Betreuung

Grundschulen müssen länger auf mobile Klassenräume warten

Die geplanten Containerbauten sind zu teuer. Jetzt müssen neue Lösungen mit den fünf Schulen in Steglitz-Zehlendorf gefunden werden.

An fünf Grundschulen mussten mobile Klassenzimmer wegen statischer Mängel abgerissen werden.

An fünf Grundschulen mussten mobile Klassenzimmer wegen statischer Mängel abgerissen werden.

Foto: imago stock&people

Der Start ins neue Schuljahr ist nach Auskunft von Heike Waldschütz, Leiterin der Schulaufsicht Steglitz-Zehlendorf, „ohne Hiobsbotschaften“ im Bezirk verlaufen. Es sei aber auch in Steglitz-Zehlendorf vorgekommen, dass Lehrer „plötzlich in Elternzeit gegangen sind oder plötzlich das Land Berlin verlassen haben“. Die Schulen konnten dennoch ihre Arbeit aufnehmen.

Schlechte Nachrichten an fünf Grundschulen

An fünf Grundschulen im Bezirk gab es allerdings schlechte Nachrichten: Sie müssen länger als geplant auf ihre neuen mobilen Unterrichtscontainer warten. Das heißt, dass Klassen- und Horträume weiterhin fehlen. Betroffen sind die Grundschule an der Bäke, die Mercator-Grundschule, die Giesensdorfer Grundschule, die Alt-Lankwitzer Grundschule und die Käthe-Kruse-Grundschule. An diesen Schulen mussten die alten „Mobilen Unterrichtseinheiten“ (MUR) wegen statischer Mängel abgerissen werden. Damit fehlen an jedem Standort vier Klassenräume, Freizeiträume und Toilettenanlagen. Noch im Februar hieß es, dass die neuen Ersatzbauten bis September stehen.

Angebote sind zu teuer für den Bezirk

Davon kann keine Rede mehr sein. Zwar ist die Ausschreibung abgeschlossen. „Aber die eingetroffenen Angebote liegen alle 60 Prozent über den Kosten einer ersten Analyse“, sagt Maren Schellenberg (Grüne), Bezirksstadträtin für Immobilien, im Schulausschuss. Sie sei schockiert über das Ausschreibungsergebnis. Ein Quadratmeter im Container würden demzufolge zwischen 3800 und 4200 Euro kosten. „Es ist unwirtschaftlich, zu diesem Preis Container aufzustellen“, so Schellenberg. Für alle fünf Standorte stünden insgesamt nur 7,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Sonderbauten mit 2,75 Meter Höhe

Im Vorfeld hatte das Bezirksamt beschlossen, die Container nicht zu mieten, sondern zu kaufen. Um sie flexibel einzusetzen – zum Beispiel auch an anderen Schulen, die später saniert werden –, sollten sie 2,75 Meter hoch sein. Standard ist 2,50 Meter. Diese Sonderausstattung hat nicht zuletzt zu dem hohen Preis geführt.

„Wir müssen jetzt noch einmal über andere Lösungen nachdenken“, sagt Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU) im Ausschuss. Schulamt und Bauamt seien im Gespräch mit den betroffenen Schulen, um Alternativen zu suchen.

Die Option, nur einen Teil der Container zu bestellen, hat der Bezirk bereits verworfen. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Container mit einer Höhe von 2,75 Meter unausgebaut zu kaufen und in bezirklicher Verantwortung ausbauen zu lassen. Dies dauere wahrscheinlich etwas länger, würde aber finanziell deutlich günstiger sein, so Maren Schellenberg. Zeiträume könne sie allerdings nicht benennen.

Keine Neuausschreibung der Container

„Wir werden verschiedene Lösungen angepasst an den Bedarf der Schulen auch unter Berücksichtigung der weiteren Sanierungsplanungen suchen“, sagt Schellenberg. Eine Neuausschreibung der Containeranlagen als ausgebaute Sonderanfertigung werde es nicht geben, da nicht zu erwarten sei, dass bessere oder wirtschaftlichere Angebote eingehen.

„Es wird aber auch noch geprüft, ob in einem Fall mit extremem Platzbedarf doch auf das vorliegende Angebot zurückgegriffen wird“, so die Immobilienstadträtin. An anderen Schulen soll in Absprache mit dem Senat verstärkt auf eine längerfristige Lösung gesetzt werden wie zum Beispiel modulare Schul-Ergänzungsbauten (MEB).

Abriss der alten Bauten fast abgeschlossen

Der Abriss der alten Container ist an den fünf Grundschulen fast abgeschlossen. An der Mercator-Grundschule und der Grundschule Alt-Lankwitz sind die Bauten komplett verschwunden, an der Giesensdorfer-Grundschule muss noch der Bauschutt abgefahren werden.

Etwa vier Wochen würden die Arbeiten noch an der Grundschule an der Bäke und an der Käthe-Kruse-Grundschule dauern, so Schellenberg.

Probleme bei der Nachmittagsbetreuung

In den betroffenen Schulen sind Kinder und Lehrer seit der Schließung der Container im Herbst 2018 zusammengerückt. So werden etwa nach den Essenszeiten Mensaräume genutzt und Turnhallen, bevor die Vereine kommen.

Probleme gibt es nach wie vor an der Käthe-Kruse-Schule. In Absprache mit dem Jugendamt werden bis Ende des Jahres 50 Schüler der dritten und vierten Klasse im benachbarten Jugendfreizeithaus Albrecht Dürer betreut. Die 156 Kinder der jahrgangsübergreifenden ersten und zweiten Klassen können weiterhin in der Grundschule bleiben. Für die fünften und sechsten Klassen soll es nach Auskunft von Bildungsstadtrat Frank Mückisch kein Betreuungsproblem geben.