die Erhöhung überhaupt zum Tragen kommt, ist immer noch unklar. „Der Mietendeckel kommt bestimmt, die Frage ist nur in welcher Form“, sagt Marco Hopp. Also rät er dazu, unabhängig vom Mietendeckel auf die Mieterhöhung zu reagieren – also ganz, teilweise oder gar nicht zuzustimmen. Und dann abzuwarten, wie das Gesetz, das im Januar 2020 erlassen werden soll, ausgestaltet ist. Darin wird auch festgelegt sein, ob Mieterhöhungen, die noch bis zum 17. Juni zugestellt worden sind, überhaupt gültig sind, da es eine zweimonatige Überlegungsfrist gibt.

23.000 Euro für die Gartenpflege

Die anderen Fragen drehten sich um Betriebskosten, Untermiete und Schönheitsreparaturen. So hatte der Mieter einer Wohnanlage eine Betriebskostenabrechnung bekommen, in der 23.000 Euro für die Gartenpflege aufgelistet waren. Der Rat des Anwalts: die Belege einsehen und überprüfen, welche Arbeiten gemacht wurden.

„Instandhaltungskosten dürfen zum Beispiel nicht umgelegt werden“, erläutert der Fachanwalt. In zwei Wochen, am 21. August, wird Marco Hopp wieder im Rathaus Zehlendorf sitzen und ratsuchenden Mietern weiterhelfen.

Termine für die kostenlose Mieterberatung in Steglitz-Zehlendorf: Dienstag und Donnerstag, 15–18 Uhr, im Rathaus Steglitz. Mittwoch von 15–18 Uhr im Rathaus Zehlendorf. Ein Anmeldung ist erforderlich unter der Telefonnummer: 030 / 293 43 10.